Schattenschnitt (Ankhman)
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Vorausgeworfene Schatten
Der Schnee flog in dicken Flocken gegen die Glasitscheiben des Kommandostandes. Kommandeur Ankhman starrte in das wirbelnde Chaos und ließ seine Gedanken schweifen.
> So hat der Clan [oblivion] also den Bündnisfall ausgerufen ... nach über 6 Wochen Krieg, dem Wegfall von Phönix und den voranschreitenden Kämpfen .. hatte EA so etwas wirklich nötig? Wieso habe ich grade das Bildnis von Plündertruppen im Kopf und wieso werde ich grade an die vielen Kriegserklärungen erinnert, die gegen TSP angingen. Haben die neuen Kommandanten keinen funken Ehre im Leib als das sie sich nun in Sachen einmischen, die rein gar nichts mit ihnen zu tun hatten? <
Still drehte er sich um, ging zu seinem Schreibtisch und aktivierte den Servo.
"Bitte einen Tee - grün - heiß - 3 Stück Zucker. Außerdem eine Schaltung ins interne Clannetz und die offenen Frequenzen durchsuchen nach Reaktionen."
Mit einem Seitenblick und einer flüchtigen Bewegung zog er sich das Holofeld des Mikros heran.
"An die Basisbelegschaft - der Clan [oblivion] ist um 16 Uhr Standartzeit in den derzeitigen Krieg eingestiegen. Radarstation, Fabrik und Kloncenter bitte in erhöhte Bereitschaft. D'arvan bitte schnellstens zu mir!"
Fünf Minuten später erschien sein Co-Kommandant in der Zentrale. In seinen großen ledernen Sessel gelümmelt schaute Ankhman aus der Panoramafront und nippte an dem Tee.
"Hallo Schatz."
Ankhman räusperte sich hinter vorgehaltener Hand und schaute mit hochgezogener Augenbraue auf.
"Entschuldigung, Sir. Grüße, General Ankhman."
"Ah D'arvan," er lächelte, "wie sieht die Versorgung unserer Produktionsstätten aus? Haben wir genug Rohstoffe oder soll ich um Unterstützung bitten beim Clan?"
"Nein, unsere Minen liefern genug und der Ausbau geht zügig voran - in einer Woche wird der große Radar ans Netz gehen und die Seismo-spürer erhalten den letzten Schliff. Im Großen und Ganzen können wir rundum zufrieden sein mit dem was wir erreicht haben nach dem schlechten Start. Hast du … habt ihr es eigentlich jemals bereut?"
"Was? Zu Troja zu gehen und um Aufnahme zu bitten? ... Nein, auch wenn es anfangs nicht gut aussah mit der Aufnahme - die Vorwürfe bezüglich purer Schutzsuche vor Plünderungen aus dem eigenen Clan waren ja nicht von der Hand zu weisen - aber sie waren nur ein Teil der Gründe. Letztendlich haben wir aber gezeigt, wozu wir fähig sind und haben viele der Altangesessenen in Ausbau und Forschung schon überholt - also durchaus ein Grund stolz zu sein auf das geleistete - was aber - ich gestehe es ein - ohne den Clan nicht möglich gewesen wäre. Nein, ich bereue es nicht eine Minute lang, diese Entscheidung getroffen zu haben. Oder hätte ich Phönix fragen sollen?"
Beide Männer sahen sich kurz an und begannen zu lachen.
"Nein - da ist mir das Holzpferd lieber als das gebratene Hähnchen. Gibt es sonst noch etwas oder war das alles?"
Mit einem Kopfschütteln entließ Ankhman seinen Lebenspartner und schaute wieder aus der Panoramawand in das wirbelnde Chaos des Schneesturms. Er war unruhig, weil er das Gefühl hatte, etwas zu übersehen. Irgendetwas war seltsam, aber er kam nicht drauf, was ihn nun eigentlich störte, so sehr er sich auch das Hirn zermarterte. Seufzend und mit den Achseln zuckend drehte er den Sessel wieder zum Schreibtisch und widmete sich seinen täglichen Aufgaben - die logistischen Sachen wusste er ja in guten Händen.
Die Wochen vergingen, der Krieg tobte in den hinteren Sektoren und langsam zeichnete sich ein knapper Sieg ab. Ankhman lehnte sich zufrieden zurück und zog den Holoring seines Mikrophons zu sich.
"Logistikchef D'Arvan - bitte zum Kommandanten!"
Fünf Minuten später öffnete sich das Schott und sein Freund betrat das Büro.
"Was gibt es denn?"
"Wir haben Anforderungen für 29 Zengal - die Bezahlungen sind teilweise schon auf dem Weg."
"Wie bitte? Hättest du mir das nicht eher sagen können? Das braucht fast unsere gesamte Seleniumreserve auf."
"Ich weiß, die nächste Mission wird grade gestartet - beeil dich bitte mit dem Umstellen der Fabriken."
D'Arvan verabschiedete sich mit einem flüchtigen Kuss auf die Wange und wurde mit einem unwilligen Knurren und Winken aus dem Büro gewiesen. Ankhman drehte den schweren Ledersessel wieder dem Panorama hinter seiner Bürowand zu ... immer noch war er sich sicher, dass etwas ganz und gar nicht in Ordnung war - auch wenn langsam der Winter abebbte und die Temperaturen stiegen. Er konnte nicht direkt benennen was ihn störte, aber eine gewisse Unruhe war in den letzten 3 Wochen nicht zu leugnen. Als schließlich der Krieg mit einer Kapitulation der Gegner endete und wieder alle verfügbaren Ressourcen auf Ausbau und Handel umgestellt werden konnten, sah man in Sphinx Prime ruhigeren Zeiten entgegen und die Feier zum Sieg der eigenen Truppen wurde ein Ereignis, welches sich Kommandeur Ankhman einiges kosten ließ. Es wurden eine Raummission nach der anderen gefahren, Droiden gegen Waren gehandelt und es hätte alles so schön sein können ... bis die ersten Sabotageberichte auf seinem Schreibtisch auftauchten. Er ließ den leitenden Klon seiner Spionageabwehr antreten und bat um Rapport.
"Sir, wir wissen nicht, wie der Spion es geschafft hat, einzudringen und vitale der Fabrikationsstätten sabotieren konnte. Wir konnten keinerlei nach außen gerichtete Aktivität erkennen - der Feind muss sich noch hier aufhalten."
Mit einem Nicken entließ Ankhman ihn und begab sich wieder an seinen Schreibtisch, um den Basisrechnerverbund zu aktivieren.
"HORUS, bitte überprüfe alle Protokolle der... sagen wir letzten 3 Monate auf seltsame Vorkommnisse, die keine Bedrohung enthielten aber nicht geklärt werden konnten. Begrenze die Suche auf Parameter Personen betreffend, die Zugang zu den vitalen Stellen der letzten Sabotageaktionen haben."
"Verstanden Kommandeur - Suchanfrage und deren Bearbeitung wird voraussichtlich 2 Tage in Anspruch nehmen unter Berücksichtigung der Prioritäten."
Still und mit zuckenden Wangenmuskeln saß Ankhman in seinem Sessel und beobachtete auf dem Statusschirm seiner KI den Fortgang der Recherche.
Zwei Tage später hatte er die Auswertung vor sich und las die Namen von 2 Technikern, einem Forscher und von seinem Lebensgefährten D'Arvan!! Seine Augen verengten sich zu Schlitzen und er forderte weitere Informationen bei HORUS an. Nachdem war vor 2 Monaten ein Zwischenfall gewesen, dass D'Arvan auf einem kurzen Rundgang durch die nähere Basis für 15 Minuten verschwand, den Vorfall aber mit einem defekten Komlink entschuldigte. Wieso hatte er ihm nie was davon erzählt?
"Leiter des Geheimdienstcenters zu mir - SOFORT!"
Kurze Augenblicke später kam der Klon mit quietschenden Sohlen in sein Büro gestürmt und bestätigte ungerührt die Aufträge zur Beschattung dieser 4 Personen mit besonderem Augenmerk auf den Logistikchef der Basis.
"Wie sollen wir verfahren, wenn sich Beweise ergeben, Sir?"
"Info an mich und NUR an mich, ich entscheide dann weiter."
Nickend bestätigte der Klon nochmals und verschwand dann gemessenen Schrittes aus der Zimmerflucht. Die nächsten 2 Wochen verdichteten Ankhman’s Vermutung. Überall dort, wo es zu Unglücken an Droiden oder zu Fertigungsfehlern kam, wo Forschungsdaten verschwanden und Basisbauten beschädigt wurden, wurde kurz davor oder danach durch die geheim und frisch installierten Spionkameras D'Arvan gesichtet. Still saß der Kommandant hinter seinem Schreibtisch… er war wie vor den Kopf geschlagen. Irgendwas konnte da nicht stimmen - etwas lief total falsch. VERDAMMT, was wird hier eigentlich gespielt?? Heimlich besorgte er sich eine Haarprobe aus dem Bad von ihm und brachte sie seinen Medikern.
"Bitte untersucht mir das komplett - und meldet mir sofort, wenn etwas nicht stimmt."
Fünf Minuten später wurde er schon per Komlink angepiepst, sah auf dem Bildschirm am Handgelenk seinen Chefmediker und begab sich Richtung Labore.
"Sir, wo haben sie diese DNA her, die sie uns gebracht haben? Das ist phänomenal, bitte besorgen sie uns weitere Proben."
Schweigend hörte Ankhman zu, was sie zu berichten hatten. Diese DNA war zwar menschlich, aber an jedem Basenpaar war ein Seleniumatom angelagert. Dies versprach phantastische Möglichkeiten, denn so wie es aussah, war diese DNA morphogenetisch so angelegt, das sie in einem einmaligen Prozess biologische Sachen bis in die atomare Ebene kopieren konnte. Die Kosten dafür müssten astronomisch sein - für 100 kg dieser masse bräuchte man ca. 50 Einheiten Selenium und die Herstellung ginge weit über das derzeit Machbare hinaus. Auf die Bitte um Freigabe weiterer Informationen gab er nur eine ablehnende Antwort mit dem Befehl um absolutes Stillschweigen, was eine Gruppe ziemlich enttäuschter Mediziner zurückließ. Er schärfte den Wissenschaftlern nochmals ein, dass im Falle der Veröffentlichung sich ein paar Menschen plötzlich bis zum Kopf eingebuddelt und mit Honig beschmiert inmitten von Bienenstöcken wieder finden könnten und ging daraufhin in sein Büro, schloss es elektromagnetisch komplett ab und verfiel in brütendes Grübeln ... 2 Tage lang.
Unter einem Vorwand bestellte er den Verdächtigen zu sich und begab sich dann auf einen Inspektionsrundgang durch die Basis - bis er in der Fabrik auf einem schmalen Inspektionssteg stoppte, sich umdrehte und sein Gegenüber scharf taxierte.
"STOP, D'Arvan… oder was immer! Ich weiß jetzt was du bist, aber nicht was der Zweck ist."
"Na dann grübele mal schön weiter, Basiskommandant!"
Mit vor Zorn verzerrten Gesicht stürzte der Klon vorwärts, gespenstisch rot beleuchtet von den offenen Schmelzöfen der Fabrik. Dieser Geschwindigkeit konnte Ankhman nichts entgegensetzen und wurde mit voller Wucht gegen das Geländer gedrückt - pfeifend entwich alle Luft aus seinen Lungen und er sah rote Ringe vor seinen Augen tanzen. Mehr unbewusst als mit normaler Reaktion blockte er den nächsten Schlag ab, der seinen Kopf hätte treffen sollen und keuchte vor Schmerz auf. Dieser Körper musste unter der Haut mit Titan gepanzert sein, denn sein Unterarm pulsierte, als hätte er damit den Schlag einer Metallstange abgefangen. Vor Schmerz taumelnd warf er sich herum und rannte schwankend den schmalen Metallsteg entlang, unter sich die glühende Hitze der Hochöfen spürend. Am Ende angelangt, drehte er sich um und konnte sich im letzten Moment unter einem anschwirrenden Schraubenschlüssel ducken. Leider hatte das den Preis, den Kinnhaken des hinterher geeilten Gegners voll zu empfangen. Stumm rangen die zwei miteinander, als das schmale Geländer nachgab und beide in Richtung Boden stürzten. Im Fallen umdrehend ergriff Ankhman den Steg mit beiden Händen und spürte den Ruck, mit dem sich der Klon an seine Beine klammerte.
"Wenn ich draufgehe, nehme ich dich mit, du genetischer Abfall. Meine Erschaffer haben mir klare Befehle gegeben - für dich wird es keine Erlösung geben!"
Darauf hin verdrehte er die Augen und begann zu röcheln. Panik ergriff Ankhman und er riskierte es, eine Hand zu lösen, um seinen Gürtel zu öffnen. Mit letzter Kraft klammerte er sich fest, während der Klon samt Hose und Gürtel in der Tiefe zwischen den Fertigungsmaschinen verschwand. Drei Sekunden später kündete ein lauter Donner von seinem Ende, aber Ankhman war froh, nicht von den glühenden Splittern getroffen worden zu sein - die Fabrik ließ sich reparieren. Seine letzten Gedanken drehten sich im seinen Gefährten, bevor er von der Wachmannschaft hochgezogen wurde und in dunkle Bewusstlosigkeit abdriftete.
Langsam erwachend fühlte er sich, als sei er unter einen voll beladenen Merger geraten und blinzelte ins helle Licht der Krankenstation.
"HORUS - Zeit und Datum bitte."
"Es ist 18 Uhr 45 am 24 Februar. Ich informiere die Ärzte, dass sie aufgewacht sind."
Knurrend stand Ankhman auf – schwankte - und setzte sich sofort wieder. Der schwarze Schleier vor seinen Augen lichtete sich nur langsam und die Welt stand wieder still. Trotz aller Widersprüche seiner Mediker begab er sich in das gemeinsame Quartier von ihm und D'Arvan und begann alles auf den Kopf zu stellen. Schließlich fand er mit Hilfe von HORUS in einem geheimen Wandfach einen kleinen Kurzwellensender, den er sofort seinen Wissenschaftlern zur Analyse überließ.
"HORUS – meine Kabine steht ab sofort wieder unter Kamerabewachung, die Videos werden aber nur mit meiner Zustimmung freigegeben. Privatsphäre hin oder her, aber das geht zu weit."
"Verstanden Sir", sagte die voll modulierte Vocoderstimme seiner KI.
"DeGeneres, sie und ihre seht besser zu, das ihr mir die Empfängerdaten entschlüsselt und per Dreiecksmessung den Standort ermittelt - ich gebe euch Zugang zum Geheimdienstzentrum plus entsprechende Vollmachten für den Zeitraum eurer Forschungen, aber ich will SCHNELL ein paar Ergebnisse!!"
Zwei Tage später bekam er dann das abschließende Memo seiner Forscher ... per Triangulation konnte der Punkt auf eine eigentlich leere Koordinate in 3 Stunden Entfernung eingependelt werden. Ärgerlich grunzend schlug Jon mit der Hand auf den Tisch und presste zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor:
"Ihr Schweine habt euch das falsche Opfer gesucht. Ich trage euch den Krieg in die eigene Basis!!"
Seinen persönlichen Pilotenanzug greifend rannte Jon zu den Hangars. Neunzehn seiner besten Piloten trafen fast zeitgleich mit ihm dort ein und bemannten die Droiden. Zischend lösten sich die Versorgungsschläuche der Hangarboxen und so stampften 15 Minuten später 20 der stärksten Droiden in olivgrüner Flecktarnbemalung aus den sich lautlos öffnenden Lifttoren.
"Simmons, sie übernehmen als Second Commander das Zengal-Decad - ich führe die Aspor an. Die Zielkoordinaten geradezu auf schnellstem Weg anlaufen. Bilden sie eine lockere Kette damit eventueller PVG-beschuss uns nicht so sehr schadet. Ansonsten ist Funkstille zu wahren, damit wir diese Roguebasis nicht allzu früh auf uns aufmerksam machen, vielleicht denken sie so wir sind eine einfache Farmmission und ziehen an ihnen vorbei."
"Aye, Sir. Simmons – over and out."
Mit trockenem Knacken wurde die Funkverbindung deaktiviert und die Reaktoren erwachten zu brummendem Leben, welches sich an der unteren Grenze zum Hörbaren befand und mehr als inneres Vibrieren wahrgenommen wurde. Ankhman dachte auf dem Weg mehrfach über das nach, was ihnen begegnen könnte, aber er wusste nicht wie er anders hätte reagieren sollen. Diese Klontechnologie war zu weit fortgeschritten als das einer der anderen Basiskommandanten sie hätte entwickeln können. Eigentlich blieb dann ja nur eine Erklärung, vor deren Tragweite er aber eher zurückschreckte. Zwei Stunden später wurde das Gelände hügeliger und der Wald verdichtete sich, um dann plötzlich in einem weiten Feld zu enden, bestanden von einzelnen dichten Baumgruppen. Er stoppte seinen Aspor und blickte misstrauisch voraus, sah auf den passiven Sensoren nur seine eigenen Maschinen und riskierte es, kurz auf aktives Radar zu schalten. Seine Augen weiteten sich vor Schreck als er die 10 roten Pfeile entdeckte, die sich viel zu schnell seinem Standort näherten.
"Zengal zurück in den Wald - los - da kommen Zeus’ angeflogen!!"
Er konnte bis ins Cockpit das Aufheulen der Gyro-stabilisatoren hören, als die tonnenschweren Maschinen sich drehten und mit Höchstbeschleunigung zwischen den Bäumen verschwanden, dann ließ er seinen Droiden in den Krähenbeinen einknicken und sich ducken. In diesem Moment schlugen schon die ersten Marschflugkörper zwischen ihnen ein, wirbelten Gras, kleine Bäume und Erde durch die Luft, Explosionswolken verdeckten die Sicht, entzündeten den Wald hinter ihnen und trieben schwarze fettige Rauchwolken durch sein Sichtfeld.
"Verlustmeldungen!"
"Simmons hier, Sir. Ihre Warnung kam gerade noch rechtzeitig, es hat zwar die Panzerung angeschmort, aber wir haben keinen Droiden verloren. Wir sollten jetzt sehr vorsich..."
Ein in seinen Zengal einschlagendes Raketenbündel schnitt Simmons in seinem letzten Satz ab, als 30 Droiden ohne Hohheitsabzeichen oder Basiskennung hinter den Hügelketten auftauchten. Ankhman ließ seinen Aspor wieder aufstehen und überflog die Einblendungen des Gefechtdisplays - 15 Visvo, 10 Zengal und 5 Aspor kamen auf sie zu.
Sie haben eine Abfangmission gestartet! Aspor ausschwärmen - zieht das Feuer auf euch und versucht es mit der Panzerung abzufangen. Simmons - sie und ihr Zengal-decad konzentrieren sich zuerst auf die Visvo - versuchen sie sie durch gezielten Beschuss der Raketenwerfer zu zerstören.
Nach der Bestätigung seiner Befehle öffnete er noch schnell einen Kanal nach Sphinx Prime und orderte einen Sanitätsdexon an. Dann ging die Schlacht los. Er nahm 2 Visvos in die nähere Zeilpeilung und lies seinen Aspor aus sie zusprinten. Die auf ihn zufliegenden Raketenschwärme negierte er durch das Aktivieren der Plasmazerstäuber, rannte weiter durch die sich bildenden Feuerbälle auf den Feind zu und ließ ihre Munition in gezielten Plasmastößen explodieren. Ein kurzer Seitenblick genügte ihm - seine Piloten taten es ihm gleich und griffen mit furioser Geschwindigkeit an. Ein Gegner nach dem anderen verschwand aus seinem HUD und kurz darauf waren es nur noch 6 Zengal und 5 Aspor - leider hatte er aber auch 5 Zengal verloren, konnte aber die Rettungsbarken der Piloten sehen, sie hatten also seine Befehle beachtet und das Cockpit abgesprengt, wenn es kritisch wurde - die Droiden konnte er ersetzen - die Piloten nicht.
In diesem Moment meldete sich der Bordrechner mit seiner tiefen Vocoderstimme:
"Reaktorkaltstart geortet - zwei neue Feinde sind im Kampfgebiet."
Leise fluchend erweiterte er das Radar und sah zu seinem Entsetzen 2 riesige rote Punkte.
"Verbindung zu HORUS. Identifiziere meine Radar-Daten."
"Neuer Feind identifiziert als Sordron imperialer Bauart. Primärbewaffnung schweres Gaußgeschütz, portable Ionenkanone, schwerer Raketenwerfer, schwerer Plasmawerfer, mittlerer Langstreckendisruptor."
Ankhman blieb stehen als sei er gegen ein Hangartor gerannt - imperiale Truppen... hier? Ein Blick ins HUD zeigte ihm, das auch der letzte gegnerische Droide in einem Glutball verging, aber er hatte einen hohen Preis zahlen müssen - 7 Zengal und 4 Aspor waren zerstört und 2 Piloten hatten sich nicht mehr retten können. Und vor ihnen noch 2 Sordron.
"Alle Zengal Fernfeuer legen und Aspor nur auf maximale Reichweite heran - Haltet euch möglichst immer in Bewegung und bleibt aus dem Bereich ihrer Ionenkanonen. Circle-of-Death-taktik und konzentriert euch auf die Beine!!"
Schnell ließ er den Torso nach links drehen und begann mit dem Beschuss der Beinpanzerung und so bewegten sich kurz darauf wie Monde 9 Droiden um die 2 Gegner und deckten sie mit Plasmastößen und Disruptorladungen ein. Dann sah er das Unglück auf sich zurasen. Ein hellblauer Strahl gebündelter Energie schoss von dem einen Sordron auf ihn zu und hüllte seinen Aspor komplett ein. Warnmeldungen leuchteten auf und es wurde unerträglich heiß trotz Kühlweste und sofortiger Notkühlung. Der Reaktor schaltete sich ab und stieß das letzte Plasma über die Werfer aus. Donnernd röhrte die Luft um ihn herum und die Erde verglaste unter den Füßen seines Kampfkolosses. Wild blinkend wurden immer mehr Ausfälle gemeldet und die Gyros fingen an zu stottern. Das Kanzelglasit bekam Risse und Ankhman sah die Außenpanzerung schmelzen. So sah es also aus, das Ende. Doch genauso schnell wie der Spuk kam war er wieder vorbei - der Schuss aus der Ionenkanone war an der Panzerung gescheitert, aber der nächste Treffer aus egal welcher Waffe würde sein Ende bedeuten. Er schaltete alles ab und konnte nur zusehen, wie seine Piloten erst den einen dann auch den anderen Sordron zu Fall brachten. Wie üblich explodierten sie, damit diese Droiden nicht unkontrolliert in Basisbesitz gingen - das Imperium schützte seine Geheimnisse gut und selbst ausgelieferte Droiden waren Blackbox-technologie.
Die Roguebasis erhob sich zwischen den Bäumen eines kleinen Waldes, die Hangartore weit offen.
"Seid vorsichtig, wir wissen nicht was uns erwartet! Und so offen willkommen geheißen werden wir wohl kaum."
Die Lasergewehre geschultert stürmten die Piloten Richtung Basis, betraten den Hangar... und blickten die Mündungen von 5 automatischen Geschützen. Warnungen schreiend warfen sie sich zurück und spürten die heißen Spuren der Geschosse über sich hinweg streichen. Simmons winkte dem Wachzengal zu, welcher sich vor den Toren postierte und die Kugeln abfing... ein einzelner Schuss seiner Disruptoren fegte die mobilen kleinen Türme weg und ließ nichts übrig außer schwelenden und geschmolzenen Trümmern. Nun stürmten sie schreiend den kleinen Stützpunkt Richtung KI und während Ankhman das Belfern der Gewehre und das Rauschen der Laserschüsse hörte, schleppte er die Rechnerschnittstelle hinterher und übergab sie einem Piloten - dann rannte er wie in Trance weiter und erschoss alles, was sich ihm in den Weg stellte auf der Suche nach seinem eigentlichen Ziel. Im Klonlabor der gegnerischen Basis angekommen, erwartete ihn ein Horrorszenario. Überall lagen Teile von menschlichen Körpern herum, als wenn man einen Baukasten vor sich hatte. Die angrenzenden Räume enthielten Inkubationskammern und als er fast aufgegeben hatte fand er auch das wonach er suchte - eine kleine Zelle, wo sein Freund gefesselt an Maschinen hing und im künstlichen Koma gehalten wurde. Still weinend vor Freude saß er am Bett, als sein Komlink piepste.
"Widerstand beseitigt, Sir. Als die Situation aussichtslos wurde, wollten sie sich selber sprengen, aber wir konnten es noch rechtzeitig verhindern."
"Danke, Simmons. .... HORUS - Rechnerschnittstelle installiert und aktiviert - bitte um KI-kontrolle und Datendownload."
"Datenübertragung läuft - viel wurde beschädigt oder schon gelöscht."
"Egal, sichere soviel du kannst und beginne gleich mit den Restaurationsarbeiten. Leutnant - bringen sie meinen Aspor in den Hangar und stellen sie ihn nahe an die Wand zur KI. Danke."
Den Rückweg saß er im Sanitätsdexon neben D'Arvan und schaute über ein Hologramm zurück zur geheimen Basis. Still drückte er an seinem Komlink eine Signalfolge ein und sah 30 Sekunden später den Pilz einer Atomexplosion über dem Wald stehen ... die Basis verstört vom überlasteten Reaktor seines Aspor und damit hoffentlich auch alle Spuren, die nach Sphinx Prime führten. Als er später heimkam und begann, die geladenen Daten zu sichten, stolperte er über ein paar Begriffe, die er nur als Geschichten kannte - aber hier lag die Bestätigung. Wenn das Imperium jemals herausfinden sollte, das er im Besitz solch brisanter Informationen war, wäre es das Ende seiner Basis. Aber wie sollte er seinen Leuten erklären, dass sie all das am besten ganz schnell vergessen sollten? Ankhman nahm den Speicherkristall, schloss ihn in ein Kästchen aus Selenium-Titanlegierung und legte es ganz hinten in seinen Safe ... und mit dem Gedanken an die Akte "Inque", das damit verbundene Mysterium und die Folgen daraus ließen ihn in der nächsten Zeit nicht mehr ruhig schlafen ... aber es wurde Frühling und alles fing neu an aufzuleben.
Schatten
Stille hüllte Sphinx Prime ein, die Hitze des Sommers klang mit jedem Tag mehr ab und Ankhman stand vor der Glasitwand in seinem Büro. Ärger, Zorn und Wut herrschten in ihm, gemischt mit Trauer. Einen Scheinangriff wollte er führen - testen, wie der Kommandant der Korsaren reagieren würde. Harmloses Geplänkel zwischen Veteranen hier in den alten Quadranten. Er kannte ihn schon eine Weile, war auch sein Fürsprecher als Trial bei Ragnarök und kam gut mit ihm aus .... und der Angriff war nur eine Warnung für die Aktionen ihres Leaders gegen Bambi, den Meister der Schattengilde Ragnarök's. Und dann während des Rundgangs durch die Forschungszentren, als er den Fortgang des "Projekt Solaron" begutachtete - der rote Alarm. Mit quietschenden Sohlen war er in sein Büro und an den Terminal gerannt und las die katastrophale Nachricht. Das Holodisplay war hinter ihm immer noch offen, die rot blinkenden Zeichen hinter einer Liste von Namen ... K.I.A. . "Killed in Action" - 28 der 38 Piloten hatten es nicht mehr geschafft, sich aus den explodierenden Droiden zu retten, der PVG-Beschuss kam zu überraschend und schnell. Ein Name war noch markiert: Rudolf Simmons.
Stumm drehte er sich um, aktivierte das Komlink, schluckte mehrfach, um den Frosch in seinem Hals wenigstens kurz zu vertreiben und wählte die Frequenz von D'Arvan, seinem Logistikchef.
"D'Arvan, wenn die restlichen zwei Zengal zurück kommen - verkauf sie an der Börse und kaufe Negatoren, des weiteren wirf die Fabriken an und lass welche bauen, du hast außerdem freie Verfügung über die Basiskonten beim Imperium. Ich will bis heute Abend mindestens 10 von den Stealthkämpfern im Hangar sehen."
"Aber das wirft alle Planungen zum Projekt Solaron über den Haufen, die Minen können nicht so viel für beides ..."
"MACH WAS ICH SAGE, ICH HABE MEINE GRÜNDE!! und leise setzte er hinzu Du schaffst das schon."
Ankhman's Stimme brach beim letzten Wort, er übermittelte nur den markierten Datensatz an seinen Freund und registrierte, dass das Komlink stumm unterbrochen wurde. Er fühlte sein Herz wild schlagen und sein Hals verengte sich, schnürte ihm die Luft zum Atmen ab. Dann vergrub er seinen Kopf in seinen Armen und trauerte....
Viel war passiert seit den seltsamen Vorkommnissen Anfang diesen Jahres. Die seltsame Sache mit dem hoch entwickelten Klon, die imperiale Roguebasis und die gestohlenen Daten beschäftigte ihn immer noch. Auch abseits seiner persönlichen Alpträume gab es viel. Troja hatte sich aufgelöst, der Clan zersplitterte in viele Gruppen, wobei sich der engste Kern zu Ragnarök zusammenschloss. Der Imperiale Rat war an die Öffentlichkeit getreten und hatte unter den größten Basiskommandanten neue Illuminaten gewählt. Und dann platzte die Bombe. Der Schild um das Solsystem wurde von unbekannten Schiffen berannt und belagert, deren Technologie der unsrigen gleichwertig, in vielen Belangen auch überlegen war. Die Katastrophenmeldungen häuften sich und schließlich wurde der Schirm durchbrochen - bisher nur von einem Schiff, welches solch gigantische Ausmaße annahm, dass es als Basis dienen konnte. Alle Untersuchungen lieferten nur Verlustmeldungen an Material und Menschen, eine Menge Vermutungen und einen sich verhärtenden Verdacht - Verrat. Der Schirm brach zusammen und der Verrat wurde offensichtlich; die schweren Abwehrgeschütze und Komsatelliten waren manipuliert worden. Die äußeren Linien wurden überrannt und der Zusammenschluss der Alienrassen mit den Skasim als treibende Kraft rückte Richtung Erde. Scheinbar hatte das Imperium mit diesen Fall gerechnet und seine Forschungsanlagen auf Hochtouren gebracht. Ergebnis der Forschungen waren neue hoch entwickelte Droiden und Raketen, deren Konstruktionsunterlagen mitsamt neuen Basisausbauten umgehend an alle Kommandanten ausgeliefert wurden. Auch die Möglichkeit des Basisumzugs wurde per Blackbox-Technologie erneut freigegeben. Und in dieser Situation kam der Abschuss seiner besten Piloten einer Zerstörung seiner KI gleich.
Chief Commissioner Rohal sah mit verkniffenem Gesicht vom Holodisplay in Ankhman's Gesicht.
"So, du willst also Rache für deine Piloten? Eigentlich hast du es dir selber zuzuschreiben."
"PAH! Diese ehrlose Bestie - mein Kontingent wäre in 2 Stunden da gewesen - und er gab 15 Minuten Zeit, auf seine Nachrichten zu reagieren. Hätte er nur weitere 20 Minuten gewartet, dann wäre das alles unblutig abgelaufen. Jetzt gehört er MIR!" Ankhman schlug wütend mit der Faust auf den massiven Holzschreibtisch und lehnte sich vor, um sein Gegenüber besser mit den Augen fixieren zu können. Ihm war es egal, was für Rückendeckung er bekam, er und seine Piloten wollten Rache.
"Du weißt aber schon, dass im Ernstfall der Clan nicht hinter dir stehen wird?"
"Ja, aber da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen, Bambi hatte schließlich auch Schwierigkeiten mit ihrem Leader Freedem, diesem grobmotorisch veranlagten Tastaturquäler."
"Okay, ich werde euch da derzeit keine Steine in den Weg werfen ...."
Einen Tag später wurden alle Korsaren zum Abschuss freigegeben ....
Blinkend standen die Droiden in den frei konfigurierbaren Versorgungsboxen. Zufrieden nickend inspizierte Ankhman zusammen mit D'Arvan die letzten Neuzugänge. Bisher hatte er eher auf Kraft als auf List gesetzt und war gut damit gefahren. Nun aber musste er umdisponieren, da das Ziel Rückhalt durch einige starke PVGs hatte. Gedankenverloren strich er über die blanke Panzerung aus Titanverbundstahl und schaute zu seinem Logistikchef.
"Wieso keine Tarnfarbe?"
"Weil es nicht nötig ist und das weisst du genau. Die Tarnung der Stealthdroiden beruht auf den Emittern, die das Tarnfeld errichten. Rein optisch sind sie dann nicht mehr auszumachen, die Reaktorstreustrahlung wird durch die Feldabschirmung gleich mit absorbiert. Und die Erschütterungen durch die Bewegungen werden bestens mittels der gedämpften Krähenbeinkonstruktion aufgefangen."
"Ja ja, ich weiss."
"Und wann soll es losgehen?"
"Morgen früh, so dass wir sie bei vollem Betrieb erwischen."
Still fluchend zwängte sich Ankhman am nächsten Morgen in einen der neuen Negatoren. Die Antipathie, die er diesen unsichtbaren Jägern entgegenbrachte, beruhte auf Gegenseitigkeit. Wann immer er sich in einen dieser Stealthdroiden begab, verletzte er sich irgendwie - seien es Platzwunden, Schnitte, Prellungen oder er klemmte sich irgendwo einen Finger. Er wusste, dass seine Männer hinter vorgehaltener Hand Wetten abschlossen, auf welche Weise er sich wohl das nächste Mal verletzen würde, wenn er eine der Maschinen auch nur von der Seite ansah. Wer immer behauptet hatte, Droiden hätten keine Seele, hatte entweder nicht alle Tassen im Schrank oder er log. Zumindest dieser Negator hier hatte eine Seele - und sie war schwärzer als die des Teufels. Die Panzerplasitkanzel senkte sich herab, klemmte um ein Haar seinen Zeigefinger der rechten Hand ab und schloss sich mit schmatzendem Geräusch luftdicht. In Gedanken arbeitete er die Checkliste durch und wollte sich dann im Pilotensitz festschnallen, die Füße in die Pedalen stecken und dann losgehen. Zwei der drei Vorhaben schlugen fehl. Das linke Fußpedal war irgendwie verschoben und er knickte beim Aufstützen im Knöchel um, was ihm beim Anschnallen so sehr ablenkte, dass er sich in den Gurten verhedderte. Nur das Losgehen klappte - mit dem Problem, dass der Pilot diese 60 Tonnen schwere Kampfmaschine nicht unter Kontrolle hatte.
"Was habt ihr hier für Schrott gekauft?" schrie er ins noch offene Komlink.
Endlich konnte er die Pedale erreichen und sich durch diese Stütze durch den Wust an Gurten zwängen, bis auch diese irgendwie an ihrem Platz waren. Mittlerweile war der Negator - gelöst von allen Versorgungsleitungen seines Hangarplatzes - schon einige Meter gestolpert, hatte dabei beinahe einen Techniker zertreten und einen Sprul gerammt.
Kommentarlos lenkte er Richtung Lift und ließ sich an die Oberfläche bringen. Still gönnte er sich den Luxus, kurz seine Gedanken schweifen zu lassen und gedachte all der Kommandanten und guten Bekannten, die mit der Zeit getötet wurden, anderweitig verschwanden, oder zu anderen Clans wechselten, weil sie sich nicht mehr mit den hiesigen Leitbildern identifizieren konnten ... Imperator, Lie, die Warlady Suse. Aber letztendlich trug jeder den Clan in sich - durch seine Aktionen und Taten, sein Auftreten und das Vertreten der eigenen Überzeugungen. Aber er hatte schon genug mit den Leuten gestritten über das leidige Thema. Ankhman schloss kurz die Augen, blinzelte und schüttelte den Kopf, um sich auf die bevorstehenden Auseinandersetzungen zu konzentrieren - jede Ablenkung hätte fatale Konsequenzen. Er musste seine Gedanken klar halten oder er hatte die Führung dieser Basis nicht verdient.
Leicht ruckend kam der Lift zum Stehen und die großen Tore öffneten sich. Nacheinander stapften 15 Kampfmaschinen ins Freie - jede 60 Tonnen Hochtechnologie, entwickelt zum Töten und Vernichten. Mit scharfem Blick musterte er den lockeren Verband geballter Feuerkraft. Das war kein Kampfkontingent zum Zerstören - da hätten es 15 Aspor mehr drauf - das war ein Kontingent zum Rache üben. Ein verschlagenes Grinsen stahl sich auf seine Gesichtszüge und er gab die letzten Befehle.
"Okay, Leute - ihr kennt das Ziel, Sinn und Zweck. Bleibt im lockeren Verband und haltet euch stets im Schultz eurer Stealthgeneratoren. Haltet Funkstille und sammelt euch an diesen Omnikoordinaten innerhalb des dortigen kleinen Wäldchens. Alle Informationen werden euch gerade von HORUS in die internen Rechner geladen."
"Aye, Commander!" schallte es 14 mal zurück.
"Also dann los mit euch - zahlen wir es ihnen heim."
Mit stummem Grimm in den Augen verfolgte Ankhman, wie ein Droide nach dem anderen sich Richtung Süden wandte und losrannte. Ein paar Meter weiter aktivierten sie ihre Stealthgeneratoren, die wie ein Raubvogel mit ausgebreiteten Schwingen oben auf jeder Maschine montiert waren. Ein kurzes Flackern wie erhitzte Luft umhüllte jeden Kämpfer und sie verschwanden wie die Illusion einer Fata Morgana in der sonnigen Landschaft, nichts weiter als leise Laufgeräusche und kaum wahrnehmbare Eindrücke im Boden hinterlassend.
Ein Reh graste friedlich in einem sonnendurchfluteten Wald. Die Vögel zwitscherten auf den Zweigen der Bäume und Insekten brummten durch die laue Luft wie verschwommene kleine Sterne. Kein Lüftchen regte sich und doch wurde das Reh nervös. Die Ohren spielten und es schaute in alle Richtungen, ohne den Grund für seine Unruhe zu entdecken. Nichts störte diese Idylle und trotzdem hörten die Vögel plötzlich auf zu singen. Das Reh schaute auf, bereit zur Flucht, als sich 3 Meter vor ihm ein stählern glitzerndes Cockpit aus der flimmernden Luft schälte und ein grinsender Ankhman fröhlich zu dem mittlerweile in Panik geratenen Vierbeiner herüberwinkte. Zu Tode erschrocken sprengte es in die entgegengesetzte Richtung, um 5 Meter weiter gegen ein unsichtbares Hindernis zu prallen. Mit einem qualvollen Blöken fiel es um, schüttelte sich benommen und raste dann ins nächste Dickicht. Und so versammelte sich drei Stunden später eine Gruppe Schatten in einem lichten Wäldchen, zirka 10 Kilometer entfernt vom Ziel.
"Sir, das hätte unser Abendessen werden können."
"Nein - wir erledigen hier alles schnell und dann geht's heim, dort gibt es genug Futter. Außerdem wäre Bambi nicht erfreut darüber, wenn ihm das zu Ohren kommen würde. Wir sind nicht auf einem Jagdausflug, sondern hier ... okay doch Jagdausflug, aber unsere Beute ist etwas anderes."
Mittlerweile hatten alle 15 Maschinen sich versammelt und Ankhman lag auf einem Hügel mit freiem Blick auf den Stützpunkt. Den Feldstecher vor das Gesicht gedrückt, zoomte er näher und näher heran, machte Aufnahmen für eine letzte taktische Besprechung und sondierte die allgemeine Umgebung. Das wird wie Tontaubenschießen, dachte er, als die auf Korsarenstation zentrierte und maximalen Zoom ansetzte. Magere 4 Autokanonen und 2 AAs standen in den Turmschächten und vor den Lifttoren sammelten sich grade 34 Merger und ein Zengal zum Einlagern in die Versorgungsboxen des Hangars. In sich hinein lachend kehrte zu seinen Leuten um und aktivierte den kleinen transportablen Holoemitter.
"Also, momentan stehen da unten 34 Transporter und ein Zengal plus 4 AKs. Wenn wir ausschwärmen und zuerst die Türme und den Kampfdroiden ausschalten durch zentriertes Feuer, sollten wir reiche Ernte halten können. Kommt von allen Seiten und schaltet erst im letzten Moment eure Generatoren aus. Bedenkt, dass ihr getarnt nicht schießen könnt. Ich will hier keinen verdrehten Augen sehen, ich weiß es ist euch bekannt, aber im Eifer des Gefechtes geschehen die unmöglichsten Sachen. Die letzten Karten übertragt euch in die HUDs eurer Cockpits. Los geht's und gute Jagd."
Mit aufmunternden Worten und gegenseitigem Händedruck begaben sich alle zu ihren Maschinen und gnädigerweise hatte Ankhman keine Probleme beim Einsteigen und Hochfahren. Angeschnallt checkte er alle Posten durch, ließ den Reaktor in Wartestellung anlaufen und erstellte per Knopfdruck das Stealthfeld. Schlagartig wurde es um ihn dunkelgrün, als die Kampfbeleuchtung zuschaltete und er per Sichtfeldvergrößerung die Zieleinstellungen seiner Laser ein letztes mal kalibrierte. Befriedigt registrierte er synchrones verhalten bei den 14 anderen Maschinen und nahm ihre Position nur noch als ins HUD eingeblendete Schatten wahr. Den Reaktor auf volle last fahrend, ließ er den Negator aufstehen und bewegte sich leise Richtung Süden auf seine Opfer zu.
Die 10 Kilometer waren innerhalb von Minuten zurückgelegt und 15 Jäger schwärmten aus, als lockerer Bogen auf die immer noch ahnungslosen Gegner zusprintend. Sein Droide befand sich an der rechten Flanke und nahm den Zengal als größten Gegner schon von Fern in die Zoomfunktion des HUD's. Rasend schnell verringerte sich die Entfernung, die Zahlen flimmerten vor seinen Augen in stetig kleiner werdenden Werten. Stampfend flog er auf den Gegner zu, ließ den Droiden weit ausgreifend laufen und hielt eine Hand über dem Ausschalter des Stealthgenerators. Er brauchte seinen Leuten keinen Befehl geben, die neben ihm rennenden Schatten würden über die Gegner wie Wölfe über Schafe herfallen. Als er noch 100 Meter vom Feind entfernt war, ließ er seine linke Faust auf den Schalter des Generators krachen und rings um die überraschten Korsaren stürzten sich die Wölfe auf ihre Opfer. Den Zengal im Zielfokus haltend, aktivierte er alle Laser. Hochfrequent sirrend schossen Strahlenbahnen auf den Droiden zu und fingen Funken sprühend an, die Panzerung abzuschmelzen. Zeitgleich von allen anderen bewegte sich lichtschnell eine hellgrüne Wand aus Verderben auf die Droiden zu und brachte die ersten zu Fall, allen voran den Zengal, der schon mit den ersten Volltreffern zu Boden ging. Schnell durchbrachen sie die lockere Reihe der Merger und hielten reiche Beute unter ihnen - allein in den ersten Sekunden vergingen elf von ihnen im Feuer gebündelten Lichtes. Teilweise hörte er das Siegesgeschrei seiner Begleiter im Komlink, während er weiter auf die Basis und den Lift zu rannte. Doch er kam ins Wanken.
Schrill heulte der Gyroskop auf, als das linke Bein von Ankhman's Negator plötzlich im Erdboden versank. Die Leute im Verteidigungscenter hatten gute Arbeit geleistet, dachte er noch, während er sich verzweifelt bemühte, das Gleichgewicht wiederzufinden. Halbwegs stabilisiert stolperte er weiter nach vorn, um mit dem anderen Fuß voll auf eine Antidroidenmine zu treten. Wild fluchend sah er, wie sich der Verbundstahl der Panzerung unter den enormen Kräften verformte und das Krähenbein im Knie nach hinten einknickte. Mit einem letzten Jaulen gab der Gyroskop seinen Geist auf und der Droide kippte in allen Gelenken kreischend nach vorn, um von seinem Schwung getragen ein paar weitere Meter durch den Dreck zu rutschen. Nach der ersten Schrecksekunde sprengte sich Ankhman aus der Kanzel und sah schon die immer noch intakten 4 AK-Türme ihr Feuer auf die gefallene Maschine konzentrieren. Zuerst nur Dellen, zerfetzten die Kugeln kurz darauf die Titanverkleidung um den Rumpf und zerstörten die Reaktorabschirmung. Totalverlust. Die Treibsätze der Rettungskapsel verbrauchten sich beim Landemanöver und so kämpfte sich Ankhman durch eine Staubwolke hustend und wedelnd wieder Richtung Kampfplatz, nur um die letzten Merger im Laserfeuer der übrigen 14 Negatoren zu Boden gehen zu sehen. Jubelnd rannte er in die Richtung seines gefallenen Droiden und gab die ersten Plünderbefehle per Komlink weiter.
Im Triumph des Augenblickes saß Ankhman da, starrte auf die Verwüstung, die er angerichtet hatte und sein Höhenflug nahm ein abruptes Ende. War es das alles wert gewesen? Rache war zwar eine Gericht, was am besten kalt zu genießen war, aber er mochte den Geschmack nicht mehr. Fade war es geworden, die Toten konnte der Angriff nicht wieder lebendig machen und die Ausbeute war aufgrund der beschränkten Ladekapazität der Negatorflotte eher spärlich. Klar war da eine gewisse Befriedigung, dem Gegner eine solche schlappe beigebracht zu haben, aber der Sieg war schal. Ähnliche Regungen sah er in den Gesichtern seiner Begleiter und das erfüllte ihn nicht grade mit Zuversicht. Scheiß Krieg, scheiß Kämpfe - er hatte momentan die Schnauze gestrichen voll von allen Auseinandersetzungen. Müde war er geworden durch die ganzen Konflikte und fühlte sich dünn wie Papier, die Nerven zum Reißen gespannt. Niedere Gelüste zu befriedigen war doch sonst nicht seine Art. Seine Stirn in den Händen abstützend kauerte er auf den Resten seines Negators und musste unwillkürlich grinsen. Diese verfluchte Maschine hatte es doch tatsächlich geschafft, ihn beinahe schachmatt zu setzen. Was soll es - sich die rechte Augenbraue kratzend, befahl er, den Droiden auszuschlachten und damit die schwersten Beschädigungen zu reparieren und ging resigniert zu einer anderen Maschine, um den Notsitz auszuklappen. Wenn er zu haus war, würde er zuerst 2 Stunden duschen, sich dann weitere 2 Stunden massieren lassen und dann eine Audienz bei Bambi beantragen. Es gab da noch eine Leiche im Keller. Was freute er sich schon auf seinen persönlichen Aspor - großes Cockpit, bequeme Sessel, modifizierte HiFi-Anlage ... und nicht so beengt in diesen Spionageschüsseln. Er brauchte einfach was Größeres als diese Sportausgaben eines Kämpfers unter sich. Aber wenn alles klappte, standen ihm sowieso bald eine neue Garde zur Verfügung - das Projekt Solaron lief auf Hochtouren und er hatte sich den Ersten schon vormerken lassen für ein paar Extraeinbauten.
Bambi sah sich die Daten des Speicherkristalls mehrfach an und seine Miene verfinsterte sich bei jedem Mal mehr.
"Wieso erfahre ich erst jetzt von dieser Geschichte? Das ist ungeheuerlich. Was das bedeutet, wenn der Imperiale Rat das rauskriegt, sollte dir klar sein, vor allem weil wir 3 Illuminaten im Clan haben."
Ankhman versuchte zerknirscht dreinzublicken, aber der innere Triumph, dem Meister der Schattengilde mal einen Informationsvorsprung unter die Nase reiben zu können, war diese Standpauke allemal wert.
"Ich hielt es nicht für so wichtig...."
"NICHT WICHTIG? Verdammt, zu der damaligen Zeit wusste noch niemand außer dem Rat, was da auf uns zukommt - niemand außer dem Rat und DIR! Diese Informationen hätten ..."
"Was hätten sie denn?" unterbrach Ankhman "Der Rat wusste es ja und die imperialen Forschungszentren liefen da schon auf Hochtouren. Und was wäre mit mir passiert, hätte ich die Informationen offen gelegt? Die Ionenkanone hätte mir fröhlich zugeblinkt, ich habe schließlich eine geheime Forschungsbasis des Imperiums in Schutt und Asche gelegt. Der Angriff auf meine Basis war ein reiner Feldtest der Ergebnisse und da die Invasion der Skasim und ihrer Verbündeten nicht mehr geheim gehalten werden kann, werden die Clans nun häppchenweise mit neuen Erkenntnissen und Belohnungen gefüttert. Der Rat stellt uns doch schon längere Zeit außergewöhnliche Technologie zur Verfügung, ohne dass wir uns wundern oder auch nur einen Gedanken daran verschwenden."
"Wie meinst du das?" fragte Bambi mit verengten Augen. In dem Moment sah er aus wie eine lauernde Schlange, die versuchte ein Meerschweinchen zu hypnotisieren.
"Nimm als Beispiel nur mal die Umzugsmöglichkeiten einer Basis. Diese gigantischen unterirdischen Komplexe. Hat es dich noch nie gewundert, wie es möglich ist, diese über weite Strecken zu verlegen?"
Einzige Reaktion war eine gehobene Augenbraue, was Ankhman als Aufforderung verstand, fortzufahren mit seinen Erläuterungen.
"Dürfte ich .. ?" fragte Ankhman mit einem Seitenblick auf die Holoprojektoren in der Zimmerflucht. Bambi nickte und gab den Zugriff auf ein Remoteterminal der Holosteuerung, um dann stumm seinen Ausführungen zu folgen.
Der Umzug einer Basis folgte immer auf dem gleichen Wege. Es wurde der Wunsch ans Imperium herangetragen, die dann einen Technoblock mit einem einfachen Terminal bereitstellten. Der Kommandant gab nur das benötigte Uran dazu und die Basis verschwand, um woanders wieder aufzutauchen. Wie das vor sich ging, konnte nie eruiert werden, da der Block sich beim Öffnen selbst vernichtete und somit jeden Hinweis auf seine Funktion verbarg. Die Daten aus der zerstörten KI gaben nun teilweise Aufschluss, den Rest konnte man sich zusammenreimen.
"Wie du hier siehst, beruht das ganze auf den Merkmalen eines Raumschiffantriebs, und zwar dem von Inque. Der damalige Absturz seines UFO im archaischen Roswell machte es möglich, dessen Technologie zu erforschen und zu assimilieren - bis auf den Reaktorkern, dessen Kraft und Wirkung nie erreicht wurde. Als er dann von den Barrits geraubt wurde, hatte der Rat scheinbar schon genug herausgefunden, um einen halbwegs funktionierenden Ersatz zu bauen."
Weitere Holos mit technischen Angaben füllend, führte Ankhman seine Sache weiter und Bambi begann langsam zu begreifen, worauf sein Gegenüber letztendlich hinauswollte. Mittels dieser Blackbox wurde das Raum-Zeit-Gefüge gefaltet, so dass ein Vorgang entstand, der als Distanzloser Schritt bezeichnet wurde. Die Basis und die umliegende Umgebung wurde in ein kugelförmiges Kraftfeld versetzt und augenblicklich an den neuen Ort transportiert. Dort war aber schon Materie vorhanden und es kam noch welche dazu - in dem Falle die versetzte Basis. Das sich aber nicht 2 Dinge gleichzeitig an einem Ort existieren können, kommt es automatisch zu schweren Strukturschäden im gesamten Komplex, wenn das Vorhandene vom Neuen verdrängt wird. Diese waren aber zweifellos auf das stümperhafte Verfahren und den unausgereiften Vorgang des Versetzens zurückzuführen und nicht auf den Vorgang selber. Das Original arbeitete weitaus perfekter.
"Mein eigentliches Problem ist, dass die angreifenden Aliens nicht über diese Technologie verfügen, sonst wären sie einfach durch unseren Systemschirm gesprungen und hätten unsere Linien schlicht und ohne Verluste umgangen. Dass sie es nicht tun, kann einerseits heißen, dass Inque's Rasse nicht daran beteiligt ist oder sie noch nicht in Erscheinung getreten sind. "
"Mir persönlich wäre ersteres lieber, wenn man bedenkt, was einen erwarten würde." warf Bambi ein. Die ganze Tragweite kam ihm jetzt erst langsam in den Sinn und er kaute nervös an seiner Oberlippe. Schweigend ging er zum Zimmerservo und bestellte sich einen doppelten Cognac mitsamt seiner Lieblingssorte Zigarillos. Auf einen fragenden Blick hin schüttelte Ankhman nur den Kopf, schaltete nacheinander die Holos wieder aus und verstaute den Speicherkristall wieder im Kästchen aus Selenium-Titan-Legierung. Stumm saßen sie sich in den schweren Ledersesseln gegenüber und hingen den eigenen privaten Gedanken nach, als plötzlich der Rote Alarm das ganze Zimmer in ein Tollhaus aus kreischenden Sirenen und Warndisplays verwandelte. Bambi schaute alarmiert auf und sprang mit einem gewaltigen Satz zum internen Kommunikationsterminal.
"Ich verlange sofortige Aufklärung, was da oben vor sich geht, oder ihr schrubbt die nächsten 5 Jahre die Mannschaftsklos mit euren eigenen Zahnbürsten - und die von Khorgor gleich mit."
"Sir, das ist nicht unsere Schuld - sehen sie selbst."
Der Kommunikationsoffizier schaltete auf die offenen Kanäle des Imperiums um, wo eine sich ständig wiederholende Sendung ablief - grade begann sie von Neuem. Das Bild flimmerte kurz und Xopherus, einer der Berater des Imperators erschien, umrahmt von Dunkelheit und mit dem Funken des Wahnsinns in den Augen ... kaltem, berechnendem, gefährlichen Wahnsinn.
"Ihr Narren! Habt Ihr geglaubt, dass ich mich so leicht dem harmoniesüchtigen Imperium unterwerfe? Dass ich mit ansehe, wie all die Errungenschaften des alten Adels mit den Füßen getreten werden? Dass ich einfach kapituliere und mich dem neuen Imperium so einfach ergebe? Ihr habt keine Ahnung mit wem Ihr euch anlegt...
Wie viele Perioden habe ich nun geschwiegen? Geschwiegen um meine wahre Identität, meinen Hass mein Inbrunst gegenüber der nackten Gewalt zu verheimlichen. Von einem Imperium redet Ihr? Ein Haufen Waschweiber die sich hinter Regeln und Kompromissen zu verstecken versucht. Ein Rudel moderner Hippies das mit sanften Worten und polemischem Gewäsch die Meinungen der anderen manipulieren will. Doch in meinen Augen nur ein großer Haufen Mist, der entsorgt werden muss.
Nieder mit dem Imperium, nieder mit dem Frieden. Es lebe der Krieg, der große Krieg, der Krieg der Schattenhand gegen das Imperium. Und ich, Xopherus, Kommandant der Bund der 6, als Schattenhand einst zum großen Kriegsherrn ernannt, rufe auf! Ich rufe auf das Imperium zu schwächen, auf den Boden zu zwingen und zu vernichten! Ein jeder, der sich mir und meiner Garde in den Weg stellt wird meine Rache spüren. Ein jeder, der sich mir gewachsen fühlt wird einsehen müssen, wie klein er doch ist.
Ein jeder, der meint er sei der Aufgabe gewachsen mir Treue zu erweisen, möge sich bei mir melden. Ein jeder, der sich zum Krieger berufen fühlt, der das Blut der Feinde nicht nur sehen, sondern auch schmecken will, ein jeder, der sich mir und meinem Hass unterwerfen will ist willkommen mit mir das Imperium zu Grabe zu tragen!
Bald, sehr bald, werden all die Zweifler und Nörgler, die Schoßhündchen des Imperiums meine Macht, meine Kraft und meinen Hass zu spüren bekommen.Wenn der Krieg nicht zu euch kommt, dann holt ihn euch! Zerschmettert eure Feinde, lasst deren schmutzigen Kadaver an Euren Pforten als Mahnmal für all die Zweifler hängen. Auf dass die Sonne niemals mehr Ihren Schlafplatz verlässt!!!"
Bambi und Ankhman sahen sich nur stumm an, dann senkte Ankhman seinen Blick auf den schon weggeschlossenen Datenkristall.
"Mir kommt da ein ziemlich unangenehmer Gedanke. Was wäre, wenn diese Roguebasis damals gar nicht vom Imperium war, sondern ... ."
Den Rest des Satzes ließ er offen, aber die geweiteten Augen Bambi's sagten ihm auch so, dass sein Gegenüber ihn verstanden hatte.
"Ich werde eine Ratsversammlung einberufen, bitte verständige Ungrimm, ich werde die anderen einberufen. Morgen in den Ratssälen Ragnaroks."
Nickend und mit einem flüchtigen Winken rannte Ankhman schon zu den Lifts, um sich zu seinem Aspor bringen zu lassen.
Zwischen den Schatten
"Das Imperium hat uns oft genug verraten!!! Es hat zugesehen, wie die Aliens uns Droiden und Ressourcen entwendeten und nichts dagegen getan. Das Imperium versucht alles mit Worten zu lösen, selbst die Angelegenheiten, die eindeutig gewaltsames Vorgehen erfordern. So kann es nicht weitergehen, es muss einer an die Macht, der stark ist und keine Angst hat. Der Imperator fürchtet doch, seine politischen Verbündeten zu verlieren, wenn er mal etwas unternehmen würde. Er ist doch schon lange abhängig von den Clans, die das Imperium eigentlich beherrschen. Zeit für eine Wende - Zeit für eine neue Ordung, DIE neue Ordung. Das Imperium wird diesen Zwischenfall nicht überleben, und der Imperator weiß das. Macht euch auf eine harte Zeit gefasst."
Deacon_Frost666 schlug mit seiner Faust auf den Tisch vor ihm - man hörte nur das Geräusch durch die Übertragung.
Zwei Tage später auf der eiligst einberufenen Ratsversammlung ...
"Endlich hat es einer gewagt.
Endlich hat es einer ausgesprochen, was uns allen schon lange bewusst war. DAS IMPERIUM IST SCHWACH. Das war es schon immer, das Einzige was ihre Macht ausmacht ist die IK, und selbst mit der hat das Imperium immer wieder Schwäche gezeigt und sie nicht eingesetzt. Es wird Zeit das starke Leute an die Macht kommen. Commander die keine Angst vor einen offenen Konflikt haben, jemand wie Xopherus!!! Der Imperator fürchtet ja seine eigenen Schatten, er muss bei den Clanleader schleimen damit sie sich nicht gegen ihn erheben, denn er weiß das er keinen Konflikt überstehen würde. Er verspricht allen Commandern, die ihn folgen, tolle Belohnungen an, aber mal ernsthaft, wer dem Imperium und dem Imperator vertraut hat schon verloren.
Das Imperium verspricht uns Schutz, bekommt aber schon Angst nur bei den Gedanken an Kämpfe.
Das Imperium verspricht Sicherheit, unternimmt aber nichts gegen Aliens, die uns dir Rohstoffe und Droiden klauen.
Das Imperium ist nichts als heiße Luft, IHR - meine Freunde - besonders die Illuminaten unter euch, wissen das es wahr ist. Macht die Augen auf. Lasst uns dem folgen dem die Zukunft gehört.
Es wird kein leichter Kampf, denn viele Clans, die die Wahrheit einfach nicht erkennen, werden versuchen, den Imperator zu verteidigen. Jeder der sich von den versprochenen Geschenken beeinflussen lässt, ist ein Narr, der Imperator hat noch NIE gehalten was er versprochen hat, und dieses Mal bekommt er nicht mal die Gelegenheit seine Versprechen zu erfüllen, selbst wenn er es wollte. Also, meine Freunde, macht eure Droiden kampfbereit. Baut ihnen wieder die Taschenlampen, die sie bekommen haben weil ihr euch im dunkeln fürchtet, aus und befestigt wieder die Waffen. Die Zeiten des Redens sind vorbei, jetzt wird gehandelt. Wir haben die Chance, die Zukunft besser zu gestalten und wir werden sie nutzen. Wer von euch ist bereit uns zu unterstützen? Für die Freiheit! Für die Gerechtigkeit! Für die Ehre!"
Stille lastete, als Kyp, der Dunkle Lord von Ragnarok, vom Rednerpult zurücktrat. Keiner wusste so genau was er nun sagen sollte. Die meisten sahen sich fragend um und schüttelten den Kopf. Anderen wiederum war anzusehen, das sie wussten, dass Kyp recht hat und würden ihn auch unterstützen, wenn sie nur die Chance dazu bekommen. Vielen der altehrwürdigen Mitglieder Ragnaroks war das Entsetzen ins Gesicht geschrieben. Sie hielten immer noch am alten Ehrenkodex von [troja] fest, es war klar, das sie das Imperium niemals verraten würden. Ohne einen Laut von sich zu geben, stand eine bärtige Gestalt auf und Ungrimm verlies den Saal, ihm war die Trauer über den Verrat von Kyp überdeutlich anzusehen.
"HORUS, beende das Abspielen dieser Aufzeichnung."
"Ja, Sir." und mit einem leisen Knistern lösten sich die energetischen Felder der Holomatrix auf. Der schwere Ledersessel knarrte leicht, als der Betrachter sein Gewicht verlagerte, aufstand und zu dem Käfig in einer Ecke seines Büros ging. Der darin ansässige Lemming drehte grade seine Runden im Laufrad, hörte aber auf und kam mit gesträubtem Schnurrbart an die Käfigtür in Erwartung von eventuellen Leckereien. Sonderlich enttäuscht sah er dann aber doch nicht aus, als er nur hochgenommen wurde und vom seinem Herrn zum Schreibtisch mit zurückgenommen wurde. Dort setzte er ihn einem Aspormodell ins Cockpit und legte einige Sonnenblumenkerne dazu. Glücklich knabbernd saß der Nager wie eine fellige Buddhastatue im Pilotensitz und genoss die Aufmerksamkeit seines Herrn, der ihn mit abwesendem Blick hinter den Ohren kraulte.
Still las Ankhman die alarmierenden Nachrichten in den offenen Kanälen. Nachdenklich kaute er an seiner Unterlippe und hing seinen Gedanken nach. Der schwere Ledersessel quietschte leicht, als er sich zur großen Panzerglasitwand umwandte und nach draußen starrte. Unbewusst wanderten seine Augen immer wieder zu der holzvertäfelten Wand, an der die Banner von Troja und Ragnarok hingen. Immer noch schweigend stand er auf, ging hinüber und fuhr fast liebkosend die Linien auf den schweren Samtbannern nach. Dann drehte er sich um und ging wieder zu seinem Schreibtisch - leicht flimmernd baute sich das Holo des Komcenters auf.
"Ja, Sir?"
"Stellen sie mir eine Verbindung zu Ungrimm her - ich hätte da einiges mit ihm zu bereden. Sagen sie ihm, es geht um diese Xopherus-sache. Und das ganze möglichst schon vor 5 Minuten."
"Jawohl, Sir!"
Kurz darauf erschien das bärtige Gesicht von Ungrimm im Display, hinter ihm konnte Ankhman ein Chaos aus vielfachen Bewegungen erkennen. Mit ein paar Kommandos über die Eingabefelder verstellte er den Focus und erkannte schließlich eine für ihn unüberschaubare Masse an Droiden, die in verschiedenen Formationen rochierten und Stellung bezogen. Anerkennend nickte er Ungrimm zu.
"Wie ich sehe, seid ihr bereits am Organisieren des Widerstandes gegen dieses Pack .. ?"
"HARRRR ja verdammt - dieser Verräter Xopherus und seine kleingeistigen Stiefellecker werden uns nicht so einfach davonkommen - mögen noch ihre Enkel die Unehre spüren, die sie über sich gebracht haben mit diesen Taten."
Blanker Hass spiegelte sich in den Augen des Illuminaten wieder und fast glaubte Ankhman zu spüren, wie sich die Luft um sein Gegenüber knisternd zusammenballte.
"Bleibt ruhig - ich bitte euch - auch mir kam beinahe das Frühstück wieder hoch, als ich das alles sah. Aber in dieser Rage macht man nur Fehler - daher meine Bitte es besonnener anzugehen. Meine Fabriken warten nur auf die letzten Baupläne aus den Imperiumsschmieden, dann läuft die Produktion des Solaron 24/7. Nichts desto trotz haben wir noch etwas zu klären ... mir ist da vor einiger Zeit etwas passiert, wovon bisher nur Bambi wusste, aber ich denke, dass der Rest des Hohen Rates Ragnaroks nun davon in Kenntnis gesetzt werden sollte. Wenn erlaubt, hole ich noch ein paar andere Teilnehmer ab und wir treffen uns morgen in den Ratshallen? Bambi redet grade mit den anderen Mitgliedern...."
"HHRRMMPFF nun gut - dann soll es so sein - bis morgen."
Mit einem Grunzen schaltete Ungrimm die Verbindung ab und Ankhman saß wieder abgeschottet in seiner Zimmerflucht. Nachdenklich stand er auf und ging gesenkten Hauptes zur Panoramawand. Dort angekommen sah er auf und schaute in einen blutroten Sonnenuntergang.
"Also - stehen wir zu den alten Werten, bleiben ihnen ergeben in Treue, und zusammen werden wir diese Gefahr meistern, wie so viele andere zuvor auch ......."
"Kommandant Ankhman kann jetzt eintreten!"
Die Ordonanz schaute durch eine kleine Seitentür in den riesigen Ratsportalen und winkte mit der linken Hand, während er sich mit der rechten am Rahmen festhielt - ganz das Bildnis der Eile.
"Ihr werdet erwartet, die offizielle Ratssitzung ist gleich vorbei und dann wird eure Angelegenheit auf Bambis Anraten unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden."
Ankhman stieß sich von der Wand ab, an der eben noch gelehnt hatte und versuchte einigermaßen schuldbewusst auszusehen, als der Mann mit einem Räuspern auf die frischen Stiefelabdrücke an der Wand blickte. Mit den Schultern zuckend zwängte er sich in der immer noch blockierten Tür an der Ordonanz vorbei und versuchte mehr oder minder erfolgreich, das Grinsen aus seinen Mundwinkeln zu verscheuchen. Unbewusst beschleunigte er seinen Schritt, um noch die letzten Fetzen der Sitzung zu hören. Laut schallte Aspergillus' Stimme durch die Säulengänge, nur gedämpft durch die riesigen Banner der einzelnen Ratsmitglieder. Der große Tisch mit den prunkvollen Sesseln stand in einem Lichthof inmitten der gigantischen Ratshalle.
"Ich werde niemals meinen Eid vor dem Imperium brechen, nur weil da gerade 'Lust' drauf besteht. Das verbietet meine Erziehung. Meine Basis wurde mir durch das Imperium zur Verwaltung zur Verfügung gestellt. Also werde ich mich nicht gegen es stellen, solange es keinen triftigen Grund gibt. Und wie ich sehe, wird gewagt, das Imperium und seine Handlungen anzuzweifeln. Das steht ihm nicht zu. Das steht keinem zu. Das Imperium und der Imperator sind von Gott daselbst eingesetzt worden die Menschen zu führen. Und er wagt es, Gottes Ratschluss anzuzweifeln? Die Aliens konnten selbstverständlich nur durch den Hochverrat Xopherus' landen. Dieser vom Teufel besessene Mann wird bald fallen und seiner Bestimmung zugeführt. Und sollte der Imperator dies verlangen, dann werde ich mich selbstverständlich für dieses eine Ziel opfern. Also solange es keine Beweise für ein schweres Fehlverhalten des Imperators gibt werde ich nicht gegen das Imperium antreten. Das ist eine Frage der Ehre."
"Hmm, es geht scheinbar noch um die abtrünnigen Kommandanten und Ratsmitglieder ..." murmelte Ankhman und hielt sich außerhalb der Erfassungsbereiche der kleinen Kameramodule, die wie ein Vogelschwarm den Ratstisch umkreisten und alles für die Nachwelt und den direkten Stream ins Clannetz aufzeichneten.
"Sei es aus Überzeugung und, wie Asper schon anmerkte, der alten Werte willen oder einfach nur weil Ragnarok allein 3 Illuminaten in seinem Rat hat, bzw hatte." erhob MK1974 das Wort. "Bedenkt, von Anfang an stand auf unseren Fahnen der Kampf gegen das Böse, der Kampf gegen Verräter - unzählige haben wir schon enttarnt. Lasst euch nicht blenden von einem alten verbitterten Xopherus, der in seinem Drogenwahn denkt er könnte das Imperium stürzen ... seine Zeit wird kommen und er wird sang und klanglos untergehen, so wie jeder der sich ihm anschließt. Seine "Schatten" werden sie einholen, so wie ihn der Lauf der Zeit schon eingeholt hat. Sie werden sich gegeneinander stellen und sich vernichten, weil sie die Macht der "Schatten" unterschätzen, so wie einst ein Zauberlehrling die Macht seines Zauberbesens. Nur das Imperium selbst kann diese Gefahr abwenden und uns beschützen, wie ein Meister seinen Lehrling vor der Flut."
Konsul Wüste erhob sich und sprach die Schlussworte: "Ich denke, damit kann der Standpunkt des Rates als proimperial festgelegt werden, die Abstimmungen innerhalb des Clans laufen noch und werden heute Abend abgeschlossen sein. Damit schließe ich die offene Ratsversammlung."
Mit dem Winken seiner Hand verscheuchte er die schwirrenden Kameras wie lästige Fliegen und richtete seine Augen und gesamte Aufmerksamkeit auf Ankhman, den er in den Schatten schon gesehen hatte. Dieser ging mit mittlerweile unsicher gewordenen Schritten auf den Lichtkreis zu und setzte sich in einen Sessel ohne Signum. Alle Augen richteten sich interessiert auf ihn, teils mit Neugier teils mit Belustigung, da er aus Nervosität vergeblich am Verschluss des Kästchens rumfingerte und es nicht schaffte, ihn zu öffnen. Mit einem resignierenden Seufzer stellte er es erstmal beiseite, wischte sich die feuchten Handflächen an seiner Hose ab und räusperte sich.
"Ich weiß nicht, inwieweit Bambi den Rat schon in Kenntnis gesetzt hat ....." Ein Seitenblick auf den Meister der Schattengilde zeigte ihm ein unmerkliches Kopfschütteln. Mit verkniffenen Lippen griff Ankhman nochmals zu seinem Datenspeicher und schaffte es diesmal, den Verschluss aufschnappen zu lassen.
"Mir ist da vor einigen Monaten etwas passiert, dem ich keine großartige Bedeutung zugemessen habe - beziehungsweise nicht wollte. Die Beweggründe dazu werde ich noch erläutern. Folgendes passierte ...."
Drei Stunden lang berichtete Ankhman dann von seiner Erkundung der Roguebasis und den Schlussfolgerungen seiner Wissenschaftler und des Nachrichtendienstes. währenddessen blendete er immer wieder Schemata und Diagramme ein, um seine Ausführungen zu unterstützen. Kein einziges Mal wurde er unterbrochen.
".... und - nun ja - durch die Ereignisse der letzten Tage drängt sich der Verdacht geradezu auf, dass diese Basis nicht wie ursprünglich von mir vermutet zum Imperium gehörte sondern eine Forschungsbasis von Xopherus darstellte. Das würde auch den ausbleibenden IK-Beschuß meiner Basis erklären. Ich weiß, dass jetzt die Fragen aufkommen werden, wie ich so etwas verschweigen konnte. Aber ich bitte den Rat zu bedenken, dass ich bis vorgestern noch dachte, dies sei eine geheime imperiale Basis und aufgrund der Treue des Clans mit meinen Daten hinter dem Berg hielt. Da nun aber die Teleporterbasen von Xopherus das gesamte Clangebiet unsicher machen, erfüllen sich meine schlimmsten Befürchtungen und Inque's Rasse mischt bei der Invasion mit - und sei es nur als Technologielieferant. Tja - also - das war es, was ich sagen wollte und sollte."
Stimmengewirr war die erste Reaktion des Rates und irritiert schaute er in die Runde. Bambi winkte ihn zu sich.
"Danke, aber bitte geh jetzt, es scheint eingeschlagen zu haben wie eine Bombe. Die Nachwirkungen werden wohl bald alle zu spüren bekommen."
Nachdenklich packte er seinen Datenkristall wieder ein und verließ die geheiligten Hallen. So hatte er sich das eigentlich nicht vorgestellt. Tage später war man scheinbar immer noch nicht zu einer Einigung gekommen - nein. Einige Ratsmitglieder verließen sogar den Clan oder noch schlimmer liefen zur Schattenhand über. Dumpf erklang im Hintergrund seiner Gedanken eine kleine hartnäckige Stimme, oder er zu dieser Entwicklung beigetragen hatte.
Stumm saß Ankhman hinter seinem massiven Holzschreibtisch, die Füße hochgelegt und mit verkniffenem Gesicht. Ein unbedarfter und unaufmerksamer Beobachter hätte ihn für schlafend gehalten - nur seine Wangenmuskeln zuckten ab und zu und gaben dem eigentlich entspannten Gesicht leicht verkrampfte Züge. MK1974 nun auch auf Seiten der Dunkelheit. Unwillig grunzend richtete er den schweren Ledersessel aufrecht und las noch einmal Deacon's Bekanntmachung und die verschiedenen Reaktionen im Holoschirm vor sich. Die ganzen Aktionen machten von Tag zu Tag weniger Sinn. Seufzend rieb er sich die müden Augen und drehte den Sessel parallel zum Tisch und ließ den Blick durch sein Büro streifen, aber nirgends verweilen. Sein rechter Arm stützte sich ab und hielt den schweren Kopf voller Sorgen aufrecht. Der fünfzehn Zentimeter großer Modellaspor stand in Reichweite und so tippte er ihn an der Spitze mit dem Zeigefinger an und ließ das Gebilde von einer Seite zur anderen kippen. Still hing er seinen Gedanken nach und seine Lippen formulierten die Zeilen, ohne dass ein Ton erklang ...
To be, or not to be, that is the question:
Whether 'tis nobler in the mind to suffer
The slings and arrows of outrageous fortune;
Or to take arms against a sea of troubles,
And by opposing, end them: to die, to sleep
No more; and by a sleep, to say we end....
Ein wenig mehr Schwung in die eine Richtung und der Aspor kippte auf die Seite, schaukelte noch ein wenig und lag dann still. Fast alle, zu denen er mal aufsah - mehr aus Respekt denn aus Unterwürfigkeit - waren zur Schattenhand übergelaufen. Der jeweilige Preis war ihm nicht bekannt ... aber wie würde SEIN Preis aussehen? Der Bestand seiner Basis? Abschneidung der Versorgung zum Clan? Die Fabriken liefen 24/7, man verließ sich auf ihn. Aber er war so müde.
Quo vadis, Ankhman? Immernoch stumm drehte er seinen Stuhl von Tisch und Aspor weg, schaute durch die Panoramaglasitwand hinaus über das Land und grübelte.
"Quem di diligunt, adulescens moritur" waren die einzigen Worte, die heute in dem Raum gesprochen wurden.
Voller Stolz ließ Ankhman seinen Blick über die Wand aus Sandstein gleiten. Kristallfeldintensivierung hatte ihn so hart wie Stahl gemacht und die Verwitterung gestoppt. Seine Basis war in die Wand eines Berghanges gebaut, der durch verschiedene Techniken verstärkt und zur Festung ausgebaut worden war. Die Arbeiten am neuen Hangartor waren fast vollendet - die Vergrößerungen waren unabdingbar geworden mit den neuen Kampfdroiden des Imperiums. Mit in die Hüften gestemmten Armen stand er etwa 500 Meter abseits des offenen Ladebereichs und ließ seine Aufmerksamkeit über das Gelände schweifen. Dort das gigantische Tor, an dem die Techniker die letzten Arbeiten erledigten, dort die nagelneuen schweren Plasmatürme in den ausfahrbaren Geschützstellungen rund um das Tor in der Felswand. Lachend winkte er kurz zur Panoramawand seines Büros hoch, wo er seinen Partner D'arvan erkannte. Irgendwer musste schließlich den Papierkram erledigen, wenn er als Kommandant sich mal eine Auszeit nahm. Gemächlich schlenderte er durch das offene Feld vor seiner Basis mit den ausgetretenen Pfaden seiner Hauptrouten. Teilweise waren schon regelrechte Absenkungen entstanden, wo die tonnenschweren Kampfmaschinen ihre Wege zogen. Er erreichte die andere Seite und steuerte auf eine uralte Eiche mit weit ausladendem Geäst zu, die bisher allen Angriffen auf seine Basis standgehalten hatte. Angekommen, ergriff er die untersten Äste und zog sich Stück für Stück hoch und setzte seinen Weg nach oben fort, bis er eine bequeme Stelle gefunden hatte und sich an den Stamm lehnend gespannt wartete. Ankhman's Geduld wurde auf keine harte Probe gestellt - 10 Minuten später verschwanden die Montagetrupps von den Rundgängen und Plattformen und die Blicklichter und Sirenen kündigten das Öffnen der Hangartore an. Gespannt lehnte er sich nach vorn und kniff die Augen zusammen, um den Blick besser fokussieren zu können. Dann war es endlich soweit. Die schweren Torhälften schwangen in ihre Versenkungen und ein gigantischer Koloss aus rötlicher Titan-Cobalt-Seleniumlegierung stampfte ins Freie. Jubel brandete auf und er suchte sich einen Weg Richtung Boden. Beim neuen Flagschiff seiner Truppen angekommen wurde der Jubel nochmals lauter und jemand hob ihn auf die Schultern und trug ihn durch die Menge, die die turmhohen Beine umgab.
"So sieht die Zukunft aus, Leute. Dies ist der erste eines ganzen Kontingents von Solaron, die wir innerhalb der nächsten Zeit aus dem Boden stampfen werden, um der außerirdischen Invasion zu begegnen. Dieser erste wird meine Kommandoausstattung erhalten und ich taufe ihn auf den Namen SUNFIRE."
Mit diesen Worten zerschlug er die Flasche Champagner an den Beinen und gab der Basis bis auf eine rochierende Notbesatzung den Rest des Tages frei zum Feiern. Die Leute brauchten bei der derzeitigen Situation jede Möglichkeit, sich ablenken zu können.
Militärische Erfolge lösten sich mit relativen Ruhezeiten ab - Erfolge der Schattenhand waren auf keinen Kommunikationskanälen zu finden - immer hieß es nur "Schattenhandkontingent durch erfolgreichen PVG-beschuß vernichtet" oder "Ragnarok rocks the house - eine Schattenhandbasis ist nun schutzlos". Die Aliens waren durch heldenhafte Vorstöße imperialer Truppen in ihrem Vordringen verlangsamt worden und diese Verschnaufpause war mehr als nötig für die hinteren Frontreihen, sich weiter zu organisieren. Diese hatten aber subtil zurückgeschlagen und einen ziemlich resistenten Virus in die weltweiten Kommunikationsnetze eingespeist, wodurch es immer wieder mal zu Überlastungen oder Totalausfällen kam. Erst der Streit über die Seleniumpreise und die Verkaufszahlen bei den Droiden .... er hatte also sehr tief kalkuliert und die Preise kaputt gemacht. Nun er hatte die Basis mit eben diesen Verkäufen am Laufen gehalten - so falsch können sie dann ja nicht gewesen sein. Als er sich dann einmal weigerte, sich in die automatischen Abläufe einer anderen Basis einzuschalten und einige Einstellungen vorzunehmen, da sein System scheinbar noch nicht infiziert war, wurde er als egoistisches Schwein beschimpft. Dermaßen beleidigt wurde er noch nie! Er war seit Anbeginn mit dabei gewesen, hatte immer seinen Teil für den Clan getan, hatte nie zurückgesteckt, wenn es um Lieferungen oder Ressourcenhilfe ging - und plötzlich war er ein egoistisches Schwein, weil er auf seinen Prinzipien bestand? Immer noch starrte er ungläubig auf die Logs der letzten Stunden des Clannetzes, als mit einem *pling* sich an der Seite eine neues Fenster aufbaute und er in ein nur zu bekanntes Gesicht blickte.
Sei frei und lass es nicht zu, dass die Welt mit jedem Traum und jedem Wunsch in Trümmer fällt, Schatz. Wir müssen jetzt handeln und dazu braucht man nur Mut, denn die Welt da draußen kann sich mit unseren Träumen ändern. Aber das hat Zeit bis morgen, also komm schlafen, es ist schon spät."
Nickend wurde das Holobild deaktiviert und er stand ächzend aus dem Sessel auf. Gedankenverloren runzelte er die Stirn und sprach in den leeren Raum:
"Ich hoffe, alle wissen, dass der Letzte das Licht ausmacht. Die, die es schon verloren haben, wandeln in ihrer eigenen Finsternis und andere tragen ihr Licht immer mit sich. Aber es geht irgendwie immer vorwärts ...."
"Anfrage nicht verstanden, Sir."
"Schon gut, HORUS, ein alter, müder Mann führt nur Selbstgespräche."
Dann ging der müde, alte Mann aus seinem Büro, brachte durch Berühren des Türsensors das Licht im Büro zum Verlöschen und ging in seinem eigenen Licht den langen Flur zu seinen Privatgemächern - hoffend, dort Gesellschaft, ein offenes Ohr und die Möglichkeit, sich in den Schlaf kraulen zu lassen, vorzufinden ......
Licht in den Schatten
Vor 5 Monaten ...
Die in schwarz-weiße Roben gekleidete Gestalt betrat die Basis durch den kleinen Personaleingang neben den gigantischen Hangartoren. Einigermaßen überrascht über die Sauberkeit strich er über einige Kanten und Vorsprünge - kein Staub.
"Also hat Myxin Wort gehalten und kümmert sich um die Basis."
Die Worte hallten in den Gängen wieder und das Echo verlor sich in der Ferne. Wohl doch nicht so viel Betrieb wie eben noch angenommen. Aufmerksam studierte die Gestalt den Plan an der Wand, fuhr mit den Fingern einen Weg nach zum besseren Einprägen und ging dann zielstrebig zum nächsten Lift, ließ sich vier Ebenen tiefer tragen, stieg aus, wandte sich nach rechts, ging einen langen Gang aus festem, grob bearbeitetem Gestein entlang und näherte sich großen Toren aus Eichenholz. Reich verziert mit Schnitzereien und Intarsien aus Edelmetallen, boten sie einen außerordentlichen Blickfang in der recht unscheinbaren Kammer. Karge Sitzbänke aus Holz waren zu beiden Seiten der Wände aufgereiht und näher tretend konnte er feststellen, dass auch hier kein Staub zu finden war - die Bänke sahen benutzt aus, das Holz blank poliert durch die vielen Besucher. Wehmut kam auf, als er der alten Zeiten gedachte, da er selbst hier auf diesen Bänken gesessen hatte. Dieser Versuchung konnte er nicht widerstehen. Mit einem leichten Grinsen ließ sich die Gestalt auf eine der Bänke sinken - vorsichtig bedacht, nichts zu beschädigen oder zu verändern. Die Arme ausbreitend lehnte er sich zurück und genoss sichtlich das Platzangebot. Als die Bank ein paar Sekunden aufgrund des mittlerweile ungewohnten Gewichts protestierend knarrte, versteifte sich die Gestalt und stand wieder auf, ohne sich abzustützen. Kurz umblickend, kontrollierte er die weißen Roben und verzog anerkennend seine Mundwinkel - immer noch kein Anzeichen von Staub. Gemessenen Schrittes ging er auf ein Seitenportal neben den großen Flügeltüren zu, es war nicht notwendig, sie aus ihrer erhabenen Ruhe zu reißen. Hindurch tretend kam er in eine riesige Halle, die geradezu Ehrfurcht, Erhabenheit und Größe ausstrahlte. Dicke Säulen bildeten einen Mittelgang, zwischen denen sich viele mit Tüchern verhangene Möbelstücke befanden. Alle paar Meter waren in den Seitenwänden Alkoven tiefster Finsternis, während sich vor ihm ein einzelner Lichtstrahl durch ein buntes Mosaikfenster und die saubere Luft den Weg auf den Boden bahnte und einen marmornen Altar in eine Aureole aus Helligkeit hüllte. Im Schatten dahinter waren halb sichtbar mehrere große Wandbilder auszumachen und zu beiden Seiten erstreckten sich größere Abteilungen. Die Gestalt griff nun unter ihre Roben, holte einen Beutel mit mehreren ca. fünf Zentimeter großen Würfeln heraus und begann, diese in jeweils zehn Meter Abstand in der alten Kathedrale zu verteilen. So getan, stellte sich die Gestalt in die Mitte, aktivierte ein Datapad und tippte einige Codesequenzen ein. Leise summend erhoben sich die Würfel in die Luft und mit einem Zischen spannte sich zwischen den einzelnen Elementen ein Netz aus grünen Lichtstrahlen. Langsam begannen sie zu rotieren und die erst scharf gebündelten Linien fächerten sich auf, bestrichen jede Oberfläche innerhalb des Raumes mehrfach mit Kegeln gespenstisch strahlender Helligkeit. Gebannt starrte die Figur in den Roben auf das Display des Pads in seinen Händen und beobachtete den Fortschritt seiner Aktionen. Mehr und mehr bildete sich eine Art Grundriss oder Bauplan der Kathedrale ab, die Scanner zeichneten jede Unebenheit auf, katalogisierten die Bilder und Fresken der Wände, die Verzierung der Säulen und absolut jedes Detail dieses Bauwerks lag nach einer halben Stunde als digitale Information vor. Zufrieden verstaute er alles wieder in dem Leinenbeutel und verließ die Halle. Irritiert blieb er stehen und schaute an sich herunter. Das Schleifen der Roben auf dem Boden störte, also hob er sie an und schlich weiter. An der kleinen Seitentür angelangt, dreht er sich nochmals herum und warf einen letzten Blick in die nun wieder stumme und ungestörte Kathedrale.
"Mögest du Ruhe finden, werte Freundin, wo immer du auch derzeit verweilen magst. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass du eventuell doch noch einmal zurückkehren wirst, Hohepriesterin Kitiara."
Ein verärgertes Fingerschnippen unterdrückend, lauschte die Gestalt dem Echo seiner Worte nach - er hatte sich doch extra bemüht, zu flüstern....
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Vor 2 Monaten ...
Donnernd stampfte der Aspor auf die Basis zu. Ankhman kontrollierte mehrfach die Anzeigen von Radar und Orter - suchte nach energetischen Anlagen und größeren Ansammlungen von Metall und Verbundstoffen. Die Basis konnte sich doch nicht einfach in Luft aufgelöst haben, sie musste hier irgendwo sein, die Karten zeigten klar die Grundrisse der Oberflächenbauten. Kurz bevor er aufgeben wollte, sah er unter Sand Stahl blinken. Mit einigen Schaltungen brachte er sein Gefährt zum stehen, die Beine in Wartestellung einknicken lassen und den Reaktor auf Standby zu fahren war eine Sache von Sekunden. Voller Elan sprang er in den Sand und blinzelte in die Sonne - kurz vor Mittag, er hatte noch genug Zeit. Mit den Händen schob er eine Luke frei und legte die Hand auf den Öffnungskontakt. Nichts. Kurz untersuchte er den Mechanismus und stellte fest, dass die Stromversorgung ausgefallen war. Mit den Schultern zuckend suchte er die Wartungsklappe, zog den Griff der manuellen Notöffnung hervor, stellte sich breitbeinig darüber und fing an zu ziehen. Mit lautem Quietschen bewegte sich die Luke in ihren Schienen und enthüllte einen steil abfallenden Gang unter die Erde. Wenigstens war es dort kühl. Mit der Hand über die Stirn wischend, streckte er seinen geschundenen Rücken, wischte sich dann über die Oberschenkel und betrat das Halbdunkel. Die Leuchtelemente der Decke sprangen blinkend an, scheinbar war hier doch noch Leben, wie er es erhofft hatte. Zehn Minuten später hatte er die Quartiere der Piloten erreicht, er war oft genug Gast in dieser Basis gewesen und kannte sich leidlich aus.
"Ich grüße euch, Piloten. Einige werden mich erkennen, andere nicht, also stelle ich mich pro forma kurz vor. Ich bin Ankhman, Kommandeur der Basis Sphinx Prime, gelegen auf der lauschigen Omni 107. Aspergillus ist mit den neu erschlossenen Clangebieten als Ziel fort, um dort Aufbauarbeit zu leisten und musste das hochwertige Equipment und seine besten Piloten zurücklassen gemäß der Konventionen des Imperiums. Da ihr hier nur noch ein Schattendasein führt, biete ich euch an, zu mir zu kommen, als Veteranenelite, Ausbilder und Bewohner meiner Basis. Ihr ständet wieder in Lohn und Brot bei Ragnarök, eure Familien kämen selbstverständlich mit, mitsamt aller Habe, die ihr benötigt. Entsprechende Transportdroiden sind schon unterwegs, aber eure Gefährte stehen oben vor den Hangartoren. Zur Zeit kann ich euch nur Aspor anbieten, aber wenn meine Planungen korrekt vollendet werden, stehen uns bald die neuen imperialen Solaron zur Verfügung. Diese Basis wird über kurz oder lang aufhören zu existieren und dann kann niemand mehr für eure Sicherheit bürgen. Überlegt es euch, ich bin noch 2 Tage hier, um einige Dinge mit der KI zuregeln."
Ankhman ließ eine Gruppe sehr nachdenklicher Menschen zurück und begab sich über die Korridore zur Kommandozentrale. Vor der Schaltwand des KI-Rechnerverbundes blieb er stehen.
"Identifizierung Ankhman 23-4559-Omega-113. Ich erbitte Zusammenstellung mehrerer Datenkristalle. Einmal eine Auflistung aller hier lebenden Piloten, Techniker und ihrer Angehöriger und als Zweites die technischen Spezifikationen der Nanokameras aus alter Trojaproduktion. Querverweise hierzu in den Unterordnern des Geheimdienstcenters zu finden."
"Anfrage wird bearbeitet .... Personalkristall wird erstellt und ihnen überstellt, die Informationen über die Spionagetechnologie verlangen erweiterte Verifizierung durch ehemaligen Basiskommandanten innerhalb der nächsten Minute, oder Speicherinhalte werden unwiderruflich formatiert, um Missbrauch vorzubeugen."
Mit so etwas hatte er schon gerechnet. Nickend ging Ankhman zu den Terminals und schob einen Datenträger ins Lesegerät.
"Verifizierung per Fernbefehl durch ehemaligen Kommandanten, Sichtung der Videodatei nebst Echtheitssiegel wird erbeten. Passcode ist Reinecke Fuchs."
"Verifizierung erfolgt, verlangte Daten werden auf zweiten Datenkristallträger überspielt und anschließend in den Datenbanken gelöscht. Sonst noch Wünsche?"
"Momentan nicht, danke. Aber bereite schon alles für einen Umzug der letzten Bewohner vor."
"Verstanden."
Nach zwei Tagen hatten sich ausnahmslos die restlichen Bewohner für einen Umzug ausgesprochen. Es war schon alles in die Merger verladen worden und Ankhman stand mit den Offizieren im Hangar.
"Gibt es hier sonst noch etwas, was nicht verkommen darf oder gerettet werden sollte, wenn wir abziehen, wird die Basis in den Verschlusszustand versetzt."
"Nunja , da gibt es in den medizinischen Abteilungen diese Kugel."
"Die fiel mir auch schon auf, aber sie ist einerseits durch Traktorstrahlen in der Schwebe, andererseits durch diverse Mechanismen geschützt. Was hat es damit auf sich?"
"Das wissen wir auch nicht, Sir. Aspergillus hat sie aber gehütet wie einen Schatz, seltsamerweise nahm er sie bei seinem Aufbruch nicht mit."
"Nun, entweder ist sie nun wertlos oder so soll hier verbleiben. In beiden Fällen werde ich sie nicht anrühren, auch wenn meine Neugier mir etwas anderes sagt. Es geht los, beeilt euch."
In die Hände klatschend, begleitete er die letzten Nachzügler vor die Tore des Hangars und gab der KI die letzten Befehle zum Einleiten des Verschlusszustandes ... damit war die Basis endgültig aufgegeben worden.
Dann zwei Wochen später standen elf Würfel vor ihm, jeder fünf mal fünf Zentimeter groß. Einer für jedes Ratsmitglied, wobei er Illuminatin Suse immer noch dazu rechnete. Alte Angewohnheiten waren so schwer abzulegen. Jeder war farblich anders gekennzeichnet .. Bambis war rosa, Kyp war cyan, Hitman orange, Protector und GSachse waren in Blautönen gehalten, Brainstorm und Eve teilten sich Rot, Minot hatte hellgrau und Wueste sandfarben, während Giver beige gefärbt war und Suse's Würfel tiefschwarz glänzte. Zu öffnen waren sie nur von ihnen, der innere Mechanismus reagierte mit sofortiger Selbstzerstörung, wenn Stimmabdruck, genetischer Schlüssel und Retinascan nicht hundertprozentig übereinstimmten. Die enthaltene Technik war zu wichtig als das man sie in falsche Hände fallen lassen konnte. Sollten die Mikromaschinen injiziert werden, dann war das Umfeld der Träger jederzeit durch codierte Frequenzen des UHF-Bandes abrufbar. Die einzigen, die von ihnen Kenntnis hatten, waren HORUS und bald auch die Ratsmitglieder, da jeweils ihre eigene Frequenz im Würfel gespeichert war. Sollte ihnen also etwas zustoßen, sie entführt werden oder sonstwie Überwachung nötig haben, ließ sich das auf diese Weise viel einfacher und geschickter anstellen. Stumm zollte Ankhman Aspergillus und den alten Geheimdienstlern Trojas Respekt. Die Forschungen und Entwicklungen der alten Clans waren immer noch auf der Höhe, teilweise sogar besser als imperiale Vergleichsprodukte. Aber wer wusste schon, was Selaris und seine Gai-Sin schon für Ausrüstung besaßen. Noch heute sollten die Botenperior aufbrechen, um ihre Fracht auszuliefern ...
Ankhman saß am Mittagstisch, als er ein Jucken auf seiner Brust verspürte. Abwesend kratzte er sich, nur um etwas unter dem Overall zu fühlen. Irritiert hörte er auf und merkte, wie dieses etwas sich zu bewegen begann. Die Haare an seinem Körper richteten sich in Schock auf und panikartig begann er den Klettverschluss aufzureißen. Eine faustgroße Spinne kroch unter seiner Haut hervor und überall konnte er spüren, wie Insekten begannen, sich in ihm zu bewegen, um aus ihm hervorzubrechen, seine Haut zu durchbohren und ihn von innen aufzufressen. Schreiend brach er zusammen ....... und wachte schweißgebadet in seinem Bett auf.
"HORUS, gedämmtes Licht!"
Schimmernd erschienen an der Decke Spots aus orangenem Licht, abgeblendet und beruhigend.
"Hattest du schon wieder einen Alptraum, Schatz? Du solltest dir etwas von den Medikern verschreiben lassen, das ist schon die vierte Nacht, in der du nicht durchschlafen kannst." knurrte D'arvan neben ihm in den Laken. Dann drehte er sich auf die andere Seite und schnarchte leise weiter.
Immer noch steil im Bett sitzend, wischte sich Ankhman über die Augen um die letzten Bilder des Traumes zu vertreiben. Das war nun schon die sechste Nacht, in der er durch diverse Alpträume aus dem Schlaf gezwungen wurde, die ersten beiden Male hatte er nur nicht erwähnt. Es wurde definitiv Zeit für einen Urlaub, die letzten paar Wochen und Monate waren einfach zu viel gewesen. Das Studium der Molekularbiologie, die Bauvorhaben in der Basis, der ständige Konflikt mit der Schattenhand und das drohende Damoklesschwert der Aliens waren einfach zu viel. Ohne viel Lärm zu verursachen ließ sich Ankhman aus dem Bett gleiten und tapste ein wenig unsicher zur großzügig ausgestatteten Hygienezelle. Stöhnend wankte er in die Hochdruckdusche und ließ sich abwechselnd von allen Seiten mit heißem und kaltem Wasser massieren und mittels warmer Luftstrahlen trocknen. Wieder einigermaßen klar im Kopf schlich er zurück ins Bett, löschte das Licht und kuschelte sich an seinen Partner. Aber die Stunden verstrichen langsam und Ankhman starrte in die Dunkelheit.
Der nächste Morgen am Frühstückstisch war eher still - nicht wie sonst fand ein reges Gespräch über die Lage der Basis in Bezug auf die politische Situation oder die Handelsbeziehungen statt.
"Was ist los, Schnups? So schweigsam habe ich dich selten erlebt."
"Ich weiß es nicht, D'Arvan - vielleicht brauche ich einfach nur Urlaub."
"Du solltest dir mal eine Woche Auszeit gönnen, wir kommen auch ganz gut ohne dich zurecht." Das schalkhafte Lächeln in den Augen seines Gegenübers zeigte Ankhman die Ernsthaftigkeit der Aussage.
"Vielleicht hast du Recht, derzeit ist alles recht verfahren." Mit einem Blick auf den Zimmerservo sprach er weiter. "HORUS, bitte schalte einen der noch freien Holo-Tanks um auf Programm Steynbeycker Delta Drei. Ich beabsichtige, sechs Tage dort zu verbringen. Triff bitte die entsprechenden Vorbereitungen aufgrund der allgemeinen Listen. In Notfällen bin ich aber jederzeit erreichbar."
"Verstanden, Sir."
Unruhig stand Ankhman auf und wanderte durch die Zimmerflucht. Seine Lippen bewegten sich lautlos und seine Finger zählten stumm mit, während er im Kopf eine Liste erstellte. Mit einem Blick auf die Waffensammlung an der Wand blieb er abrupt stehen und drehte sich schwungvoll zum Tisch.
"Und vergiss meinen Lemming nicht, der braucht täglich seine Streicheleinheiten."
"Jaja! Du bist ja immer noch hier."
"Und so verlasse ich die Realität, um 6 Tage lang in einer fiktiven Holographiewelt mal an etwas anderes zu denken. Ist das nicht ironisch? Grimme Taten erwacht. Auf zu Verderben, auf zu Zorn und zu blutig Morden!" Ein fiktives Schwert in die Luft haltend zitierte er aus den alten Texten und schaute abwartend zum Tisch.
"Geh du nur, ich hatte in der letzten Zeit so wenig zu tun, dass mir das Mehr an Arbeit in deiner Abwesenheit ganz gut tun wird. Müßiggang ist nicht mein Metier und Phantasiewelten in Holo-Tanks auch nicht."
Mit einem Grinsen widmete sich D'Arvan wieder den Frühstückseiern, während er Ankhman beim Packen zusah. Eine Stunde später stand der mit 2 großen Jutesäcken beladen in der Tür, verabschiedete sich mit einem Kuss, nahm den Kampfstab und die Zwillingskatana von der Wand und ging Richtung Tür.
"Sir, laufender Angriff auf uns!"
Irritiert starrte Ankhman auf sein Armbandkom und blinzelte sein Gegenüber an. Konstrukteur Klaus Bareiss schob ihn aber schon in Richtung Lift, der ältere Freund hatte wieder einmal schneller gedacht und gehandelt als sein Kommandant.
"Jaja - ist ja schon gut, ich gehe ja schon. Aber wir werden uns so bald als möglich über die nötigen Erweiterungen des Basis unterhalten, ich hätte da noch neue Anforderungen an die Minen und das Missionscenter."
"Junge, geh endlich oder willst du wem auch immer Schott und Tor öffnen?"
Der väterliche Freund wusste stets, welchen Ton er anschlagen musste, um seinen Kommandanten zu provozieren und so anzuspornen. Er war aber auch einer der Wenigen, die sich das erlauben durften. Schnaufend rannte Ankhman durch die Gänge und verlangte kurz darauf im Verteidigungscenter um Aufklärung der Sachlage. Achtzig Solaron kamen auf sie zu, Herkunft war der Skasim Warhead0.
"Was wollen die bei uns? Wurden unbemannte Probeangriffe gefahren, ohne das ich etwas davon weiß?"
"Nein Sir, würden wir uns nie erlauben. Scheinbar scannen sie die stärksten Basen in jedem Quadranten ab, um zu testen, wie schnell und mit welchen Mitteln sie vorgehen müssen."
"Verfluchte Scheiße - unsere anderen Kampfkontingente sind unterwegs und kommen erst in Tagen wieder heim. Wie weit sind die neuen Türme schon installiert?"
"Helixphalanx steht, die schweren Plasmawerfer werden stetig erweitert und die alten werden entfernt, um den nötigen Platz zu schaffen. Ich denke, es sollte machbar sein mit den vorhandenen Droiden."
"Ach, sollte es? SEIT WANN DENKEN SIE DENN?"
Der Techniker zuckte zusammen, als Ankhman ihn anbrüllte. Abrupt verstummte jedes Gespräch in dem Raum und alle Blicke richteten sich auf die Situation am zentralen Holotisch. Ankhman schloss kurz seine Augen, atmete tief durch und entschuldigte sich räuspernd.
"Bitte verzeihen sie mir, ich habe mich gehen lassen. Nun aber zu unserem Problem. Wie man aus den schon bekannten Gefechten sehen kann, kämpfen die Skasim ohne Rücksicht auf Verluste."
Während er sprach, nahm er die vorhandene Karte vom Tisch und verstaute sie im Kartentank. Dann tippte er einige Befehle in die Konsole vor ihm und ließ drei verschiedene Aufnahmen über dem Projektionsgitter ablaufen, die von anderen Kommandanten zur Verfügung gestellt worden waren. Ein weiterer Tastendruck schaltete ihn in das basisinterne Kommunikationsnetz und verband ihn mit den Pilotenunterkünften.
"Die Skasim sind schwere Gegner. Da sie scheinbar einer Hochschwerkraftwelt entstammen, tragen sie hier auf der Erde schwer gepanzerte Rüstungen und bewegen sich trotzdem wie der Blitz. Sie sehen uns als mindere Spezies an und machen daher weder Gefangene noch reagieren sie auf Verhandlungsangebote. Für sie sind wir Ungeziefer. Wie sie hier sehen können, ist unterstützendes Feuer durch PVG oder Raketen vor den Kampfhandlungen von extremem Vorteil. Diese Einspielungen zeigen ihnen die Wucht, mit der der Feind bisher gegen Clanbasen und deren Androiden vorging. Unter keinen Umständen dürft ihr sie unterschätzen oder sich aufgrund unserer Solaron in Sicherheit wiegen. Die Skasim sind ebenfalls im Besitz dieser Kolosse und viele ihrer Geheimnisse kennen wir noch nicht einmal. Alle Piloten der Gruppen Rot, Blau, Grün und Violett melden sich in fünfzehn Minuten zum Briefing im großen Konferenzsaal des Verteidgungscenters. Danke." An einen der Techniker gewand fuhr er fort. "Wie sieht es mit SUNFIRE aus, ist dessen Inspektion schon abgeschlossen?"
"Tut mir leid, Sir, aber der Reaktor ist derzeit auf dem Prüfstand und bis zum Eintreffen können wir ihn nicht wieder zusammensetzen."
"Nun gut, dann machen sie mir einen normalen Solaron startklar. Und SUNFIRE wird auch schnellstmöglich wieder in Dienst genommen."
Alles war gesagt worden und die Nervosität stieg mit jeder Minute des Wartens. Der Einsatz der basiseigenen PVG war nicht möglich, da das dafür benötigte Uran vor einem Tag in den Weltraum verschwunden war, zusammen mit zehn Zengal, die Selenium erbeuten sollten. Damit war es unmöglich geworden, die Wucht des Angriffes zu mindern und keiner der Verbündeten und Freunde war erreichbar. Jetzt kam es ganz auf das Kampfgeschick und das Schlachtenglück an, ansonsten würde dies ein schwarzer Tag in den Basisanalen werden. Jeweils versetzt in zwei Reihen standen die achtzig Solaron in einiger Entfernung vor den Toren des Hangarliftes, bereit, den ersten Ansturm aufzufangen. Und dann kamen sie. Wie Drachen grau-mystischer Vorzeit brachen sie durch die Bäume, mit roten Panzerungen und feuerbereiten glühenden Mündungen. Den Solaron hätte man Dragoon nennen sollen, kam Ankhman in den Sinn. Der Name wäre passender gewesen, sowohl was das Aussehen als auch die Wirkung der Hauptwaffen anging. Ohne anzuhalten rannten die gegnerischen Maschinen auf sie zu. Noch außerhalb der effektiven Feuerreichweite blitzte es bei einem der anstürmenden Stahlgiganten auf. Ungläubig starrte Ankhman auf die fliegende grüne Energiekugel, nur um zu sehen, wie bei einem seiner Solaron das Cockpit mit der Disruptorkugel in einen explodierende Feuerball verwandelt wurde und ein vielkehliger Entsetzensschrei hallte durch den Gefechtsfunk.
"Sie haben es scheinbar geschafft, ihre Waffen zu modifizieren. Schwärmt aus und greift an - wenn wir hier warten, ist es für diesen Abschaum wie Tontaubenschießen, ohne einmal in unsere Reichweite zu kommen."
Mit höchsten Werten beschleunigend spritzten die Maschinen auseinander und verteilten sich in lockerer Linie, um den Gegnern entgegen zu rennen. Schnell wurde klar, dass sich die Skasim gut vorbereitet hatten. Gezielt legten sie Brände in den umliegenden Baumgruppen und immer wieder drangen kleinere Gruppen schnell vor, zerstörten einen Solaron und zogen sich dann zurück, Rauch, Hitze und Verwirrung perfekt ausnutzend. Ankhman fluchte lauthals, als die uralte Eiche neben den Hangartoren eine volle Breitseite aus den überschweren Plasmawerfern auffing und mit einem Funkenregen in Asche aufging. Als Kommandant stand er in permanenter Verbindung mit dem Verteidigungscenter wie die anderen Piloten auch und bezog so die neuesten Berechnungen. Dann wandte er sich per Schaltung an alle seine Piloten.
"Die Verluste klettern höher, wenn wir sie jetzt nicht bald stoppen können, müssen wir uns zurückziehen und ihnen das Feld überlassen. Also hängt euch rein!"
Als hätten die Angreifer nur darauf gewartet, dass er sich zu erkennen gab, gingen sie nun gezielt vor. Von allen Seiten kamen die Skasim in kleinen Fünfertrupps auf ihn zu, zerschossen jeden, der sich ihnen in den Weg stellte und rückten unerbittlich näher. Zehn, zwölf Ausfälle listeten sich in seinem Display auf, dann waren sie bei ihm. Von allen Seiten wurde Ankhman unter Beschuss genommen. Diese feigen Schweine, dachte er, gezielte Ausschaltung der Kommandanten und Demoralisierung der Truppen. Kein Wunder, dass sie so erfolgreich waren, sie gingen ohne Rücksicht auf Verluste vor und scheuten nicht den rigorosen Einsatz von allen möglichen Strategien und Manövern. Wie ein Mensch, der Ungeziefer bekämpft. Mit seiner gesamten Konzentration wich Ankhman den Schüssen aus, ließ seinen Solaron taumeln und unvorhersehbare Richtungswechsel vollführen, aber er war fast eingekreist und hatte nicht die geringste Chance. Das hier war nicht sein SUNFIRE, das war ein Standartmodell und hatte nicht seine persönlichen Modifikationen. Der Solaron bekam weitere Schläge ab und immer mehr Warnmeldungen wurden eingeblendet. Plötzlich tauchte zusammen mit einem Heulen eine rote Warnung direkt in seinem HUD auf - kritischer Reaktortreffer - Notabschaltung eingeleitet, aber Durchführung ungewiss. Ohne lange nachzudenken, hieb Ankhman auf den versenkten Knopf an der Sitzseite. Dann kam der Ruck und mit dem Absprengen des Kanzeldaches wurde seine Kapsel aus der zusammensackenden Maschine geschossen. Höher und höher stieg sie und wurde mittels steuerbarer Düsen automatisch aus dem Kampfgebiet gelenkt. Weit kam sie aber nicht, als wie mit einem titanischen Hammer der Kapsel ein Schlag versetzt wurde und Ankhman der Schweiß ausbrach. Diese Säue wussten nur zu genau, wer da flog und wen sie unter Beschuss nahmen. Der Erfolg kam auch prompt und alle Monitore erloschen, stotternd gefolgt von den Treibsätzen. Das Notsystem reagierte und die Fallschirme entfalteten sich, um eine halbwegs sanfte Landung zu garantieren. Rings um ihn konnte er hören, dass das Feuer langsam eingestellt wurde, leider war durch die verrußten Glasitscheiben nichts zu erkennen. Dann ein Ruck und die Kapsel lag still, das Knistern und Knirschen von überbeanspruchtem Metall war das einzige Geräusch. Etwas ging um ihn herum vor und er wusste nicht was es war. Kein Kampfzeichen erreichte ihn und so schälte er sich aus den Gurten, während er nach dem Öffnungsmechanismus tastete. Die Klappe fiel aus den Halterungen und Ankhman zog sich heraus, landete auf den Füßen und starrte auf die glimmenden Mündungen von schweren Plasmawerfern. Seine Landekapsel war inmitten der Skasim heruntergekommen und die Piloten wagten es nicht, das Feuergefecht fortzusetzen, aus Angst, ihren Kommandanten dabei zu grillen. Den Aliens schien das eine perverse Art Freude zu bereiten, denn sie standen in großem Halbkreis um die Szene. Ein einzelner Mensch neben einer Rettungskapsel, umringt von 80 schwersten Kampfmaschinen, hilflos vor den Mündungen der schweren Geschütze stehend. Ankhman schaute sich panisch um und sah in fünfzig Metern Entfernung etwas, was ihn auf eine irrwitzige Idee brachte. Wenn er jetzt schnell genug sein würde und den Schüssen aller Geschütze ausweichen könnte und wenn er ... genauso gut wäre er der Mann aus Stahl und könnte fliegen, aus seinem Mund käme Feuer und sein Arsch verschießt Blitze. Mit dem Mut der Verzweiflung wandte er sich um und sprintete los, das Knistern des austretenden Stroms ultraheißen Plasmas im Rücken erwartend. Was dann kam, mochte er kaum glauben. Der einzelne Solaron stapfte ihm hinterher, der Pilot schien es nicht für nötig zu halten, ihn mit den Geschützen zu richten, er wollte ihn simpel und effektiv zerstampfen. So oder so hatte er keine Chance, seinem Schicksal zu entgehen, außer ... und dann hatte er seine anvisierte Stelle erreicht. Hoffentlich wurde in der Basis entsprechend reagiert und man hatte erkannt, was er vorhatte. Einen letzten verzweifelten Blick schickte er in Richtung der Felswand und suchte in der Ferne die Panoramagalerie, wo er jetzt einen bestimmten Zuschauer wusste. Abrupt blieb er stehen, drehte sich seinem Untergang entgegen und schaute hoch, nur um zu sehen, wie sich einer der riesigen Füße auf ihn senkte. Instinktiv riss er seine Arme über hoch, wohl wissend, dass das gegen den Fuß eines 260 Tonnen schweren Androiden ein erbärmlicher Schutz war ...
Einmal kurz scharrte der Koloss mit dem Fuß, als sei er in etwas hinein getreten, und ging dann ein paar Schritte zurück. In diesem Moment brach ein Gottesgericht über die Angreifer. Da sie sich auf die Hinrichtung Ankhman's konzentrierten, hatten sie scheinbar nicht mit der blinden Wut gerechnet, mit der die verbliebenen 67 Maschinen über sie herfielen. Alle standen in Reichweite ihrer Waffen und der Primärschlag schlug gebündelt durch die Panzerungen. Schon die erste Salve fegte 25 der Solaron hinweg, schmolz ihre Panzerung, ließ interne Munitionsbehälter explodieren und machte durch kritische interne Treffer prachtvolle Droiden zu purem Schrott. Der erste Angriff der Außerirdischen hatte kaum mehr als verbrannte Erde um die Basis hinterlassen und von Seiten der Piloten wurde keine Rücksicht mehr genommen. Welle auf Welle aus Hitze, gebündeltem Licht und molekülauflösender Disruptorstrahlung schlug den Angreifern entgegen, wie Berserker der nordischen Mythologie warfen sie sich dem Gegner entgegen, die eigenen Schäden und "Wunden" ignorierend. Das energetische Chaos machte eine direkte Ortung unmöglich und so manövrierten die Verteidiger nach Sicht. Alles, was vor ihnen stand und feindlich aussah, wurde unter Feuer genommen. Zwar wurden durch diese Praxis eigene Kameraden in Mitleidenschaft gezogen, aber die rote Wut des Angriffes ließ keine rationalen Gedanken zu. Gegner um Gegner fiel den Schüssen zum Opfer, die weniger durch ihre Zielgenauigkeit Opfer fanden denn durch die pure Anzahl und Wildheit. Nur wenige Minuten später zierten die rauchenden Überreste der Angreifer die verbrannte Erde, während die Verteidiger langsam aus ihrem Rausch erwachten und nicht wussten, wie sie nun reagieren sollten .. schließlich war ihr Basiskommandant vor ihren Augen zertreten worden. Unsicher wandten sie sich um, gingen Richtung Basis und starrten ungläubig auf die Gestalt in der Nähe der Hangartore, die an den Überresten eines einstmals mächtigen Baumes lehnte. Der Mann winkte zu den Pilotenkanzeln hoch, zeigte dann Richtung Hangar und ging gemessenen Schrittes dorthin. Unschlüssig folgten die Piloten und stationierten ihre Droiden in den Versorgungsboxen. Kaum ausgestiegen, versammelten sie sich um den Mann und redeten wild durcheinander auf ihn ein. Mit erhobenen Händen verschaffte sich Ankhman Gehör.
"Es reicht, danke. Ich kann eure Verwirrung verstehen, aber die Erklärung ist ziemlich simpel. Als ich zu Fuß flüchten musste, entdeckte ich an meinem Zielpunkt einer der Notschleusen der Bunkergänge, die sich ja bekanntlich über den gesamten Vorplatz der Basis ziehen. Die Solaron sind aber zu groß, um von den Gruben, Gräben und Fallen beeinträchtigt zu werden und so kommen diese Vorrichtungen in solchen Gefechten nicht zum Einsatz. Ich bin also zu der mir am nächsten gelegenen Luke gerannt und konnte nur hoffen, dass man im Gefechtsleitstand meine Absichten erraten würde. Das Timing war zwar ziemlich knapp, aber es klappte dennoch, die Schleuse öffnete sich unter mir, ich fiel hindurch und während der Fuß auf dem Boden stand, schloss sie sich wieder. Hätten die Skasim genauer hingeschaut, hätten sie bemerkt, dass da keine Überreste zu sehen waren. Aber ihr habt ihnen glücklicherweise kaum Zeit für Untersuchungen gegeben und ich bin beeindruckt von eurer Kampfeswut. Es tut mir leid, dass ich euch nicht sofort in Kenntnis setzen konnte, aber der Sturz hat mich für einen Moment ausgeschaltet, vier Meter Höhenunterschied sind für einen Menschen im freien Fall nicht grade gesund. Ich kann nur hoffen, dass noch genug Kraft in euch steckt, denn jetzt schlagen wir zurück"
"KI, erstelle Schnellstartcheckliste und fordere sie bei den anderen Piloten für mich an."
Kühlsystem und Notfallkühlung . . . . OK
Reaktorabschirmung . . . . OK
Stützmasseneinspritzung . . . . OK
Magnetfeldspulen des Reaktors . . . . OK
Energiefeldleiter zu den Waffenphalanxen . . . . OK
Abstrahlgleichrichter . . . . OK
Torsoausrichtung . . . . OK
Gyroskop . . . . OK
Beinaktivatoren . . . . OK
KI-Selbstkontrolle . . . . OK
Zielcomputer . . . . OK
ATSPW . . . . OK
Sphärenradar und Energieorter . . . . OK
Nickend bestätigte Ankhman den Schnellcheck seines Solaron und sah bei den anderen 65 Droiden die grünen Zeichen aufleuchten. Sein Blick wanderte über das HUD seines Cockpits und aktivierte durch ein Blinzeln den Funk.
"Unser Ziel liegt bei den Koordinaten 0:8:14. Laut den Berichten anderer Kommandanten hat es dort schon einige Kämpfe gegeben, aber sie sind alle zurückgeschlagen worden. Außerdem wurden die entsprechenden Basen mit überstarken Kontingenten dem Erdboden gleich gemacht, seht euch also vor, sollte es zu Kampfhandlungen kommen. Ich will keine Märtyrer, sondern überlegt handelnde Krieger. Kontrolliert nochmals, ob eure Feuerleitkreise korrekt konfiguriert sind. Wir machen es ihnen nach und kopieren ihren Trick, mit dem sie uns vorhin beinahe in Grund und Boden gestampft hätten. Kurz vor Erreichen des Zieles werden die letzten Kundschafterberichte übermittelt, wenn der Zeitplan korrekt erstellt wurde. Also, Leute - lasst uns ET in den Arsch treten!!"
Voller Konzentration ließ Ankhman noch einmal seinen Blick über alle Kontrolldisplays gleiten. Grünwerte wohin er auch blickte und so machte er es sich im Pilotensessel bequem. Sein SUNFIRE schwankte leicht, als er die hunderte Tonnen schwere Maschine in Bewegung setzte und Richtung Südosten laufen ließ.
Unruhig kontrollierte er wieder und wieder alle Anzeigen. Nichts durfte schief gehen oder ihr aller Leben war den Dreck nicht wert, über den sie ihre Androiden lenkten. Die pünktlich eingetroffenen Berichte zeigten die ersten Niederlagen der Invasoren, die marodierenden Kontingente waren mühsam zerrieben worden unter immensem Aufwand an Material und Menschen. Aus der Ferne war das große Basisschiff als schwarzer Berg mit absurden Formen zu erkennen. Das Imperium hatte zwar ähnlich große Zerstörer, nur konnten die nicht landen und waren auf Manöver im luftleeren Raum beschränkt. Es war kurz nach Mittag, als sie sich auf Sichtweite genähert hatten. Ein Blick im HUD ließ eine Ausschnittsvergrößerung im Sichtfeld erscheinen und Ankhman verschaffte sich einen letzten Überblick. Das Schlachtfeld war eben und bot keinerlei Deckung, die Abstrahlgase der Felddüsen während der Landung hatten großflächig alles verwüstet und eine nahezu eben Fläche ohne Vegetation geschaffen. Langsam kamen sie näher, die 80 letzten Solaron der Skasim standen schon kampfbereit vor dem riesigen Schiff. In gestaffelten Zweierreihen zogen sie einen Kordon aus rotem Stahl und glimmenden Abstrahlmündungen quer vor den Toren. Die eigenen Kampfandroiden verlangsamend, ließ sich Ankhman alle verfügbaren Daten ins HUD übertragen. Das würde hart werden und in Gedanken spielte er schnell mehrere Angriffszenarien durch. Aber egal wie er reagieren würde, die Verluste würden immens werden, da die gegnerischen Maschinen nicht so aussahen, als würden sie sich bewegen. Es blieb ihnen also nichts anderes übrig als auf sie zuzustürmen und die ersten Treffer kommentarlos einzustecken. Blieb nur zu hoffen, dass sie das einigermaßen heil überstehen würden. Ein Seitengriff und ein Untermenü erschien im HUD vor seinen Augen.
"KI, bitte Auswahl Musik - Spezifikation Kampf Alpha Eins."
"Verstanden." Und mit den Worten schwangen die ersten Akkorde von E-Gitarren durch das Cockpit. Mit leisem *ping* öffnete sich unten links in seinem Blickfeld ein Videofenster und sein stellvertretender Befehlshaber Al Simmons blickte ihn fragend an.
"Kommandant, wie sollen wir nun vorgehen?"
"Macht sie platt, rigoros und ohne Rücksicht auf die Maschinen. Achtet nur darauf, dass ihr nicht selber gegrillt werdet. Was anderes werden wir nicht machen können, da diese Bestien nicht danach aussehen, als wenn sie den Vorteil eines Stellungskampfes aufgeben würden. Damit sie sich nicht mehr auf mich einschießen können, gelten die anfänglichen Befehle das ganze Gefecht, aber alle Piloten sind angehalten, bei extremen Situationen angemessen zu handeln. Ich hoffe, niemand hat seinen Verstand beim Einsteigen abgegeben. Und jetzt los, reißt ihnen ihre gepanzerten Hintern auf."
Conquest by the rising sun I'll wait for thy command
With flame and blood at hand, glory and a broken sword.
Schwere Fokusdisruptoren spieen grüne Energiekugeln und die schweren Pulslaser überzogen die angreifenden Androiden mit grellen Blitzen. Noch waren die Angreifer außerhalb der effektiven Reichweite und der Schaden war nicht zu spüren, nur die Lichtblitze störten. Voll konzentriert umklammerte Ankhman die Kontrollen der Hauptwaffen, Sekundär- und Tertiärkreise waren offline, da es in diesem Kampf kaum zu Nahgefechten kommen würde. So wurde mehr Energie für die großen Stromfresser wie die gebündelten Magnetfelder der Abstrahlröhren verfügbar, wodurch Bündelung und Reichweite sich erhöhten. Unwillig grunzend kniff er seine Augen zusammen. Die automatische Abblendung war zwar hervorragend, aber die Reflexe der Waffenstrahlen störten trotzdem seine Wahrnehmung.
"KI, Kampfsicht aktivieren"
Vor ihm veränderte sich der Anblick nun grundlegend. Die Umgebung wurde von einem olivefarbenen Gitter überdeckt, welches alles mit einem feinmaschigen Raster nachbildete. Sphärenradar und Energieorter lieferten die Grundlagen für die Berechnungen. Die Waffenstrahlen wurden nur mehr angedeutet, wer einen im Visier hatte, bekam eine optische Kennzeichnung. Über die verschlüsselten Kanäle ließ er die nächsten Befehle verteilen - sollten die Invasoren zusehen, wie sie damit fertig wurden.
Born inside the soul of the world
Riding hard breaking bone with steel and stone
Eternal might I was born to wield.
Wild lachend beschleunigte Ankhman seinen Solaron auf Höchstgeschwindigkeit. SUNFIRE ruckte hart zur Seite, als er eine Salve in die linke Torsopanzerung bekam. Diese Bastarde hatten gute Schützen. Er ließ ihn während des Sprints stärker in den Knien federn, um ein schwierigeres Ziel zu bieten und die ankommenden Treffer zu verteilen - Punktbeschuss und Panzerungsdurchschläge waren das Letzte, was er jetzt brauchen konnte. Plötzlich ein Warnton. Irritiert schaute er nach Hinweisen auf den Ursprung des Summens, bis er in der Statistikanzeige die ersten Verlustmeldungen sah. Drei, dann fünf Totalausfälle und sie waren gerade in Waffenreichweite gekommen. Voller Zorn presste Ankhman seine Wangenknochen aufeinander, unfähig, irgendetwas zu sagen. Sie mussten einfach durchhalten, denn jetzt aufzugeben käme einer Totalvernichtung gleich und was die Skasim dann mit ihnen machen würden, war mehr als klar. Er hatte sein ihm angedachtes Schicksal von vor vier Stunden noch klar vor Augen.
Celebrate the pain and the havoc we have wrought.
Dann kam das Verhängnis als Wand aus Licht auf sie zu. Mehrere schwere Treffer schüttelten den Androiden durch und Warnmeldungen erschienen im HUD. Verzweifelt hantierte Ankhman mit den Notstromschaltungen. Das Gyroskop hatte einen Panzerungsdurchschlag hinnehmen müssen und die Feldleiter zu den Fokusdisruptoren waren unterbrochen.
"KI, leite die Energie für die Waffen über die Feldkonduktoren der Sekundärfeuerleitkreise. Übergehe die Sicherheitsschaltungen wegen der Überschlagmöglichkeiten. Ich brauch jetzt alles!"
Nickend quittierte er weitere Warnmeldungen und Ausfälle der Hardware - er hatte sie ja willentlich in Kauf genommen. Sein Ziel war aber auch erreicht, die primären Waffenkreise zeigten wieder Grünwerte und waren feuerbereit. Das Gyroskop konnte er durch persönliches Eingreifen stabilisieren, wozu hatte man denn sonst die imperialen Pilotenschulen durchlaufen. Mehr und mehr Ausfälle sammelten sich in der Statistik, nun waren es schon 10 und im Chaos der Energiegewalten waren die Barkensignale der Rettungskapseln nicht zu orten.
"Simmons, nehmen sie die Hälfte der restlichen Krieger und gehen sie nach Schema Angriff Alpha Drei vor."
From the north to the south in the black of night
Die Solaron der Menschen stoben auseinander und teilten sich in zwei Gruppen, die die Linie der Skasim von oben und unten zusammenschoben. Mittlerweile konnten sie die ganze Kraft ihrer Hauptgeschütze nutzen und auf der gegnerischen Seite fielen die ersten Maschinen. Ungestüm rannten die Solaron Ankhmans in die Masse und verursachten ein Chaos an Lichtblitzen, explodierenden Energiekugeln und schmelzender Panzerung. Blitzschnell visierte er den linken Arm eines Widersachers an, löste eine Breitseite aus und sah mit Befriedigung erst die Panzerung schmelzen und dann die Energiespeicher explodieren. Wie eine Kettenreaktion breitete sich die Zerstörung durch den ganzen Droiden aus und mit einem Flackern in der Kampfdarstellung wurde das Cockpit seines Gegenübers als Gluthölle gekennzeichnet. Grimmig lachend ließ er SUNFIRE absichtlich zur Seite taumeln und fing ihn nach ein paar Metern wieder ab, um einer Salve Disruptorkugeln zu entgehen. Zufrieden registrierte er die Einschläge in den feindlichen Linien, jetzt beschossen sie sich also schon gegenseitig.
Born to die in battle I laugh at my fate.
"Simmons - machen sie Meldung. Wie hoch sind die Verluste?"
"Sie steigen noch, Sir. Bisher haben wir 30 Totalausfälle, aber keiner unserer Solaron ist unbeschädigt. Teilweise werden sie nur noch durch die Endostrukturen zusammengehalten."
Bei diesen Worten kippte der letzte der Skasimdroiden rauchend zur Seite, kleine Explosionen in seinem Inneren zeugten von weitreichenden Zerstörungen. Nun endlich nahm sich Ankhman Zeit, die Verluste zu begutachten. Dreißig Verluste, wie viele davon wieder instand gesetzt werden konnten, ließ sich auf die Schnelle nicht sagen. Seinen hinkenden Koloss steuerte er zu den anderen und verschaffte sich einen ersten Überblick. Das sah nicht sehr rosig aus, aber immerhin hatten sie gesiegt. Dann widmete er sich dem Radar und suchte nach Notsignalen. Fünfundzwanzig Rettungsbarken konnte er finden, aber wo waren die anderen fünf? Mit leisen Befehlen ließ er eine Verbindung zu seiner Basis herstellen.
"HORUS - bitte analysiere diese Schlacht und berechne alles, des Weiteren suche in den Aufzeichnungen nach dem Verbleib der fehlenden fünf Kapseln."
"Verstanden, Sir."
I will stand when others fall.
Open magic doors
They will know the power of my sword
"Ankhman an Transportdexon - das Außenterrain ist gesichert und die Orter zeigen kein heimkommendes Kontingent der Skasim in einer Stunde Umgebung. Schafft die Wissenschaftler und Techniker her, damit wir durch die Sicherheitsanlagen kommen und die größten Schäden an den Maschinen reparieren können mit den Überresten dieser ... Schlacht."
Zehn Minuten später traf zeitgleich zu den Transportern auch der Bericht der Basis-KI ein. Eine der vermissten Kapseln war in die Explosion eines durchgehenden Reaktors gekommen, zwei fielen fehlgegangen Schüssen in der Luft zum Opfer und die letzten zwei waren zu nahe am Schlachtfeld gelandet und wurden in dem Getümmel zertrampelt. Unfähig, seine Gefühle komplett zu kontrollieren, schlug Ankhman auf die Kontrollen vor sich. Verzweifelt blinzelte er die aufkommenden Tränen weg und sein Blick irrte über die Decke der Pilotenkabine ohne an einem Platz zu verweilen. Dann atmete er tief durch, wischte sich mit den Händen durch das Gesicht und schob mit aller Macht seines Geistes die Gefühle beiseite. Jetzt konnte er es sich einfach nicht leisten, als flennendes Bündel vor seine Piloten zu treten und Befehle zu geben. Es gab eine Zeit zum Kämpfen und es gab eine Zeit zum Trauern, doch die war nicht jetzt.
With blood in my voice I scream as you die
Thirsting for vengeance and mounds of the slain
Shaking the forest onto the plain
Vorsichtig lugte Ankhman um die Ecke in den Hangar des Basisschiffes. Sie mussten sich beeilen, sonst würden sie hier mit runtergelassenen Hosen erwischt und die Skasim machten keine Gefangenen - Menschen waren für sie nicht mehr als lästige niedere Tiere mit anfänglichen Steinwerkzeugen. Seine Spezialisten hatten die Verteidigungsanlagen deaktiviert, die verteilt in den Wänden den Hangar des Basisschiffes mit lückenloser Feuerkraft abgedeckt hatten.
"Seht zu, dass ihr alles Verwertbare einsammelt und die gröbsten Sachen repariert, Feinheiten können in der Basis erledigt werden, aber ich will hier nichts zurücklassen, was uns diese Außerirdischen hinterherwerfen könnten."
Schnell waren die schwersten Schäden behoben und er wurde in den Hangar gerufen.
"Sir, mittels der Überreste der Schlacht konnten wir 7 der zerstörten Solaron zumindest wieder lauffähig bekommen. Aber wir haben hier etwas gefunden. Dreiundzwanzig dieser Babys sind hier noch in Versorgungsboxen untergebracht und unbemannt, wir könnten sie als Beute mitnehmen und gleichen so die Verluste mehr als aus. Aber dann sind hier noch zwei seltsame Boxen, in denen die Phantomandroiden der Skasim gewartet werden und sie sind voll!"
Es dauerte ein paar Augenblicke, bis Ankhman die volle Tragweite dieser Worte begriff. Sie hatten tatsächlich zwei der Rhacal erbeutet? Das war .. sensationell!.
"Was stehen sie denn noch hier rum? Machen sie, verstauen sie alles uns lassen sie uns die Juwelen hier nach Hause bringen und zwar schnell. Ich habe so das Gefühl, als wenn die Hausherren bald heimkehren würden und ich bin mir sicher, dass sie nicht erfreut darüber sein werden, dass wir ihre Tür eingetreten haben. Also .. ZACK ZACK."
In die Hände klatschend ging er Richtung Hangartore.
Born to die in battle I laugh at my fate.
Now pay in blood when your blood has been spilled
You're never forgiven, Death is fulfilled !
Voller Bewunderung strich er über die Panzerung des Droiden. So glatt, so fremd .. fast schien es, als pulsiere die ganze Maschine vor geheimnisvollem Leben. Verunsichert schaute er zu den Technikern seines Einsatzkommandos hinüber, die ihn mit einem Nicken ermutigten weiterzumachen, währen sie ihre Instrumente und Displays nicht einen Moment aus den Augen ließen. Mit wackligen Knien stieg Ankhman die provisorische Leiter höher und kam an die offene Luke. Irgendwie war ihm diese Maschine unheimlich und so kroch er mehr in den Sitz als er stieg ... und fuhr mit einem Schrei in die Höhe. Das Material, das wie Leder aussah, hatte sich unter ihm bewegt und kleine Wellen liefen über die Oberfläche. Die Haare an seinen Unterarmen standen in alle Richtungen ab und am liebsten wäre sofort wieder ausgestiegen. Sich diese Blöße zu geben vor den sowieso schon grinsenden Technikern und Wissenschaftlern war ihm dann doch zuviel und so schloss er kurz seine Augen, schluckte schwer und ließ sich vorsichtig hinein sinken. Wieder fing das Material unter ihm an, leicht Wellen zu schlagen, als wenn eine Armee kräftiger Ameisen einen vom Piknicktuch wegtragen würden - als Vorspeise. Dieser Eindruck hielt zehn Sekunden an, dann hatte sich die Sitzschale perfekt seiner Anatomie angepasst. Diese Skasim hatten ihnen einiges voraus, was intelligente Werkstoffe anging - Respekt. Mit einem Ächzen und der hilfreichen Hand eines Technikers stand der Kommandant verdächtig schnell wieder auf und stieg wieder von der Beutemaschine.
"Ich brauche die letzten Klarmeldungen in vier Tagen, dann kommt hoher Besuch."
Gods of war feel the power of my sword
They will know the power of my sword
Über die claninternen Sender liefen grade Berichte über die Chaostage und die ersten Siege der Skasim. Nichts schien derzeit in geordneten Bahnen zu funktionieren und im Äther der claninternen und clanexternen Kommunikationsnetze herrschte ein Durcheinander, dass kaum zu entziffern war. Plötzlich eine Unterbrechung - ein Bericht wurde per Vorrangsignal in die Empfänger gespeist und ein Standbild zeigte das Clanwappen und das Siegel des Rates - die Sendung war also autorisiert worden. Ankhman saß nervös in seinem Ledersessel und schaute aus der Panoramawand.
"Verdammt, ich kenne mich. Vor Aufregung vergesse ich wieder die Hälfte, fange an zu stottern oder bringe die unmöglichsten Versprecher. Ich bin nicht gut im Reden schwingen, du kannst das besser. Bitte erlöse mich davon, D'Arvan - die Rede hast du schließlich auch verfasst."
"Ich denke nicht einmal daran." meinte der Angesprochene "Was du als Rede bezeichnest, sind ein paar einleitende Worte zu der folgenden Live-Übertragung. Die technischen Details des Bauwerkes kennst du selbst im Schlaf auswendig, sie entstammen schließlich deinen eigenen Entwürfen. Solltest du doch einmal aus dem Takt kommen, dann schau auf das Holodisplay hier direkt neben den Kameramodulen, ich lasse vorsichtshalber alles mitlaufen. Und schlussendlich - du trägst die Paradeuniform und ich nur meinen Arbeitsoverall - wie sähe das denn aus."
Ankhman schnaufte resignierend und strich sich ein letztes Mal prüfend über die Kleidung. D'Arvan ging um den Schreibtisch zu ihm, rückte den Gürtel zurecht, steckte das Hemd noch einmal fest, zog am unteren Saum der Jacke und betrachtete das Resultat abschätzend. Alles saß perfekt, keine Falte war zu sehen und er gab sein Okay. Ankhman drehte sich zum Glasitwand und schaute nochmals auf die Landschaft unter ihm, die Verwüstungen des letzten Angriffes waren noch überdeutlich zu sehen. Nickend gab er das Zeichen und lauschte nervös dem Zählen.
"Drei - Zwei - Eins - Du bist auf Sendung .... "
Ein Zusammenzucken unterdrückend schloss er kurz die Augen, sammelte sich und drehte sich dann langsam in Richtung der Kameras, die in Gesichtshöhe in seinem Büro schwebten und sowohl ihn als auch das in Mitleidenschaft gezogene Gelände hinter ihm dreidimensional und in perfekten Farben einfingen, das Signal in das interne Clannetz speisten und so im gesamten Clan verbreiteten. "Freunde, Clangenossen und Mitstreiter. Am heutigen Tag spreche ich mit Erlaubnis des Rates zu euch, um die Wiederauferstehung von Ragnarök's Klerus zu verkünden. Nicht alle von euch werden sich noch der verschwundenen Hohepriesterin Kitiara entsinnen, die kurz nach der Neustrukturierung unseres Clans verschwand. Die Kathedrale, der Klerus und die spirituelle Stütze unserer Gemeinschaft wurden damit ausgeschaltet. Aber grade jetzt haben wir Führung in moralischen Angelegenheiten und Stütze in Gewissensfragen nötiger als je zuvor. Und so gebe ich bekannt, dass die alte Kathedrale hier in den alten Kerngebieten neu erbaut wurde - wohl nach den althergebrachten Plänen und doch moderner und größer, um den neuen Ansprüchen gerecht zu werden. Doch seht selbst - HORUS, fahr die Einspielung ab.
Eine virtuelle Kamera starrte auf riesige hölzerne Portalflügel, die reich mit metallenen Intarsien und Schnitzereien verziert war. Den einzigen Höhenvergleich bot eine kleine Tür rechts neben dem geschlossenen Bogen und ließ eine Größe von über 6 Metern erahnen. Geräuschlos schwangen die Flügel nach innen und die Kamera folgte ihnen im Fluge, um in einen lang gestreckten Saal einzutauchen. Säulen strebten in mehreren Reihen versteinerten Bäumen gleich gen Kuppeldecke. Vom verbreiterten Fuß über einen schrundigen Stamm hin zu dem sich verbreiternden oberen Ende glich die Halle einem uralten Wald. Sonnenstrahlen brachen wie gigantische Lichtschwerter von links durch buntgläserne Fenster von erstaunlicher Filigranität und Größe. Jedes stellte in stilisierter Form einen Abschnitt der Entstehungsgeschichte dar - auf der linken sonnendurchfluteten Seite die des Clans und auf der rechten Seite die des Imperiums. Zwischen den Säulen waren viele Reihen hölzerner Sitzbänke zu sehen und erst so bekam man einen Eindruck der Größe. Staub flirrte in den Lichtströmen und verstärkte die erhabene Ruhe des Ortes noch - machte ihn zu einem Platz der Andacht und des inneren Friedens. Die Kamera flog weiter auf ein helles Licht zu, immer wieder in bestimmte Richtungen schwenkend, um besondere Details der Architektur oder die Glasfenster für die Zuschauer einzufangen. Vorn änderten die Bänke ihr Aussehen, wurden von simplen Holzbänken zu gepolsterten Sitzreihen. Schließlich erweiterte sich die Halle zu einem großen, fast kreisrunden Raum und die steinernen Baumsäulen wichen solchen aus glänzendem Stahl, perfekt der Natur nachgebildet. Metallene Wurzeln gruben sich in den Boden und gaben stählernen Stämmen mit rissiger Borke Halt, nur um in großer Höhe in ein ausladendes Astwerk aufzufächern und die Decke der Kuppel mit einem blitzenden Blattwerk zu verdecken. Kleine scharf abgegrenzte Lichtstrahlen riefen das Gefühl hervor, als würden sich die Baumkronen in unhörbarem Wind bewegen und so war nicht zu erkennen, ob es das Sonnenlicht war, dass durch die Blätter blendete oder geschickt platzierte blinkende Strahler in der Kuppel diese Aufgabe erfüllten. Links und rechts an den Wänden waren zwei Emporen zwischen den Stämmen mit prunkvollen Sesseln, die genaue Anzahl ließ sich im Vorüberschwenken der Kamera nicht bestimmen. In der Mitte des Platzes brach Licht wie ein Wasserfall senkrecht hinunter, um auf einen Altar aus Alabaster zu treffen, der es blendend in alle Richtungen strahlte. Im Hintergrund sah man schattenhaft drei große Samtbanner, links das Wappen Trojas, rechts die Farben des Imperiums und in der Mitte die Ragnarökflagge. Das Bild zoomte auf das Clanwappen, beendete damit die Übertragung und Ankhman erschien wieder auf den Bildschirmen.
"In genau 6 Tagen wird die große Einweihungszeremonie stattfinden, mit anschließender Messe. Danach wird sie für alle Mitglieder Ragnarök's und seiner Verbündeten und Freunde Tag und Nacht offen stehen. Ich danke für ihre Aufmerksamkeit."
D'Arvan fuhr sich hinter der schwebenden Kamera mit dem Daumen über die Kehle und meinte "Cut - die Sache ist doch gut gelaufen. Ich verstehe gar nicht, wieso du derart Blut und Wasser geschwitzt hast - so schwer war das doch gar nicht."
"Ach du hast ja keine Ahnung. Das hier ist etwas anderes als in der Kampfsporthalle Unterrichtsstunden zu geben. Ich weiß, dass du als Trainer gut bist, aber das hier ging an alle Basen des Clans. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie viele Menschen das jetzt gesehen haben."
"Schwamm drüber, es wird schon nichts schief gehen. Aber nun setz dich hin und schreibe die persönlichen Einladungen an deine Freunde in der Umgebung. Ich habe auch noch eine Menge zu organisieren."
Bambi begrüßte Ankhman mit Handschlag und schaute sich neugierig um. Überall wurden die letzten Vorbereitungen getätigt, um die ankommenden Clanmitglieder und Gäste zu empfangen.
"Nun, die Katze ist aus dem Sack und die Überraschung nicht gering. Wieso habe ich nie Anzeichen dieses Bauvorhabens bemerkt, solche Erdbewegungen hätten meine Agenten bemerken müssen und auch Drohnenfotos haben mich nicht erkennen lassen, wo die Kathedrale steht. Willst du es mir nicht sagen? Du kennst meine Neugier."
"Und gerade deshalb werde ich meine kleinen Geheimnisse nicht aufdecken, ich lass dir einerseits den Spaß, sie eventuell selber zu erkunden und andererseits gebe ich mich gern mal geheimnisvoll. Du wirst nicht bereuen, heute hier erschienen zu sein. Und nun komm, du bist der Letzte, die anderen sind alle schon da."
Halb das Ratsmitglied vor sich herschiebend, dirigierte Ankhman ihn in Richtung Pneumolift. Die Türen schlossen sich mit leisem Zischen und die Kabine geriet in Bewegung. Bambi versuchte durch den Andruck herauszufinden, in welche Richtung sie transportiert wurden, aber außer einer waagerechten Bewegung spürte er nichts. Die Kabine stoppte kurz, nur um sich dann subjektiv nach aufwärts zu bewegen. Lichtringe liefen von oben nach unten die Wände entlang und verstärkten den Eindruck des Aufstieges. Pffft - die Tür öffnete sich und sie betraten eine kleine Vorhalle, vor sich die schweren Flügel des Portals. Links und rechts waren kleine verglaste Fenster in den Wänden. Bambi ließ es sich nicht nehmen und blickte hinaus - auf eine mit Gras bewachsene Ebene mit vereinzelten Baumgruppen, über der sich ein strahlend blauer Himmel spannte, vereinzelt von kleinen weißen Wolken betupft. Das sah alles verdächtig perfekt aus und ein Seitenblick brachte ihm nur das Grinsen von Ankhman ein. Die Stirn leicht in Falten gelegt ging er achselzuckend hinter dem Kommandanten her und wurde von ihm zu einer der seitlichen Emporen geführt, wo sich 2 Sitzreihen mit Sesseln befanden. Einer davon trug sein Wappen, die anderen Ratsmitglieder saßen schon in den thronartigen Stühlen, sahen sich um und begrüßten ihn mit einem Nicken.
"Hier sind die Sitzplätze für den Rat - es sind derzeit 13, aber das ist erweiterbar. Gegenüber sind die der speziellen Gäste. Viel .. hmm .. Spaß. Ich muss mich noch vorbereiten."
Er verbeugte sich kurz vor den zehn Ratsmitgliedern und verschwand winkend durch die Portaltüren, wo sich nun die ersten Besucher sammelten und nicht recht wussten, was sie nun tun sollten oder durften. Er sprach kurz mit einem der Priester, die in weißen Roben am Eingang standen und jeden Neuankömmling lächelnd begrüßten. In der ersten Reihe der Polstersessel sah er Grokar sitzen, neben NackterGolfer, Rob, Grobian, Tommasz, Gonze und Venom-T. Es gab eine kurze Unruhe, als Suse den Raum betrat und langsam in einem schwarzen Kleid aus Seide und Spitze zu ihrem Sessel - in der Empore gegenüber den Ratsmitgliedern - ging. Kurz grüßte sie die dort schon anwesenden zwei Personen und ließ ihren Blick neugierig durch die Gegend schweifen. Mit der Zeit füllten sich die Sitzreihen der Bänke mit Menschen und eine Viertelstunde später dimmte die zusätzliche Beleuchtung ab und ließ nur die Bahnen des Sonnenlichtes als natürliche Leuchtquelle übrig. Fast unhörbar sirrten kleine Kameramodule aus versteckten Plätzen los und verteilten sich im Hauptraum.
Eine in schwarz-weiße Roben gewandete Gestalt betrat die erleuchtete Loge vor dem Altar und verschränkte die Arme vor seiner Brust. Das Gesicht lag im Dunkel und war nicht zu erkennen, der Überwurf schirmte ausgezeichnet alles Licht ab - so schien es. Vom Körperbau her musste es ein Mann sein, so groß und massiv wurden nicht einmal die bestausgebildeten Droid-pilotinnen. Leise tuschelnd tauschten sich die Anwesenden über die vermutliche Identität des Priesters aus. Die Roben waren klar erkennbar die der offiziellen Bruderschaft, aber es war nicht bekannt, dass nach dem Verschwinden der Hohepriesterin Kitiara ein Nachfolger bestimmt worden war. Gregorianische Chöre erfüllten die Luft sanft mit ihren Stimmen und die Staub flirrte leicht im großen Platz der Kuppelmitte. Von Sitz zu Sitz sprang das Gerücht, Kommandeur Ankhman habe sich selbst in den Priesterstand erhoben und er sei die verhüllte Person. Zwei Minuten später wurde es jedoch entkräftet, als eben jener durch die weit offenen Portale schlüpfte und sich an die hinterste Wand lehnend umschaute. Einige ihm zugewandte Gesichter begrüßte er mit einem Kopfnicken, wenn man jedoch das Wort an ihn richten wollte, wehrte er es stumm mit einer Handbewegung ab und deutete in den Altarraum, wo der Priester nun seine Arme ausstreckte, als wolle er das Licht, in dem er stand, einfangen und festhalten. Dann hallte eine tiefe Stimme durch den Saal, durch die perfekt errechnete Akustik überall zu hören und zu verstehen.
"Die Zeiten sind in der Tat düster, meine Freunde. Derzeit scheint nichts gesichert zu sein, was wir kannten und das Imperium hüllt sich in Schweigen. Darum können wir uns nur auf uns und den Clan verlassen. Die Skasim sind letztendlich gelandet, als Überbringer von Verzweiflung, Zerstörung, Wahnwitz und Tod. Nun liegt es an uns, sie zurückzutreiben und in ihre Schranken zu weisen. Es kann nicht angehen, dass sich Mensch gegen Mensch wendet und Bruder gegen Bruder. Wir zerfleischen uns selbst im Ringen um Macht und Status. Die Verblendeten folgen dem Schattenmeister Xopherus und seinem Schoßhund BelialX. Ihre Obsession ist es zu herrschen durch Unterdrückung und Gewalt - Ratio, Moral und menschliche Werte sind ihnen mittlerweile fremder als je zuvor. Nur gemeinsam können wir siegen ob der Dunkelheit unseres eigenen Blutes, geführt durch Ehre und Wahrhaftigkeit ...."
Stumm saßen die Anwesenden und lauschten den Worten des Priesters. Innerer Friede entsprang ihnen und manch einer fühlte sich gestärkt, seine schon fahren gelassene Hoffnung kehrte zurück. Schmunzelnd lehnte sich Bambi zurück und genoss die Show, stumm der psychologischen Glanzleistung der Messe Beifall zollend. Eine Stunde später ....
"Bedenket, dass wir im Lichte stehen. Bedenket, dass wir auch immer danach streben sollten, licht zu sein. Und bedenket, dass es auch Menschen gibt, die im Schatten wandeln und ihr eigenes Licht mit sich tragen. Unser Clan steht nicht allein, seine Verbündeten und Freunde stärken uns den Rücken, so wie wir ihnen zur Seite stehen."
Ein Blick aus unsichtbaren Augen streifte durch den Saal, die Bewegung des Kopfes ließ erahnen, wohin er blickte. Dann neigte er kurz seinen Kopf zur Empore der Gäste und Bambi erkannte nun Ungrimm - klein, bärtig und mit grimmig glitzernden Augen - und Banano - hoch gewachsen, breitschultrig und mit gewinnendem Lächeln - von PLP im Halbschatten neben Suse, wo sie ihrerseits den Gruß zurückgaben. "Viele unserer Freunde und Clankollegen leiden derzeit unter dem großen Druck, der auf ihnen liegt. Viele verschwinden über Nacht ohne eine Spur oder ziehen sich offiziell vom aktiven Dienst zurück. Verurteilt sie dafür nicht sondern helft ihnen, indem ihr ihnen nicht zürnt. Denn was wird ihnen mehr fehlen - ein Clan, der ihrer mit Stolz gedenkt, ihr Andenken würdigt und die Flaggen hocherhoben im Sturm des Krieges wehen lässt oder ein Clan, der Unverständnis zeigt und in Trauer schwach wird wie ein seiner Wurzeln beraubter Baum?
Und so bitte ich euch, erhebt euch zum Gebet."
Mit diesen Worten wandte sich der Priester direkt an die versammelten Menschen vor ihm, fast schien es, als würde er jeden einzelnen aus den Schatten seiner Kapuze mustern.
"Bei den Geistern der Gerechtigkeit und Macht - möge Euer eigen Licht erstrahlen, auf das Ihr den Weg stets finden werdet ohne zu stolpern. Die Himmlische Schar soll neben Euch streiten, um das Dunkel in den Herzen Eurer Gegner zu zerschlagen. Das allwissende Auge soll sehen, was anderen bisher verborgen blieb und brennen sollen die Sünder in der Flamme, um geläutert daraus hervorzugehen. Die Götter des Krieges und der Dunkelheit werden fallen zu unseren Füßen, nur um in unseren Reihen aufzuerstehen und unseren Schwertarm zu stärken.
Denkt immer daran - In homine deus est, quis, incertum.
Echodim."
>> Echodim << schallte der Gestalt aus hunderten Mündern entgegen und er verbeugte sich stumm mit an seiner Brust verschränkten Händen vor der versammelten Menge. Dann drehte er sich um und ging gemessenen Schrittes durch ein kleines Seitenschott. Auch Ankhman war schon wieder verschwunden - jedenfalls stand er nicht mehr an den Portaltüren. Bambi schaute sich mit erhobener Augenbraue um und nickte den vorbeikommenden Clanmitgliedern zu, die ihn im Hinausgehen grüßten. Die schwebenden Kameramodule verschwanden in den hinteren Ausgängen und die Kathedrale leerte sich. Schnellen Schrittes bog Ankhman um die Ecke und steuerte auf den Leiter der Schattengilde zu. Der Illuminatin einen Handkuss zuhauchend, lächelte er den näher kommenden Freunden zu.
"Und wie hat es euch gefallen, Freunde?" *schnauf* "Ich bin schnell noch einmal los, um zu sehen, wie die Vorbereitungen für eine weitere Sache laufen."
"Noch etwas? Dabei hast du dich heute wahrlich schon mit genug Seltsamkeiten umgeben."
Ankhman tat so, als sei ihm der deutliche Unterton entgangen und reagierte nicht auf die unausgesprochene Frage. Stattdessen umfasste er Grokar mit dem rechten Arm an den Schultern und zog ihn grinsend mit sich aus der nun stillen Kathedrale, die anderem hinter sich im Schlepptau.
"Meine Freunde - Grokar .. dich einmal ausgeschlossen - habt ihr schon mal in einem Rhacal gesessen ..?"
Verwehende Schatten
(Hier sind Bruchstücke eines weiteren RPGs, dass ich schreiben wollte, aber dann kam mir meine Ernennung als Illuminat bei D-Wars dazwischen und damit wars aus mit privaten Geschichten - es fehlte einfach die Zeit .. leider.)
Still grinsend saß Ankhman hinter seinem Schreibtisch und las die nächste Kapitulation eines Phönixmembers. Es freute ihn ungemein, dass sie es endlich geschafft hatten, die Lethargie und diesen ermüdenden Stellungskrieg in diesem Quadranten zu beenden. Schwungvoll setzte er seinen Namen darunter ... >Akzeptiert - Ankhman < und zertifizierte mit einem Retinascan die Nachricht. Der Tag versprach gut zu enden. Plötzlich blinkte etwas in seinem Sichtbereich rot auf und mit Stirnrunzeln erkannte er das Clan-Link.
"Verflucht!! Ein Notfall? Es lief doch alles so herrlich glatt die letzten Wochen."
Ächzend erhob er sich aus dem schweren Ledersessel, ging hinüber und gab die Dechiffrierungssequenz ein.
"Wüste .. was will denn der Konsul? Der sollte doch eigentlich genug Spaß haben nach seinem Umzug." dachte Ankhman und bestätigte den Eingang der Nachricht. Schweigend las er ..
... hat Der Clan Phönix soeben vor uns kapituliert. Alle Angriffe sofort abbrechen und zurückziehen. Wir haben einen vorläufigen Waffenstillstand. Weitere Verhandlungen ....
Mit hochgezogener Augenbraue las er den ersten Teil der Nachricht nochmals und war jetzt nicht ganz schlüssig, ob er sich freuen sollte oder nicht. Der Krieg war damit hier entschieden - Legion und PLP hier vorn nicht vertreten und die fetten Zeiten der Rohstoffdiebstähle vorüber. Andererseits konnte er sich so endlich mal wieder entspannen und ein wenig mehr Zeit mit seinem Lebensgefährten verbringen anstatt Angriffe zu koordinieren und teilweise selber zu leiten. Krieg hin Krieg her - das Recht auf eine glückliche Beziehung sollte jeder haben.
Per Sprachbefehl legte er den Aufruf in seinen Basisterminal und ließ ihn auf jedem Bildschirm und in jedem Hologramm für 5 Minuten stehen. Ohne einen Ton wartete er und lauschte...... Langsam fing es an und aus halbherzigem Hurrageschrei wurde Jubel. Nicht so Stark wie nach gewonnenen Schlachten, aber Jubel. Scheinbar sahen alle die Zweischneidigkeit der Verlautbarung ein und so wog jeder das Für und Wider für sich ab.
Langsam beugte er sich vor, schnippte mit den Fingern und nahm vom herbeihuschenden Servo-droid ein Glas White Wendish entgegen - den hatte er sich redlich verdient. Genüsslich nippend ging Ankhman im Kopf seine nächsten Schritte hindurch. Er müsste sich jetzt wieder allein auf seine Minen verlassen. Es würde zwar länger dauern, aber es bestände wenigstens keine Gefahr mehr für das Leben seiner Piloten und die Verschwendung der gebauten Droiden. Die könnten dann genauso gut auf einen Raumtripp gehen. Bedächtig, um seine gefundenen Worte nochmals zu überdenken, zog er den Hologrammring des Mikrophons heran.
"An alle - Hier Basiskommander Ankhman. Wie ihr alle gelesen habt, hat Phönix kapituliert. Was das für uns heißt, sollte jedem klar sein. Hier mit gebe ich allen am morgigen Tage frei, um der Anspannung der letzten Wochen einen kurzen Ausgleich zu bieten - des weiteren wird in nächster Zeit erstmal die Basis wieder in Topzustand gebracht - das heißt Fabrikationsstätten aller Art und die Labore werden überholt und gewartet - danach wird der 4-Schichten-Dienst wieder auf die normalen 3 Schichten zurückgesetzt. Ich habe vor, in nächster Zeit einige Raummissionen durchzuführen - interessierte Piloten bitte ein Memo an mich. Ansonsten erwartet uns nun hoffentlich eine Zeit der Entspannung. Einzig die Droidenfabrik läuft weiter, da wir jetzt für unserer Clanmitglieder in den anderen Quadranten Unterstützung schicken - nein nur die Droiden - ich möchte nicht das Leben meiner Piloten in fremden Landen riskieren. Also macht euch an die Arbeit - um so schneller können wir zum gewohnten Rhythmus zurückkehren."
Die Hände auf das große Amulett auf seiner Brust legend überdachte er die kommende Zeit und quittierte die eintreffenden Memos seiner Piloten mit einem Lächeln .........
...... Kommandeur Grokar alias Stefan stand in seinem Wohngemach, die große Videoleinwand projizierte Bilder aus längst vergangen Zeiten an eine Wandfront, die dadurch wie eine riesige Fensterfront wirkte und längst Verganges zeigte.
Ein Sonnenaufgang, verziert mit den rötlich wirkenden Strahlen der steigenden Sonne am Horizont. Leichtes Säuseln des Windes bewegt die Blätter der umstehen Bäume, die vereinzelt in einer großen, blumenverzirrten Wiese stehen. Allein dieser Anblick lässt es angenehm warm im unterirdischen Wohngemach wirken und erhellt den gesamten Bereich.
Zu lange ist es her, dass man sich an solchen Anblicken oberirdisch erlaben konnte. Grokar fasste einen letzten Entschluss.
Gemächlichen Schrittes gelangte er an die Bedienelemente seiner Kommunikationsanlage und seine rauhe Stimme erklang.
"Pilotinnen und Piloten, Bewohner des Sektors,
Die Stunde naht, dass ich einen Nachfolger bestimmen werde. Zu lange schon habe ich mich vor dieser Entscheidung gedrückt und bin ihr ausgewichen. Meine müden Knochen schmerzen, sie haben es sich redlich verdient, hochgelegt zu verweilen und die Kämpfe und Entscheidungen den Jüngeren zu überlassen.
So übergebe ich die Verantwortung und vollständige Entscheidungsgewalt über die Basis der Omni-Koordinate 173 an *************. Haltet ihm die Treue so, wie ihr sie mir in all den Jahren gewährt habt. Es könnte keinen würdigeren Nachfolger geben als den, der jahrelang Seite an Seite mit mir in den Kampf gezogen ist.
Mein Platz wird fortan an der Oberfläche sein. Die Baumaßnahmen wurden letzte Woche abgeschlossen."
Ein wahrhaftiges Schloss in romanischem Stil hatte sich der Kommandeur nahe des unterirdischen Gebäudekomplexes errichten lassen. Ein speziell auf Skasim und Imperialisten abgestimmtes Kraftfeld macht ein Eindringen ohne Authentisierung nahezu unmöglich. Hier will sich Grokar seinen Lebensabend versüßen. Dennoch wird er ab und an die Bunkerräume aufsuchen und nach dem Rechten sehen.
Früher nannte man Derartiges "in Ruhestand gehen". Aus heutiger Sicht ist es eher ein lieblicher Ausklang des Seins zu bezeichnen........
"Danke HORUS, Ende der Aufzeichnung. Nun sehen sie es selbst, er hat sich zurückgezogen und das Kraftfeld verhindert jeden Zugang außer er will es so, darum konnten sie ihn auch nicht erreichen."
Der Bote vom Imperium war heute morgen mit einem Dragoon angekommen. Unangekündigt tauchte er auf den Radarschirmen auf, versetzte die Basis in Alarmbereitschaft und wunderte sich über den allgemein desolaten Zustand des Personals. Nach der Mitteilung über den Wahlsieg Ankhmans zum Rat Ragnarök's nickte er dann kurz und lächelte. Jetzt saß er auf der anderen Seite des großen Holzschreibtisches und schaute ziemlich ratlos vom Wandholoschirm zu Ankhman zurück.
"Das war uns nicht bekannt. Es ist aber wichtig, dass er diese Nachrichten bekommt, sie sind direkt aus den Hallen des Imperators."
"Nichts kann so wichtig sein, einen der größten Kriegshelden Trojas aus seiner wohlverdienten Ruhe zu reißen. Worum geht es denn?"
Das weiß ich nicht und selbst wenn dürfte ich es nicht sagen. Die Nachricht ist in diesem Kästchen und der Öffnungsmechanismus ist mit seinem genetischen Abdruck codiert."
"Ich kann versuchen, ihn zu erreichen, aber versprechen kann ich nichts, mein Ratsposten hin oder her. Kann ich ihm das Material übergeben?"
Auch das muss ich leider verneinen, ich muss es persönlich überreichen."
Resigniert seufzend hob Ankhman seine Arme in die Höhe und ließ sie wieder fallen. Dieser Bote war sturer als ein Skasim.
Der Nachmittag neigte sich dem Ende zu und die Sonne sank tiefer, sich langsam orange verfärbend. Der letzte Solaron nahm seinen Platz im Spalier ein, die schweren Disruptoren und Plasmawerfer schräg gen Himmel gerichtet. Fast die gesamte Belegschaft der Basis war angetreten und bildeten mehrere große Gruppen vor den Toren zu den unterirdischen Anlagen. Jeweils vierzig Solaron standen zu zwei Reihen angeordnet auf dem Vorplatz des Hangars und bildeten eine Gasse, breit genug für mehrere Droiden nebeneinander. Einige Gestalten standen neben zwei Dragoons, wovon der eine das imperiale Wappen trug, den anderen das Zeichen Trojas zierte.
"Viel Glück, Kommandeur Grokar. Mach uns keine Schande."
Verzweifelt versuchte Ankhman seine Stimme fest klingen zu lassen. Die ausgestreckte Hand ergreifend, zog er sein Gegenüber an sich heran, umarmte ihn fest und legte sein Gesicht auf die Schulter. Mühsam unterdrückte er ein Aufschluchzen und verstärkte den Druck der Umarmung, bis Grokar ächzte und ihm auf den Rücken klopfte.
"Hör auf mit dem Scheiß. Ich heiße Stefan und das weißt du genau. Ich habe nie viel von den Kommandantennamen gehalten. Und wenn hier niemand Schande bereiten soll, dann bin nicht ich das."
Bei diesen Worten blickte er die Gruppe an. Alle, denen es in der Schnelle möglich war, waren gekommen und doch fehlten einige. Ankhman, Urmurkel und Hofisoft, NackterGolfer und Bambi, Wueste, Morgana, Rob, Mellow, Grobian, Schnaerbo und ein wenig abseits stand Suse. Schmerzlich vermisste er Giver, Faker, GSachse, Hitman, Flexi und einige andere - leider nun nicht mehr zu ändern. Und mit unbeweglichem Gesicht ging er die Reihe seiner Freunde ab, gab jedem die Hand oder umarmte manche, dann drehte er sich ruckartig um und ging zu seinem Dragoon. Schnell kletterte er die Sprossen der Leiter hoch und stieg in die Pilotenkanzel. Nachdem er sich angeschnallt hatte, winkte er noch einmal aus der offenen Kanzel hinunter zu den wartenden Menschen und fuhr sich des Öfteren über die Augen, der Grund dafür war aber nicht ersichtlich. Dann schloss sich das Kanzeldach aus Glasit und der Droide drehte sich auf der Stelle.
"Viele unserer Freunde und Clankollegen leiden derzeit unter dem großen Druck, der auf ihnen liegt. Viele verschwinden über Nacht ohne eine Spur oder ziehen sich offiziell vom aktiven Dienst zurück. Verurteilt sie dafür nicht sondern helft ihnen, indem ihr ihnen nicht zürnt. Denn was wird ihnen mehr fehlen - ein Clan, der ihrer mit Stolz gedenkt, ihr Andenken würdigt und die Flaggen hocherhoben im Sturm des Krieges wehen lässt oder ein Clan, der Unverständnis zeigt und in Trauer schwach wird wie ein seiner Wurzeln beraubter Baum?.....
Ankhman zitierte fehlerfrei aus der Ansprache zur Eröffnung der Clankathedrale, was ihm nicht wenige fragende Blicke einbrachte.
"Was? Ich fand, das passte jetzt ausgezeichnet ... und doch bin ich traurig. Mein Herz ist stärker als mein Geist. Ich gestehe mir nur meine eigenen Gefühle ein."
There's no more heart to bruise
There's no greater power than the power of good-bye
Learn to say good-bye
I yearn to say good-bye .........
Machs gut, Stefan ... wir alle hoffen, dass du bald in alter Stärke wiederkommst. Vergiss uns nicht, wir behalten dich nämlich auch in guter Erinnerung und erwarten dich zurück.
Unruhig wanderte Ankhman in seinem Büro auf und ab, blieb dann stehen, schaute hinaus auf die langsam wieder ergrünende Landschaft und betrachtete die Aufforstungen, die er nach dem verheerenden Angriff der Aliens befohlen hatte. Sein Blick wanderte zurück zu dem Platz vor seinem Schreibtisch - theoretisch müsste da eine kreisförmige Bahn im Boden sichtbar sein. Seufzend ließ er sich in den großen Ledersessel sinken und wippte unruhig darin. Langsam sollten die Ergebnisse doch erhältlich sein.
"HORUS, bitte such nochmals im Clannetz nach den von mir angeforderten Abstimmungsergebnissen."
"Suche läuft, Sir. Bitte gedulden sie sich."
"Gut, dann mach bitte eine Notierung in meinem persönlichen Logbuch, Start jetzt."
"1182. Notierung, eingespeist im Raffercodeschlüssel des Basiskommandanten. Die vor dem Zugriff Unbefugter schützende Hochenergie-Explosivlöschung ist aktiviert. Ankhman, Ratsmitglied Ragnarök's und Mitarbeiter des imperialen Historienkorps. Notiert am 8. Juni 975 imperialer Zeitrechnung.
Bericht des Kommandanten. Es wird kundgetan: Heute ging endlich die Abstimmung über die Verhandlungen in die letzte Runde. Ich hoffe auf ein positives Ergebnis, sonst war die Arbeit der letzten Wochen umsonst. Ich wage es mir nicht einmal auszumalen, was ich bei einem negativen Ausgang empfinden werde, denn die investierte Energie war beträchtlich. Ich denke, einige konnte ich überzeugen, andere werden auf den alten Standpunkten beharren. Aber kommt Zeit, kommt eventuell auch Einsicht. Ich mag sie wirklich, auch wenn ihre Ansichten mit den uns'rigen in einigen Punkten recht konträr verlaufen. Aber sie haben einen Charme von grinsendem Wegelagerern, dem man sich nur schwer entziehen kann. Was nicht heißen soll, dass ich blauäugig in die eingeschlagene Richtung .."
"Sir, das Ergebnis liegt jetzt vor,"
Ankhman lehnte sich gespannt vor und schaute zur großen Instrumentenwand, wo er die Aufnahmegeräte der KI wusste.
"Gut, dann her damit! Spann mich nicht auf die Folter."
"Die Wahl endete soeben mit drei Stimmen dafür, einer dagegen und einer Enthaltung. Somit wurde der Antrag angenommen." Schnaufend ließ er sich zurückfallen und schloss die Augen, dann nahm er die Hände vor das Gesicht und fing an zu lachen. Dann wandte er sich an den Zimmerservo.
"Eine Flasche Monet zur Feier des Tages, mit einem Glas, eisgekühlt."
Fünf Minuten später erhielt er das gewünschte, öffnete die Flasche, goss sich ein und aktivierte die Komverbindungen. Mit gerunzelter Stirn ging er durch die Listen gespeicherter Kontakte, wählte einen und blickte Sekunden später in das fragende, unrasierte Gesicht eines verdammt müden Banano.
"Verdammt, Ankhi. Weißt du eigentlich, wie spät das ist? Auch ein Kommandant braucht ab und zu Schlaf, dazu hat er schließlich seine Untergebenen. Und jetzt komm mir nicht mit dem dämlichen Spruch von 'Wer schläft, verliert.' - ich sehe das an deinem Blick. Was ist es also, dass du mich zu der Zeit aus den Träumen reißt?"
Ankhman versuchte auf dem Hologramm an seinem Gesprächspartner vorbeizuschauen und sah blonde Haare zwischen den Kissen. "Endlich etwas erwischt? Du warst ja bis jetzt ein verdammt glückloser Jäger."
Breit grinsend ging er einem imaginär geschleuderten Kissen aus dem Weg, dass den Weg durch das Hologramm nicht fand und aus dem Aufnahmebereich verschwand.
"Du weckst mich doch wohl nicht, um mit mir über Beziehungstipps zu plauschen. Also was ist nun los?"
"Das Ergebnis liegt vor. Die Abstimmung verlief für uns positiv. Muss ich mehr sagen?"
Die Reaktion des Anderen zeigte ihm, dass das unnötig war. Zufrieden lehnte er sich zurück und beobachtete die ausbrechende Hektik in der anderen Basis. Vieles war nun vorzubereiten und zu organisieren. Während er seinem Gegenüber Zeit zum Ankleiden gab, wandte er sich noch mal an die Basis-KI.
"HORUS, bitte hänge an die letzte Notierung einen Teil der letzten Predigt aus der Kathedrale ... Zeitindex 102658 bis 102815." "Wird ausgeführt und bestätigt .... "
"Und so bedenkt, dass aus verbrannter Erde Neues entstehen kann. Dort, wo Zerstörung ihr Werk tat, kann Leben, Hoffnung und Zukunft gedeihen, wenn wir uns nur mühen, sie zu bewahren. Alte Widersacher können sich als Kämpen und Freunde erweisen und alte Freunde können zu Feinden werden. Nichts bleibt ewig, alles ist im Fluss und manchmal ist eine heilsame Selbstreinigung von Nöten, um Ballast hinter sich zu lassen. Erhebt euch bitte, und sprecht mit mir das Gebet.
Bei den Geistern der Gerechtigkeit und Macht - möge Euer eigen Licht erstrahlen, auf das Ihr den Weg stets finden werdet ohne zu stolpern. Die Himmlische Schar soll neben Euch streiten, um das Dunkel in den Herzen Eurer Gegner zu zerschlagen. Das allwissende Auge soll sehen, was anderen bisher verborgen blieb und brennen sollen die Sünder in der Flamme, um geläutert daraus hervorzugehen. Die Götter des Krieges und der Dunkelheit werden fallen zu unseren Füßen, nur um in unseren Reihen aufzuerstehen und unseren Schwertarm zu stärken.
Echodim."
