Schattentraum (10.12.2003 - GSachse)
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Als die Sprungmotoren der Basis Belial's Castle anliefen, schlief der hohe Rat von Ragnarök GSachse den Schlaf der Gerechten. Tief in seine Decke gehüllt lag er auf dem Rücken und schnarchte zufrieden. Sein Traum, daran konnte er sich am nächsten Morgen sehr gut erinnern, war mehr als unanständig und hatte was mit einer Brünetten und einer Blonden zu tun.
Ein Wachsoldat nahm das statische Knistern der Sprungfelder wenige Minuten später durch das Interkom wahr. Ein dumpfer Knall von verdrängter Luft war am Horizont zu hören. Der Soldat schickte eine Drohne in die Richtung, aus der der Knall gekommen war. Da es in dieser Richtung eigentlich nichts geben konnte, feuerte er die Drohne hoch ab und ließ sich einen Bilderstrom auf den Monitor geben. Einige Minuten später hatte er sich das Bild zum vierten Mal angeschaut.
Kein Zweifel, dort gab es eine Basis. Sie war kleiner als die normalen Basen, die er kannte. Kompakter. Aber es war eine vollwertige Basis, soweit er es beurteilen konnte. Seine Hand ging zu einem abgegriffenen Handbuch. Er schlug es auf und nahm einen Zettel heraus. Er faltete ihn auseinander und sah abwechselnd auf den Zettel und das Standbild.
Die Basis da draussen war also tatsächlich eine Schattenbasis. Was sie hier wollte, wurde ihm recht schnell klar, als er auf dem Radarschirm neben sich die schnell näherkommenden Punkte sah. Er schlug mit der flachen Hand auf den Alarmknopf. "Raketen. Raketen. Alles Personal auf seine Posten. Die Basis wird angegriffen. Dies ist keine Übung, ich wiederhole dies ist keine Übung!"
Der Alarm schrillte durch die ganze Basis und auch in GSachses Schlafgemach plärrte ein altmodischer Alarm los. Dieser allerdings ging nur sehr gedämpft los, da Sachse in weiser Voraussicht eine Socke zwischen die Glocke und den Klöppel gestopft hatte. Sachse schlief weiter den Schlaf der Gerechten. Seine Soldaten hingegen wurden hektisch. Ein junger Leutnant stürmte in die Zentrale und starrte erst auf das Bild auf dem Monitor und dann auf die Zeichnung. Es bestand kein Zweifel. Das war eine Schattenbasis. Und sein Chef war nicht da.
Er überlegte.
In dem Moment schlugen die ersten Raketen im Verteidigungsperimeter der Basis ein. Sie rissen einige Türme in Stücke, richteten aber ansonsten keinen Schaden an. Der Leutnant öffnete einen kleine Tresor an der Wand, zu dem nur das Offizierscorps GSachse's zugriff hatte und entnahm den Ragnarök-Sonderbefehl Null Vier Strich Vier Zwei. Dieser beinhaltete das Verhalten im Falle eines Angriffs der Schattenhand-Sprungbasen.
Er las sich den Befehl durch und griff dann zum Interkom. "Achtung. Alle Soldaten verlassen unverzüglich ihre Positionen. Ziehen sie
sich geordnet in die ausgewiesenen Schutzräume zurück und vermeiden sie auf jeden Fall Kontakt mit dem Feind. Ich wiederhole: Feindkontakt in jedem Fall zu unterbleiben. Die Truppen dieser Sprungbasen besitzen imperiale Technologie, die unserer eigenen weit überlegen ist." Dann gab er den Befehl an die automatische Fabrik durch, die Arbeit während der Zeit des Angriffs einzustellen. Danach ließ er noch die Panzertore der Silos entriegeln und wandte sich dann zu dem Soldaten um. "Gehen sie auch. Heute nacht wird hier ausser einem Sachschaden nichts mehr passieren." Dann gähnte er und wandte sich zum Gehen.
Beim Verlassen der Kommandostation löschte er noch das Licht und als die Tür in ihr Schloß fiel, hörte man von draußen die zweite Welle Raketen einschlagen und das dumpfe Stapfen riesiger Droiden. Ein klein wenig ärgerte sich der Leutnant, daß er die Zugriffsdaten für das Photovoltgeschütz nicht hatte, aber im Grunde genommen war er froh, daß er sich wieder ins Bett legen konnte. Die Erfahrung hatte gezeigt, daß die Schattenhandbasen auftauchten und mit ihren Droids einmal vor der Basis auf und abliefen um dann wieder nach Hause zu wackeln. Er schüttelte den Kopf. Was ging in diesen Piloten vor? Sie liefen zu irgendwelchen Basen von Leuten, die sie nicht kannten, um da dann ein paar Ressourcen zu klauen, die sie nicht brauchten. Und dafür ließen sie sich regelmäßig abschießen. Das würde er nie verstehen.
Aber das war auch garnicht seine Aufgabe.
In seinem Quartier angekommen überlegte er kurz, ob er den Kommandanten wecken sollte. Er entschied sich dagegen, zog seine Stiefel und sein Uniform aus und stieg in das noch warme Bett, aus dem er erst vor kurzem aufgestanden war. Nach wenigen Minuten und genau in dem Augenblick wo die erste Welle von Schattenhanddroiden vor der hermetisch abgeriegelten Basis ankamen, schlief er ein. Wie es der Zufall wollte, erwachte GSachse genau in diesem Augenblick. Er sah sich ein wenig irritiert um. Er war der Meinung, ein Geräusch gehört zu haben. Aber in seinem Quartier war alles still. Er zuckte mit den Schultern, nahm ein Schluck Wasser und legte sich wieder hin.
Kurz darauf war er wieder eingeschlafen.
