Reinkarnation (Ungrimm)
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Die Jahre vergingen wie im Flug, die Jahreszeiten wechselten sich ab und die Spuren der Erinnerung wurden immer blasser. Ab und an gab es ein Aufflackern, eine kurze Erkenntnis wer er einst war aber wie Libellen flogen diese Gedanken hin und her um dann plötzlich wieder zu verschwinden. Seine trüben Augen wanderten über die triste Umgebung, das Grau in Grau der Stahlbetonkonstrukte, die hohe graubraune Decke, die spartanischen Quartiere, die Kantine, die Gleisanlagen.
Es war das Zeit für den Mittagsappell und wie schon seit Monaten trat er zusammen mit den Arbeitern dieser Kolonie auf dem Zentralplatz an. Das Banner wurde gehisst, die Hymne gesungen und jeder von ihnen bekam eine neue Halbtagesdosis Thiopental. Ohne diesen Wunderstoff, so wurde ihnen schon seit Monaten eingetrichtert, würde die herrschende Strahlung ihre Körper in nur wenigen Tagen innerlich zersetzen. Wie Lämmer schluckten die rund 150 anwesenden Männer, Frauen, Mutanten und auch das eine oder andere Kind ihre Pillen. Die kurz darauf einsetzende Entspannung und auch das Glücksgefühl waren für sie angenehme Nebenwirkungen.
Ein weiteres Mal wurde die Hymne gesungen, dann begaben sich die Anwesenden wieder an ihre Arbeitsgeräte, an Konsolen, an Schürfroboter oder in die weiter entfernten Gänge. Auch Ungrimm ging mit seiner Kolonne in tiefere Regionen denn schien er eine intuitive Ahnung zu haben, wo welche Erzvorkommen zu finden sind. Erklären konnte es niemand und auch wenn er sich die letzten Monate oft für seine Größe schämte, zollten ihm seine Vorarbeiter und auch die Protektoren, die überall in den unterschiedlichen Anlagen zu ihrem Schutz aufgestellt wurden Respekt.
Beobachtungsraum2 - eingelassen in einen Spalt unter der halbkünstlichen Höhlendecke:
Zufrieden beobachtete Lord Protektor Tharius seine Anlage. "Lord Protektor!", dachte er und lachte leise "Wer immer auch auf diesen Namen kam, er hatte Sinn für Humor." Ein Pad wurde ihm gereicht und er überprüfte die Namen seiner ... nunja.. "Mitarbeiter" und der Neuankömmlinge. Die meißten waren Offiziere oder Nachrichtendienstangestellte des Imperiums, die entführt oder gefangen genommen waren, weil sie lebend und in ihren Händen unschätzebar wertvoll waren. Das mühsame Schürfen und die regelmäßige Arbeit waren nur Mittel zum Zweck, zusammen mit der dreimal täglichen verabreichten Droge und einer mittleren Gehirnwäsche zu Beginn ihres "Aufenthalts" hielt er sämtliche Gefangengen unter Kontrolle und in dem Glauben, daß sie nur hier sicher und behütet sind, während die äußere Welt zusammengebrochen ist. Manchmal wunderte er sich, wie einfach es war, viele schienen keinen Widerstand zu leisten, fast so als seien ihre Sörgen und Nöte im "echten" Leben um ein vielfaches schwieriger als die harte Arbeit hier in dieser Anlage.
Sicher, es gab Ausnahmen.... er zog sich ein Terminal an seinen Platz und schaltete durch die verschiedenen Überwachungskameras: "Ah, da bist Du ja...". Die Kamera verharrte und zoomte auf die kleine bärtige Gestalt. Er verglich diese Kameraaufzeichnung mit den Scans, die vor 2 Jahren gemacht wurden. Dünn war er geworden, die einst breiten Schultern eingefallen, der Rücken schon leicht gekrümmt. Es war nicht einfach mit ihm gewesen, sie mußten die Dosis dreimal erhöhen, damit die Erinnerungen nicht immer wieder zurückkehrten aber es schien geschafft. Die trüben Augen, der halboffene Mund... sowas konnte man nicht spielen. Und was sie alles von ihm erfahren hatten! Einst ein gefeierter Held des "Imperiums" -er spie auf den Boden- jetzt ein Arbeiter unter vielen. Die Kamera zoomte zurück und er betrachtete die anderen Gesichter, viele, wirklich viele von ihnen hatten einst einen großen Namen in den Clanländern, einen großen Namen beim Imperium oder sogar einen großen Namen bei der SchattenHand. Doch große Namen schützen nicht vor allem und so landeten sie hier. Hier, wo sie bleiben würden, bis starben, all ihrer Erinnerungen beraubt, all ihrer Reichtümer, ihres Glanzes, ihrer Taten. Er grinste gehässig und suchte sich den Kandiaten für die heutige Befragung aus. Für "die" war es nur eine medizinische Untersuchung, für ihn bedeutete jede Information weitere Macht. Sicher, die Skasim waren auch eine Bedrohung... aber die Skasim waren nur der Anfang. "Machen sie den Verhörraum fertig, wir-"
Ein Ball aus schwarzem Licht und Stille implodierte in der gewaltigen Halle. Die Kameras fielen auf einen Schlag aus, die Protektoren krümmten sich in ihren Kampfanzügen, als die Servomotoren ihren Geist aufgaben und das schwere Gewicht sie nach unten drückte. Durch die absolute Dunkelheit sah Tharius - nichts. Er versuchte zu schreien, aber die Stille, die wie ein Mantel auf allem lag verschluckte seine Worte. Er taumelte auf und sah durch einen Licht Einfall ca 300m neben ihm, wie Teile der Decke weggesprengt wurden, wiederum alles in absoluter Stille. Die elektronischen Türen ließen sich nicht öffnen, er war gefangen und mußte ohnmächtig beobachten, wie verschiendenste Personen in ein schwebendes Shuttel oberhalb dieser Öffung gezogen wurden.
Eine Stunde später erwachte Ungrimm in einer ihm unbekannten Umgebung. "Sir, sind sie in Ordnung? SIR?" Er sah in ein irgendwie bekanntes Gesicht und fiel erneut in Ohnmacht. "Captain, die Entgiftung kann ihn umbringen", bemerkte der Sanitätsoffizier, der das Shuttle begleitete. "Lieber tot als so ein Leben", murmelte der Captain udn betrachtete den dürren Zwerg. "Sir, wer war das? Was war das für eine Einrichtung? Und wieviele konnten wir noch retten?"
"Ich weiß es nicht, aber glauben sie mir: Das wird nicht lange so bleiben"
Das Shuttle gab Vollgas und flog Richtung Khazad-Dûm.....
