Wissen ist Macht (02.06.2004 - Kenji)
Aus D-WARS.COM - Wiki
Clanländer
Quadrant 55, Omni 27668, Skelleton City
29.Mai 975 Imperialer Zeitrechnung
23:31 Standardzeit
Klon III 27 schloss leise die Tür hinter sich und spähte durch den stockfinsteren Gang. Seine akustischen Sensoren, auch bekannt als Ohren, meldeten ihm, dass weder Atemgeräusche noch Herzschläge im Gang vor ihm zu hören waren. Er war vorerst allein. Ein schneller Wechsel vom normalen Sehen auf Infrarotsicht und um ihn herum erblühte die finstere Umgebung in blau und grün getönte Schemen und Formen. Der Wartungsgang war relativ lang, mehrere Schotts und Tunnelabzweigungen waren links und rechts zu sehen.
Auftrag Spionage: Phase Eins, Infiltration, abgeschlossen, dachte der Klon mit kühler Emotionslosigkeit. Beginne mit Phase Zwei, Spionage. Mit schnellen intuitiven Handgriffen überprüfte er seine Ausrüstung. Während das rationale Bewusstsein des Klons der Überprüfung nachging, dachte sein Ich nach. Ihm war aufgefallen, das die Sicherheitseinrichtungen dieser Basis erheblich über den Standard in diesem Gebiet der Clanländer lag. Die rudimentäre Persönlichkeit in ihm fühlte so etwas wie Sorge und Verwunderung. Natürlich wurde der Klon von diese „Gefühlen“ nicht behindern. Seine Konditionierung und Programmierung führte ihn durch den ganzen Auftrag, lenkte all seine Entscheidungen und Bewegungen. Schnell schlich Klon III 27 lautlos den Wartungsgang entlang.
Er befand sich tief in den Eingeweiden der fremden Basis, anscheinend in den Versorgungssystemen der Forschungslabors. Ein guter Ort, um sich in das Computersystem zu hacken und den Spionageauftrag auszuführen. Sein Blick wanderte über die Beschriftungen der Türen: ... Kühlsystem, Versorgungsdepot, sekundäre Speichereinheit. Perfekt.
Klon III 27 musterte das Türschloss, eine Kombination aus Zahlenkombinationsschloss und Magnetkartenleser. Ein schneller Griff zum Elektronikwerkzeug und er begann die Verkleidung zu lösen. Und erstarrte. Was sich hinter der Abdeckung an Hightech verbarg, war in seiner Heimatbasis nur in den am schwersten gesicherten Einrichtungen installiert. Aber hier in dieser fremden Basis schütze sie nur ein relativ unwichtiges und nebensächliches Computersystem eines Simulators für Forschungsprojekte. Während sich seine Hände automatisch daran machen, beide Schlösser zu knacken, dachte er weiter drüber nach. Der logische Schluss war, das diese Basis sich nicht in diesem Gebiet der Clanländer entwickelt hat. Vermutlich ist das seinem Einsatzleiter bekannt, bloß hielt man es wohl nicht für wichtig genug um ihn darüber informieren.
Mit einem leisen Klacken entriegelte sich das eigentliche Türschloss, das schwere Schott glitt zur Seite und gab den Weg frei. Der Raum dahinter war in mattes rotes Notlicht getaucht, vollgestopft mit Computerkonsolen und Geräten. Mit schnellen Schritten trat er ein, sein Blick fiel sofort auf einen Computer-Uplink für die Wartung. Er schloss seinen eigenen Laptop an und begann seine Arbeit.
Seine Hände flogen schnell über die Tastatur, täuschten dem sekundären Speicher einen normalen Wartungszyklus vor und begann sich in die Zentrale KI einzuhacken. Der Laptop brauchte mehrere Sekunden, um den lokaler Server zu überzeugen, das alles in Ordnung war und der Benutzer autorisiert war. Klon 27 arbeitete weiter und verschaffte sich einen verschleierten Netzwerkzugang zur Zentralen KI. Der Bildschirm wurde für mehrere Augenblicke schwarz.
Kurz darauf erschien auf dem Display eine geballte silberne Faust, die sich öffnete, ein diamantenförmiger Rand erschien um das Emblem und vervollständigte selbiges. Klon 27 hob leicht eine Augenbraue. Dies ist eine Schattenhandbasis. Er gaukelte der KI weiterhin vor, dass er ein normaler Techniker war, während er versuchte, die geheimnisvolle Herkunft der Basis zu ergründen. Er wechselte durch mehrere unwichtige Systeme, um seine Spuren zu verwischen und landete in der großen Bibliothek der KI. Er ging zielstrebig zur Basishistorie und überflog sie schnell.
Das ist Caines Basis. Diese Basis ist das ehemalige Hauptquartier der Schattenhand. Er speicherte diese Information ab und begann, seinen eigentlichen Auftrag auszuführen. Sorgfällig ergründete er alle relevanten Einrichtungen in der Basis.
Computerwartungsraum 3005 Baker
30. Mai 975 Imperialer Zeitrechnung
00:02 Standardzeit
Sirenen plärrten in der Ferne aus den Lautsprechern, während sich Klon III 27 aus dem Computersystem ausklinkte. Er verstaute schnell das Kabel, jetzt kam es auf Schnelligkeit an, die gewonnenen Daten an die Heimatbasis zu übermitteln, bevor er gestellt wurde. Er spähte hinaus in dem Gang, der jetzt ebenfalls in rotes pulsierendes Licht getaucht war. Schnell eilte er den Gang entlang, um die Spuren seines Einbruches musste er sich jetzt nicht mehr kümmern.
Auftrag: Spionage, Phase Zwei: Informationsbeschaffung, abgeschlossen. Beginne mit Phase Drei: Informationsweitergabe.
Mit übermenschlicher Geschwindigkeit rannte der Klon leise durch die Gänge. Seine Sinne arbeiteten auf Hochtouren, er fieberte fast, sein Körper wollte sich noch schneller bewegen, Amphetamine fluteten durch die Adern. Mit einer schnellen Bewegung riss er den Techniker, der nichts ahnend den Gang lang trottete, von den Füssen und schleuderte ihn gegen eine Wandverstrebung. Er musste hier raus, schnell wieder an die Oberfläche, seine einprogrammieren Instinkte verlangte das von ihm. Tief in seinem bescheidenen eigenen Bewusstsein fragte er sich, ob er diesen Einsatz noch überleben würde.
Was war das?
Ein leise Klicken hinter ihm war die einzige Warnung. Er sprang zur Seite, ein rubinroter Laserschuss zerschnitt mit leisen Surren die Luft an der Stelle, wo er eben noch war. Ein flüchtiger Blick, er erkannte eine aufrechte Gestalt mit einem Lasergewehr in der Hand, konnte noch das Schattenhand Emblem auf der Rüstung erkennen. Der Mündung des Laser richtete sich auf ihn aus, ein erneutes verräterisches Surren folgte. Das muss ein Klon sein, Typ 5. Mit kalten logischen Wahrscheinlichkeitsgleichungen berechnete sein genmanipulierter Verstand die Erfolgs- und Überlebenschancen. Sie sanken. Er hechtete hinter einer Tunnelbiegung in Deckung, zog seinen Nadler.
Der Nadler ist eine pistolenähnliche Waffe, die aber an Stelle von konventionellen Patronen fünf etwa 6 cm lange Titannadeln pro Schuss abfeuerte. Diese Waffe ist bei Agenten und Klone sehr beliebt, sie ist fast lautlos und durchschlägt die meisten Schutzkleidungen. Und sie richtete verheerenden Schaden an.
Klon III 27 entschied, dass er einem Kampf aus den Weg gehen musste. Die gesammelten Daten hatten Priorität.
Stillgelegter Lagerraum, Fabrikkomplex
30.Mai 975 Imperialer Zeitrechnung
03:02 Standardzeit
„Datenübertragung komplett,“ blickte es regelmäßig auf dem Display des Laptops.
Auftrag: Spionage, Phase Drei, Informationsweitergabe, abgeschlossen. Beginne mit Phase Vier: Rückkehr.
Nach dem Eindringlingsalarm war die gesamte Basis in Alarmbereitschaft versetzt worden, Wachen partroulierten durch die Gänge, automatische Sicherheitsanlagen schützen sensible Einrichtungen. Massive Sicherheitsschotts versperrten ihm den Weg und schränkten seinen Bewegungsmöglichkeiten ein. Alle seine Wahrscheinlichkeitsberechnungen sagten das selbe: Er wird diese Basis nicht mehr lebend verlassen können. Trotzdem waren Sicherheitsschotts, die ihm eigentlich den Weg versperrt sollten, geöffnet. Es war fast so, als würde jemand ihn helfen oder zu einem bestimmten Punkt lotsen wollen. Der emotionslose Teil seine Bewusstseins ignorierte den Umstand, aber sein Ich, das was einer Persönlichkeit am nächsten kam, war alarmiert. Aber die eingebauten Datenpakete diktierten die nächsten Schritte.
„Pack den Laptop noch nicht weg.“ sprach eine tiefe Stimme hintern ihm. Die Reflexe übernahmen die Kontrolle, er fuhr herum und feuerte den Nadler ab. Mehrere Salven 6 cm langer Titannadeln schlugen laut in die Wand ein, überrascht suchte er nach dem Ursprung der Stimme, er hätte schwören können, sie wäre genau hinter ihm. „Steck die Waffe weg, ich bin nicht den Feind.“ Von oben fiel eine durchsichtige Gestalt und landete aufrecht 3 Meter vor ihm. Klon 27 war viel zu überrascht, diese hochentwickelte Art von Tarntechnologie war ihm selbst unbekannt. Vermutlich imperiale oder Alientechnologie. Die Gestalt schimmerte kurz blau auf und die Tarnung verschwand, wie ein Tuch das vom Körper des Fremden gezogen wurde. Eindeutig kein Alien. Der Tarnmantel offenbarte einen Mann unbestimmten Alters, hochgewachsen, muskulös, breite Schultern, scharf geschnittene Gesichtszüge, stechende blaue Augen mit kurzen geschorenen braunen Haaren. Er trug einen mattschwarze stromlinienförmige Rüstung, an entscheidenden Stellen gepanzert. Er war fast perfekt.
„Ich bin Weiß Vier und im Auftrag des Imperialen Geheimdienstes hier,“ er mustert kurz sein Gegenüber. „Bei meinem Auftrag wurde ich von meinem Team abgeschnitten und getrennt. Ich habe im geheimen weitere Nachforschungen angestellt und empfindliche Daten gesammelt. Diese Informationen sind eventuell entscheidend für die Zukunft des Imperiums. Ich habe dich beobachtet und dir geholfen, den Sicherheitseinrichtungen aus den Weg zu gehen und hierher zu finden. Dabei wurde auch meine Anwesenheit endgültig entdeckt. Ein Teil meiner Ausrüstung ist beschädigt, daher bitte ich Sie ein weiteres Upload vornehmen.“ Plötzlich donnerte etwas schwer gegen die verschlossene Stahltür hinter den beiden. Klon III 27 zuckte zusammen, hob wieder die Waffe, hingegen Weiß Vier nur leicht die Augenbraue hob. „Wir wurden entdeckt,“ analysierte er kühl. „Die Fluchtwahrscheinlichkeiten liegen zur Zeit unter 5 %.“ Klon 27 brauchte mehrere Sekunden länger, um zum selben Schluss zu kommen. Am Rand der Tür glühte es kurz auf, plötzlich flogen Funken von der Tür weg. Anscheinen versuchten die Sicherheitskräfte sich den Weg frei zuschweißen. Irgendwoher zog Weiß Vier einen kleine Datendisk: „Übertrage Sie das an Ihren Auftraggeber und schicke eine Nachricht mit.“
Klon 27 brauchte weiter Informationen: „Welche Nachricht?“
„Sag Sie Ihrem Befehlshaber, das Selaris ihm im Gegenzug für diese Informationen 250 Selenium aushändigen wird.“ Klon 27 kannte diesen Selaris nicht, aber sein Auftrag war fast vorbei, ebenso sein Leben. Seine Datenpakete und Befehlsalgorithmen kannten keine Antwort auf diese Bitte. Die festinstallierten Verhaltensweisen waren nicht für so eine Situation ausgelegt. Seinem jungen Ich, in den letzen Stunden endgültig erwacht, war klar, das er keine Zeit mehr hatte. Er entschied sich. Zum ersten Mal in seinen kurzen Leben entschied er, kein Vorgesetzter, eine Anweisung oder die einprogrammieren Verhaltensweisen. Er öffnete den Laptop wieder und bereitete alles für eine weiter Datenübertragung vor. Weiß Vier lächelte leicht, reichte ihm die Datendisk, zogt anschliessend eine Laserpistole und sicherte den Eingang.
Schneller, Schneller! Seine Hände folgen über die Tastatur, schnell aber trotzdem präzise. Es wurde immer wärmer im Raum, der beißende Geruch von verbrannten Kunststoff und Stahl lag in der Luft, lange Funkenfontänen flogen von der Tür weg, nur noch wenige Zentimeter waren bis zum Durchbruch verlieben. Endlich begann der Niederfrequenzsender die Daten zu übertragen, der Prozentbalken stieg an.
Klon 27 hob seinen Nadler, zielte auf die Tür: „Werden wir hier sterben?“ Der imperiale Klon nickte angedeutet: „Vermutlich.“ Ein kurzer Blick auf den Laptop: 43 Prozent. „Ich habe ... Angst.“
Weiß Vier blickt über die Schulter zu ihm, hob anerkennend die Braue: „Dann hast du gelebt.“ Klon III 27 blickte kurz leer in den Raum und zum erstenmal seit seiner Aktivierung lächelte er.
Mit einem kurze Zischen erstarb die Funkenfontäne, die Tür knarrte leise. 71 Prozent. Schwere Schläge donnerten gegen die Tür, der Stahl knirschte protestieren, er selbst ging in Deckung. Plötzlich und unvermittelt gab die Tür nach und brach langsam quietschend aus dem Rahmen. Fast einen Ewigkeit schien das verbrannte Stück Metall in der Luft zu schweben, sich langsam zum Boden neigend. Die Sekunden zogen sich zu Ewigkeiten. Dann schlug es unvermittelt dumpf scheppernd auf.
Der Nadler lag ruhig in der Hand, kühl und gewohnt, als er zielte, sein geschundener Körper, schon längst über der Grenze der Erschöpfung getrieben, mobilisierte die letzten verborgenen Reserven. Ein schneller Blick zum Display. 100 Prozent: Upload komplett.
Und dann begann er zu feuern.
