Schatten in den Untergrund (21.03.2004 - Kenji)

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Clanländer
Quadrant 0, Basis Golferland, Clan Ragnarök
28. April 975 Imperialer Zeitrechnung

Wind kam auf, peitschte schwere dunkle Regenwolken über den Himmel, verbarg den dünnen Mondrest ganz. „Wenigstens das klappt,“ flüstere Zar, als er sich im Schatten der Seitestraße verbarg. Hastig wechselte er das Magazin seiner Cobra Pistole und schlich weiter, aufmerksam lauschend. Seine Verfolger waren ihm dicht auf den Fersen, er durfte sich jetzt keinen Fehler erlauben. Schnelle Schritte polterten hinter ihm durch die Gasse, ein greller Lichtkegel nahm den Schutz der Dunkelheit, scheuchte Ratten auf und enttarnte ihn. Verdammt!

„HEY! STEHEN BLEIBEN!“ brüllten die Wachen. Zar fuhr herum, der schwarze Mantel wehte im Wind, hob seine Waffe und feuerte auf die anrennenden Wächter. Die Cobra bellte mehrmals schwer auf, Mündungsfeuer erhellte kurz seine grimmige Miene, leere Patronenhülsen tanzten durch die Luft. Die Wache mit dem Suchscheinwerfer schrie kurz entsetzt auf, wurde von der Wucht der Treffer nach hinten gerissen und landete auf dem Boden, schlitterte noch ein paar Meter. Er würde nie wieder aufstehen. Die Lampe schlug hinter ihm gegen eine Wand und zersplitterte. Seine beiden Begleiter rissen ihren Sturmgewehre hoch und feuerten zurück, auf den fliehenden Schatten. Zar rannte los, mehrere schnelle Haken schlagend. Hinter ihm trommelten Kugeln in den Asphalt, Querschläger pfiffen an ihm vorbei, Häuserputz platzte von der Fassade und rieselte an ihm vorbei. Hastig sprintete er um die Ecke, tiefer in das Labyrinth der Basis ... genau in die Arme einer Soldatin. Die unglückselige Frau blickte verblüfft zu dem ansprintenden schwarzen Schatten, wollte ihr Gewehr heben, als schon drei Schüssen fielen.

Zar beugt sich über die Tote, durchsuchte sie, schnell und gründlich. Wo ist dieser verdammte Sicherheitsausweis?

„Hände hoch.“ eine junge Stimme, etwas zitternd und aufgeregt: „Los, Waffe fallen lassen und Hände hoch!“ Zars Gedanken rasten, er dachte angestrengt nach, irgendwie musste er hier wieder lebend raus. Langsam beugte er sich leicht nach unten, legte die Cobra vorsichtig, nicht zu schnell auf den kalten Boden.

„Hände hoch, du Verräterschwein!“ knurrt die Stimme hinter ihm, jetzt sicherer, und drücke Zar wie zur Unterstreichung seiner Gefangenschaft den Lauf des Gewehrs ins Genick. Fehler, mein Junge.

Er hob langsam die Arme, während der Soldat gerade nach seinem Funkgeräte fischte, aber nicht, um sie gegen den Himmel zu strecken. „Sicherheitszentrale..“ Zar fuhr blitzschnell herum, schlug mit der Rechten den Lauf des Sturmgewehres weg und donnerte die Linke frontal in das Gesicht des jungen Mannes. Der Soldat taumelte kurz und brach dann bewusstlos zusammen. Zar packte ihn und schleifte ihn in einen ruhige Ecke: „Hmm, du hast sogar meine Größe.“
Er zupfte die Uniform des Soldaten gerade, betrachtete seine neuerworbene Uniform: „Passt wie angegossen,“ und machte sich auf den Weg. Das war die Pflicht, jetzt kommt die Kür.

Clanländer
Quadrant 0, in der Umgebung der Basis Golferland
30. April 975 Imperialer Zeitrechnung

Zar setzte sich schwer atmend auf den kühlen Stein, genoss den Schatten. Er hatte es geschafft. Auftrag erfühlt. Neben ihm stand eine langhaarige blonde Frau, attraktive Gesichtszüge, einfache leicht schmutzige Felduniform, verschmitztes Lächeln. „Du hast es geschafft. Steht dir gut die Ragnarök-Uniform..“ Zar grummelte leise: „Ich muss Lucien sprechen.“ Das Lächeln der Blondine verschwand: „Das geht nicht.“

„Ist er tot?“ Sie zuckte mit den Schultern: „Keine Ahnung...ich weiß nicht wo er ist.“ Zar blickte sie fragend an: „Und weiter?“ Die Blondine seufzte leise: „Das weiß niemand so genau...“ Ihre grüne Augen blickten ruhig zu Zar: „Die Sprungbasen sind weg, keiner von uns weiß, warum und wohin...“ Kurzes Schweigen folgte: „Xopherus und seine Leute sind ebenfalls verschwunden. Und die Schattenhand liegt in Trümmern.“ Zar blickte rüber zu den Droiden im provisorischen Hangar einer felsigen natürlichen Höhle. Gerade wurde bei einem Aspor mit einem Flaschenzug eine Panzerplatte ausgetauscht und angepasst. Er stand auf, schüttelte energisch den Kopf, stemmte die Arme in die Hüfte: „Ich versteh das nicht. Was ist passiert, während ich weg war?“

Die junge Frau fuhr sich durch die Haare, strich sich eine blonde Haarsträhne aus der Stirn, ging schnell zu einer achtlos abgestellten Kiste, aus der eine Mischung aus Werkzeugen, elektronischen Ersatzteilen und Datenspeichern lugte. Sie wühlte kurz geräuschvoll, ein triumphierendes Lächeln: „Schau es dir selbst an,“ und ein Datenabspielgerät segelt durch die Luft. Zar fing es mühelos auf, wischte mit der Hand grob dem Staub vom Display, drückte auf Play.

Zuerst erschien Bilderschnee, plötzlich wurde das Bild scharf, die rechte geöffnete Hand in Schwarz auf Roten Grund erschien und wurde schlagartig von einem markanten Gesicht ersetzt. Chade´s eiserne Miene erschien, in diffuses rotes Licht getaucht. Er blickte finster, grimmig in die Kamera. Im Hintergrund war eine in roter Notbeleuchtung getauchte Kommandozentrale zu sehen. Einige Arbeitsstationen flackerten bedenklich, Funken sprühten. Hektisches Treiben, fast chaotisch, Wortfetzen waren zu hören: „... Kurzschluss im Computerkern....“ „... unsere System brechen eines nach dem anderen zusammen...“ „... wie konnte das bloß passieren...“ Dann wurden diese Stimmen von Chade's tiefer, fast grollenden Stimme verdrängt:

„Diese Botschaft geht an jeden Clanleader, der sich der Schattenhand verpflichtet hat. Sobald diese Nachricht verbreitet wurde, wird das ShadowNet offline gehen.“ Er machte eine kurze Pause: „Seit heute, 19. April 975, um 9:57 haben wir den Kontakt zu allen Sprungbasen in den Clanländern verloren. Unser Führer Xopherus und seine engsten Berater sind mit den Sprungbasen verschwunden. Wir sind allein.“

Hinter ihm knallte es plötzlich und Funken flogen aus einer Konsole, Chade hob nur kurz die Augenbraue, sprach ungerührt weiter. „Vor etwa vier Stunden begannen ungeklärte Computerausfälle...“ Das Bild verschlechterte sich, der Ton zischte und knistere, Störungen überlagerten das Gesicht Chade´s: „...enbanken und Computersysteme werden systematisch zerstört. Ursache unbekannt...“ Erneut tanzten Schleier über das Bild, die markante Stimme ging im Rauschen unter. „...ommando – und Kommunikationsanlagen sind komplett zerstört. Effektiv ist die Schattenhand paralysiert.“ Er straffte die Schultern: „Hiermit befehle ich Ihnen, sich in den Untergrund zu begeben. Sichern Sie Ihre Computersysteme, bevor Sie auch angegriffen werden. Versuchen Sie zu überleben. Ich erwart...“ Plötzlich brach die Nachricht ab und der Bildschirm wurde schwarz.

Zar schwieg, blickte auf den leere Bildschirm, fragte leise: „Was nun?“

„Wir halten uns an unsere Befehle: überleben...irgendwie...“

Zar dachte kurz nach: „Die Schattenhand ist also tot?“

„Sieht so aus.“ Dann lächelte die junge Blondine wieder, aber dieses mal so gefährlich wie eine Löwin auf der Jagd.

„Todgesagte leben länger.“

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