Hinter den Spiegeln (14.11.2003 - Silverion)

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Mit einem ohrenbetäubenden Knall explodierte eine Granate direkt inmitten seines Zuges. Ein heller Lichtblitz schnitt durch die Nacht und für einen kurzen Moment konnte er die entsetzten Gesichter seiner Kameraden sehen. Dann wurde es dunkel. Lean wurde durch die Druckwelle von den Beinen geholt und quer durch den ganzen Raum geschleudert. Der Aufprall raubte ihm die Luft. Mit schmerzverzerrtem Gesicht versuchte er sich aufzurappeln und Blut lief seine Wange hinunter. Er wagte nicht, seinen Helm abzunehmen. Die Uniform des imperialen Geheimdienstes hing ihm in Fetzen am ganzen Körper herunter. Sein Sturmgewehr konnte er nicht finden. Er konnte kaum etwas hören. Dann sah er die Überreste seines Trupps. Fassungslos starrte auf das, was von seinen Kameraden noch übrig geblieben war. Doch er hatte keine Zeit zum Trauern. Von links näherten sich Angreifer mit Düsenrucksäcken durch die Fenster und eröffneten das Feuer. Völlig lethargisch drehte er den Kopf und sah, wie zwei der Angreifer von einem hohen Offizier beschossen wurden und als brennende Feuerbälle durch die Nacht davon flogen. Doch immer weitere Schatten näherten sich durch die Dunkelheit dem Gebäude. Immer noch stand er regungslos im Raum. Fünf der fliegenden Gestalten kamen von Westen her durch einen Nachbarraum, landeten und rannten direkt auf ihn zu. Überall war Rauch. Der erste der fünf Angreifer hob seine Lasgun. Lean hatte keine Chance, sich zu wehren. Sein Kopf war leer. Teilnahmslos starrte er auf die Mündung der Waffe, die in diesem Moment zu glühen begann.

Doch noch ehe der Schütze seine tödlichen Strahlen auf die Reise schicken konnte, sah Lean wie mehrere Projektile in dessen Brustkorb einschlugen. Er wurde nach hinten geschleudert und blieb regungslos liegen. Lean drehte den Kopf. Aus dem Nebel heraus näherte sich eine Gestalt. Sie trug eine Sonnenbrille. Der Mann verzog keine Miene und hatte in beiden Händen altmodische Projektilwaffen auf die Angreifer gerichtet. Die Angreifer sprangen zu beiden Seiten der Tür in Deckung. Ohne zu zögern eröffnete Selaris erneut das Feuer. Die Geschosse schlugen an beiden Seiten durch die Wände. Während er beide Magazine wie beiläufig in die Wände jagte, ging er auf Lean zu. "Es wird Zeit zu gehen, Corporal" sagte der Mann mit einem Lächeln und lud beide Waffen nach. "Können Sie gehen?" fragte der Geheimdienstchef.
"Jawohl, Sir" sagte Lean und salutierte linkisch. "Dann sollten wir keine Zeit verlieren" sagte Selaris und ging auf den Nebenraum und die in Deckung liegenden Angreifer zu. Lean folgte ihm. An der Tür beugte sich Sealris zur Seite und hob eine der schweren Lasguns auf, die neben der Tür am Boden lag. "Hier, damit ihr Euch nützlich machen könnt" sprach der Mann und ging weiter. Hinter der Wand, zu beiden Seiten der Tür lagen die Leichen der vier Angreifer, die sich hinter den Mauern in Deckung gebracht hatten. Selaris hatte sie alle präzise in den Brustkorb getroffen. Fassungslos schüttelte Lean den Kopf und ging Selaris hinter her. Dann gab es eine gewaltige Explosion. Eine Rakete war in dem Gebäude eingeschlagen, direkt über Ihnen. Mit einem lauten Krachen brach die Decke ein und stürzte Ihnen entgegen. Wieder wurde es dunkel.

Als Lean wieder wach wurde, war er umgeben von Trümmern. Er hatte keine Ahnung, wie lange er hier schon gelegen hatte. Er schaute sich um. Die Kämpfe um das Haus schienen sich nach draußen verlagert zu haben. Neben ihm lag eine dunkle Gestallt. Er griff nach dem Mann und drehte ihn um. Es war Selaris. Er hatte eine schwere Wunde am Kopf und sah ganz blass aus. Seltsam, Selaris Sonnenbrille hatte keinen Kratzer abbekommen. Er versuchte gerade, den Geheimdienstchef aus den Trümmern zu ziehen. als neben ihm vier Gestalten aus dem Nichts auftauchten. "Ich hasse es, wenn sie das machen" dachte er, als er sich von dem ersten Schreck erholt hatte. Es waren Agenten des Geheimdienstes. Ohne ein Wort halfen sie Lean Selaris aus den Trümmern zu befreien und nahmen sie in Ihre Mitte. Der Anführer zeigte auf die große Treppe, die nach unten führte.

Im Haus stießen sie auf keine Gegenwehr, doch draußen wurde noch heftig gekämpft. Die meisten Imperialisten hatten sich zurückgezogen und alle funktionstüchtigen Droiden waren verschwunden, der Rest waren nur noch rauchende Trümmer. Doch ein kleines Häufchen von Geheimdiensttruppen hatte sich in einem Haus gegenüber verschanzt und wurde von allen Seiten unter Beschuss genommen. Die Agenten überquerten den Platz, Lean mit Selaris im Arm in Ihrer Mitte. Sie hatten sich in einer quadratischen Formation um sie herum aufgebaut und gingen in gleichbleibender Geschwindigkeit nach Norden. "Was ist mit unseren Leuten?" fragte Lean. "Wir können nichts für sie tun" sagte der Anführer und machte eine seltsame Geste. "Sie sterben den Tod des Kriegers. Wir werden sie ehren!" Immer wieder tauchten Angreifer aus den dunklen Häuserschluchten auf und eröffneten das Feuer. Doch die Laserstrahlen zerpufften wie durch Geisterhand kurz vor dem Einschlag. "Der Block steht, habt keine Angst" sagte einer der Agenten und erwiderte das Feuer. Sie gingen weiter und riefen sich jetzt immer wieder Kommandos zu. Lean konnte kein Wort verstehen. Immer wieder, wenn eine Seite zu stark beschossen wurde, schienen sie ihre Formation zu verändern. Als eine Rakete in den hinteren Bereich der Formation einschlug, ging eine der Figuren wortlos zu Boden und verschwand. Die anderen formierten sich neu und gingen weiter. "Block wird schwächer" sagte einer. "Wir sind bald da!" Sie gingen auf ein Haus zu, dessen Türen aus Panzerstahl gemacht zu sein schienen. Die Agenten lösten die Formation auf. Zwei von Ihnen verschwanden und tauchten direkt hinter Ihren Verfolgern auf. Noch bevor diese wussten, was Ihnen geschah, lag die Hälfte von Ihnen am Boden. Doch die anderen kämpften verbissen. Der Anführer legte seine Hand in einen Ring auf der Tür, die sich darauf automatisch öffnete.
"Nach Ihnen, Corporal" sagte der Mann und zeigte auf eine dunkle Treppe, die nach unten führte. Lean ging ein paar Schritte die Treppe runter, dann hatte er ein seltsames Gefühl. "Irgend etwas stimmt hier nicht" dachte er, dann wurde es wieder dunkel um ihn. "Das wird ja langsam zur Gewohnheit...", waren seine letzten Gedanken, während er zu Boden sackte.

Als er diesmal erwachte, lag er in einem Kellerraum auf einer Pritsche. Sein Kopf brummte. Aus dem Nachbarraum hörte er Stimmen. Er erhob sich und ging, während er sich den Kopf rieb, den Geräuschen nach. Ganz vorsichtig schielte er um die Ecke. Im Nebenraum standen mehrere Personen. Einer unter Ihnen trug einen andersartigen Mantel. Der Nos-Verrain war in eine heftige Diskussion mit den Männern vor Ihm verstrickt. Selaris trug einen modernen Pressverband auf seiner Wunde, ansonsten sah er aus wie immer.
"Seine Spur haben wir vor einigen Stunden verloren. Es kann sein, dass er in die Clangebiete ausgewichen ist" sagte einer der Agenten.
"Wie ihr wisst, operieren wir nicht in den Clangebieten."
"Ihr müsst ihm helfen! Ich kann Euch nicht befehlen, darum bitte ich Euch!" beharrte Selaris.
"Einige schwere, gegnerische Kampfkontingente sind zu den Clangrenzen aufgebrochen. Die nördlichen Grenzgebiete sind fest in der Hand der Schatten" sagte ein anderer Agent.
"Wir können nichts für ihn tun" erwiderte der Nos-Verrain.
"Perigain ist des Imperators bester Mann. Und mein Freund, ihr werdet ihm helfen!" sagte Selaris.
"Wir wissen nicht einmal, wo er sich genau befindet. Die Stealthdroiden sind schwer aufspürbar" erwiderte der Unbekannte.
Die Diskussion wurde immer hitziger. Selaris forderte unter jeden Umständen die Unterstützung der Gai-Sin.
"Ich habe Informationen über Eure Kontakte in die Clangebiete..."sagte der Mann plötzlich und rückte seine Sonnenbrille zurecht.
Der Blick des Nos-Verrain schien unbeirrbar auf Selaris gerichtet zu sein.
"Was wisst ihr?" fragte die Gestallt mit einer tiefen, sonoren Stimme.
"Ich weiß von den Hütern der Wahrheit!" sagte Selaris.
Kurze Zeit war es still in dem Raum.
"Wir haben Euch unterschätzt" sagte die Gestallt und kam näher.
"Wenn ihr Eure Kontakte spielen lasst, dann werde ich vergessen, was ich weiß und dieses Thema ruhen lassen!", antwortete Selaris.
"Findet Perigain und bringt ihn sicher nach Hause!"
Die Gestallt trat direkt vor Selaris. "Ihr spielt mit dem Feuer. Ich hoffe, ihr seid Euch dessen bewusst!"
"Natürlich. Haben wir einen Deal?" fragte Selaris mit Nachdruck.
"So sei es"

Lean schlich sich schnell und lautlos wieder zu seiner Pritsche. Er hatte nicht genau verstanden, worum es hier ging, doch er wusste, dass er nichts von alle dem hätte hören dürfen...

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