Untergang des Imperiums (11.12.2007 - Ankhman)

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Stumm stand der Imperator mit hinter dem Rücken verschränkten Armen auf dem Balkon des Palastes und schaute herab auf die brennende Stadt. Alle wichtigen Punkte des Verteidigungskordons standen in Flammen und schwarze Rußwolken schraubten sich schräg in den Himmel, ausfasernd und vom Wind vor sich hergetrieben. Immer wieder blitzte es im Stadtgebiet auf, die Kämpfe dauerten jetzt schon fast einen Tag. Mittlerweile hatten die verbliebenen Streitkräfte sich auf Guerillakampf zwischen den Häusern verlegt; keiner der eigenen Droiden stand noch und war gefechtsbereit. Die Sicht über das Adriabecken war heute grandios. Die Luft war klar und die ab und zu aus dem Himmel fallenden Trümmer und Wracks der Raumflotte sahen aus wie ein stellares Feuerwerk. Sein Gesicht war regungslos und ließ keinerlei Gefühle erkennen. Still trat Selaris neben ihn, räusperte sich vernehmlich und rückte seine Sonnenbrille zurecht.
„Sir, wir müssen jetzt WIRKLICH gehen. Die Zeit wird knapp und unsere Fluchtfenster werden kleiner.“
Zuerst dachte der Chef des IND, dass der Herrscher ihn nicht gehört hatte und so tief in Gedanken versunken war, dass er alles um sich herum ausblendete. Doch dann bewegte sich der alte Mann, sah mit zusammengekniffenen Augen prüfend zu ihm herüber und ging wieder in sein Büro.
„Gib mir einen Zwischenbericht.“
Seine Stimme klang tief und sorgenvoll.
„Sir, sie sind auf ganzer Linie durchgebrochen. Die Kontrollbasis des Botschafters steht in Flammen. Ihre Spione müssen gewusst haben, dass Lemming momentan dort nicht anwesend war, sonst hätten sie sich blutige Nasen geholt. Der Botschafter selber ist bereits verständigt worden und in Sicherheit. Cyem ist dort mit seinen Sprungbasen massiert eingefallen und hat alles ausradiert. Dragov musste die Börse und den Atlantikwall aufgeben und Corelis hat Alamar evakuiert und sich mit unbekanntem Ziel zurückgezogen. Achron hat die Verbindung zwischen Mural Dyrinn und dem Archiv gesprengt und sich somit abgeschottet. Ob es was nützte, wissen wir nicht, wir bekommen keinerlei Kontakt. Wir haben die hiesige Kontrollanlage der Okularis sabotiert, aber sie werden sie wohl reparieren können. Für eine vollständige Abschaltung müssten wir den Palast sprengen und das würde die halbe Stadt mit ins Verderben reißen. Alle geheimdienstlichen Daten sind gesichert und die Originale in der Palast-KI permanent gelöscht.“
Mit einem Nicken kommentierte der einstmals mächtigste Mensch des Planeten jedes Detail.
„Was ist mit den Raumstreitkräften?“
„Die Skasim sind wieder aktiv geworden und haben fast die komplette Streitmacht Siverias’ aufgerieben. Haben die Schatten hier unten versucht, die Infrastruktur nicht anzutasten, gab es auf dem Mond verbrannte Erde. Ihre ‚guten Kontakte’ zu den Außerirdischen konnte scheinbar dieses Massaker nicht unterbinden.“
Der Imperator stand gebeugt vor seinem Schreibtisch und seufzte.
„Wo ist die Kaiserin?“
„Unbekannt. Nach ihrem Zwischenstop bei Major Gazlowe konnte kein Kontakt mehr aufgebaut werden. Ich denke aber, sie wird über die Lage im Bilde sein.“
„Die letzten Ritter sind verständigt worden?“
„Ja, alle bis auf den Überläufer Donky. Klopfer ist vom Erdboden verschwunden, Hirntot reagierte nicht und Ankhman ist mit Haus Corelis von Alamar aus aufgebrochen.“
„Waren die Claner nicht in der Lage, dem Einhalt zu gebieten?“
„Theoretisch hätten sie es tun können. Aber es scheiterte an den üblichen Problemen: Uneinigkeit, Geldgier und Starrsinn. Außerdem schien man die Gefahr zu unterschätzen, beziehungsweise nahm sie generell nicht ernst.“
„Nun, diesmal werden sie ernten, was sie säten. Diesmal kann ich nicht meine Hand über sie halten.“
Selaris sah ungeduldig auf seinen Chronometer und wurde nervöser.
„Sir, das lässt sich nicht ändern. Vielleicht kommen sie so endlich mal zur Besinnung. Kommen sie jetzt bitte.“
Die Stimme des Geheimdienstchefs wurde drängender, während er zusah, wie der Imperator vor seiner Erinnerungsschrankwand stand und die Dinge betrachtete, die er im Laufe der Jahrtausende gesammelt hatte.
„Die Arbeit von fast eintausend Jahren – kaputt in nicht einmal einem Tag.“
„So dürfen sie nicht denken, Sir. Sie leben und sind in Freiheit.
„Gemach, junger Mann. Ich bin gleich fertig.“
Mit diesen Worten trat er an eine Vitrine heran, entnahm ihr 16 bläulich leuchtende Behälter und legte sie in einem Koffer aus Seleniumstahl ab.
„Jetzt habe ich alles, geh voran zum Hangar und mach die Negatoren bereit. Ich brauche keinen extra Piloten, ich werde selber steuern.“ Bevor er aus der Tür schritt, drehte er sich noch einmal um. Er ging zu seinem Schreibtisch, nahm Schreibfolie und Stift zur Hand, schrieb etwas auf und platzierte es gut sichtbar. Der Weg zu den privaten Hangars des Palastes war kurz. Schnell schritt er durch die Hallen und registrierte nebenbei die Leute, die sich hier versammelt hatten.
„Wir sollten hier bleiben und kämpfen!“
„Und welche Chancen rechnen sie sich für einen Sieg aus, Lord Jacaal? Wäre es profitabel?“
Der Angesprochene verstummte und betrachtete verbissen seine Zehen.
„Die Claner haben uns hängen lassen“
„Unsinn, Lord Anthevis, nicht alle. Und denen gilt unser Dank, denn sie haben uns die Zeit verschafft, dass wir uns noch zurückziehen können. Und nur wenn man in Freiheit lebt, kann man auch um etwas kämpfen und zurückkehren. Es gilt das Ziel Fluchtpunkt Gamma. Die Genauen Koordinaten werde ich ihnen übermitteln, wenn wir die Stadtgrenzen überquert haben. Wir werden uns in fünf Gruppen aufteilen und einzeln unser Ziel ansteuern. Möge das Schicksal uns gnädig sein, dass wir uns dort alle wieder sehen.“
Mit diesen Worten kletterte der älteste Mann des Planeten ins Cockpit seines Droiden und stapfte Richtung Hangartore.


Einsam lag eine Notiz auf einem massiven Holzschreibtisch.
„Bitte alles in tadellosem Zustand hinterlassen.
Bin bald zurück.
Danke.
P.“


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