Gaines I - Ende und Anfang (26.10.2003 - Silverion)

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Die Nacht war klar und ruhig, nur ein leichter Wind strich durch die Zelte, in denen seine Männer schliefen. Mayor Gaines machte seinen Rundgang durch das Lager, zum dritten Mal. Nicht, dass es einen Grund gegeben hätte, seine Männer gehörten zur Elite der ersten Armee, und die schweren Kampfdroiden waren schon vor Stunden gewartet, repariert und neu ausgerüstet worden. Es war die Unruhe, die ihn nicht schlafen lies. Seit gut einer Woche hielt er mit der dritten Division das Hochplateau, seit gut 4 Tagen hatte er nicht mehr richtig geschlafen. Er schaute auf seine Hand, die leicht zu zittern anfing. So begann es immer - die Stimpacks liessen nach. Reflexartig griff er in die Tasche an seinem Gürtel, und zog einen der Laserpins raus, die die grüne Flüssigkeit enthielten, die ihn am Leben hielt. Völlig automatisch schob er den Ärmel seiner Kampfrüstung hoch und stach sich den Laserpin in den Unterarm. Ein kurzer Schmerz durchzuckte seinen Körper. Seine Lippen zogen sich krampfartig zusammen, während das Serum durch seine Blutbahn floss. Dann wurde er wieder ruhig. Ein Stöhnen entfuhrt seiner Kehle. Seine Muskel entspannten sich. Seine blutunterlaufenen Augen richteten sich auf den dunklen Schatten, der vor ihm stand. Die schweren Plasmawerfer des Sordron hoben sich dunkel vor dem blutroten Horizont ab. Es dämmerte. Im fahlen Licht des Morgens sah er die klobigen Raumer kommen...

"Mayor Gaines?" tönte es in seinem Kopfhörer.
"Ja, Perez, ich seh sie..." antwortete er und öffnete einen anderen Kanal.
"Hier spricht der Staffelkommander. Alarm, alle Piloten zu ihren Maschinen. Skasimraumer im Anflug, direkt aus der Sonne... der Tanz geht weiter..." Wie oft hatte er diese Worte schon gesprochen? Für einen Moment wirkte das ganze wie ein Traum, ein Alptraum, der sich ständig wiederholte. Er braucht nur auszuwachen, und das Morden hätte ein Ende, er musste nur die Augen öffnen, nur ...doch er wachte nicht auf.
Es kam Bewegung in das Lager. Die Piloten rannten zu ihren Maschinen und liessen die Motoren aufheulen. Das ohrenbetäubende Stampfen der Stahlkolosse lies die Erde erbeben. Mit einem lauten Sirren wärmten die Piloten die Gausskanonen vor. Kurz dachte er an seine Familie, die im Adriabecken im Süden wohnte. Irgend etwas in ihm hatte die Hoffnung aufgegeben, sie jemals wieder zu sehen.

Gaines ging zu seinem Kommandodroiden. Ally, wie er sein Baby liebevoll nannte, war schon voll beleuchtet und Techniker führten die letzten Checks durch. Mit einem lauten Dröhnen flogen die ersten Jägerstaffeln über seinen Kopf hinweg und schossen den Skasim entgegen. Sie würden sie nicht stoppen können, doch ein wenig aufhalten konnten sie sie schon. Zumindest so lange, bis die Division in Stellung gegangen war. Er stieg ein und schloss das Cockpit. Sein Blick blieb auf dem leeren Sitz neben ihm hängen. Das Blut war noch immer auf dem Stoff zu sehen. Vor drei Tagen hatte es seinen Copiloten und Freund Brunner erwischt. Eine der verdammten Splitterdrohnen der Skasim hatte die Kanzel durchbrochen und Brunner vor seinen Augen zerlegt. Er würde den Anblick nie vergessen.
"Startklar, Mayor?" fragte Perez in seinem Micro.
"Ja! Die Staffel soll sich bei Koordinate 22/13 sammeln."

30 Minuten später stand er an der Spitze seiner Staffel an der verabredeten Stelle. Die Skasim hatten einen Bogen gemacht und griffen von Süden her die Hügelkette an, an deren nördlichem Ausläufer sie standen. Die Blitze und Leuchtspurmunition der Staffeln im Süden malten seltsame Muster in den Himmel. Es sah nicht gut aus. Aber wann sah es schon gut aus. Die Skasim wollten es heute wissen. Die schweren Raumer hatten ihre tödliche Fracht abgeworfen. Hunderte von Rhacal stampften der Division von Süden her entgegen. Woher hatten die verdammten Aliens nur diese Droiden? Darauf hatten sie immer noch keine Antwort...

Plötzlich, ohne jeder Ankündigung, eröffneten seine Leute das Feuer.
"Was zum Teuffel ist da los?" brüllte Gaines in sein Micro. "Worauf zum Henker schiesst ihr? Feuer einstellen!"
"Mayor...im Norden..." tönte es vielstimmig aus dem Lautsprechern.
Er riss seinen Droiden herum und blickte nach Norden. Aus der Dämmerung kamen sie, in kleinen Trupps. Es waren Rhacale - Dutzende Kampfverbände. Gut getarnt in den Hügelketten hatten sie sich unter dem Radar hindurch geschlichen. Von überall her eröffneten sie das Feuer. Die Luft brannte, in Sekunden war die Hälfte seiner Staffel nur noch dampfende Trümmer. Die heranstürmenden Droiden durchbohrten sie mit gleissenden Laserblitzen. Die Hügel schmolzen und zerflossen zu bizzaren Formen. Es war ihr Ende. Als die Geschosse in seinen Droiden einschlugen, verlor er das Bewusstsein. Nicht einmal Zeit für ein Abschiedsgebet blieb ihm, nicht einmal eine letzte Nachricht...es wurde dunkel um ihn.

Als er die Augen wieder öffnete, lag er begraben unter einem Berg aus geschmolzenem Stahl, der einmal sein Kommandodroide war. Er sah an sich herunter, sein Bein war unterhalb des Knies abtrennt. Doch die Hitze hatte die Wunde ausgebrannt. Er hatte einige Brüche, und ein Auge schien ihm den Dienst zu versagen. Er tastete mit der Hand danach, doch er fand nur eine leere Höhle und brüllte auf. Mit seiner letzten Kraft befreite er sich und kroch aus den Trümmern. Um ihn herum waren nur glühende Ruinen. Seine Staffel war Geschichte. Er war der letzte Überlebende, nur seine Drogen hielten ihn am Leben. Als er eine Bewegung hinter sich hörte, fuhr er herum und griff nach seiner Waffe. Erst dann bemerkte er, dass er gar keine Waffe mehr besaß.

Vor ihm stand eine seltsame Gestalt. Sie war grösser als er, und wirkte irgendwie unscharf. Ein diffuser Nebel schien sie zu umgeben. Der Kopf war nicht zu erkennen, nur eine fahle, schemenhafte, nicht-menschliche Silhouette. Das Wesen hielt eine Art Waffe auf ihn gerichtet. Ein SKasim, fuhrt es ihm durch den Kopf. Er hatte noch nie einen der Aliens zu Gesicht bekommen. Aus unerfindlichen Gründen liessen sich keine Leichenteile in den Trümmern der zerstörten Aliendroiden finden. Er hatte zwar schon Skizzen gesehen, allerdings wirkte dieses Wesen anders. Vielleicht war es eine besonders widerwärtige Abart der Viecher. Auf jeden Fall war er am Arsch...
Als er die Aussichtslosigkeit seiner Situation erkannte, fing er an zu lachen. Laut lachend hob er die Arme, während er auf Knien vor dem Wesen kauerte. Dann warf er sich plötzlich nach vorne und versuchte, dem Wesen die Waffe mit einem Trümmerstück, welches er oben aus den Überresten seiner Maschine gezogen hatte, aus der Hand zu schlagen. Seine künstlichen Reflexe waren immer noch beeindruckend. Doch das Wesen machten einen schnellen Schritt nach hinten, und starrte ihn weiter an, so als ob nichts gewesen wäre.
Dann liess es die Waffe sinken und warf ihm etwas zu. Er starrte auf den dunklen Gegenstand vor ihm im Sand. Er griff danach. Als er es vom Sand befreit hatte, erkannte er die Zeichen, die auf dem Stück Titan eingraviert waren. Das Stück wirkte alt, wie von einem Raumschiffwrack...Es waren die Zeichen Sundukars.

"Wir ...müssen...reden...Mensch" sagte das Wesen...

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