Die Invasion beginnt ... (29.11.2003 - Silverion)

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Ein kleiner Vogel landete auf der silbernen Verschalung des schweren Plasmawerfers und stimmte sein Morgenlied an. Im Gegensatz zu der geballten Macht des pure Zerstörung spuckenden Abwehrturmes wirkte der Vogel, silber und blau, unendlich zerbrechlich und irgendwie entrückt. Die Sonne erhob sich langsam aus dem Dunst des Frühtaus. Es war ein friedlicher Moment. Die Hektik der vergangenen Tage schien in diesem Augenblick vergessen, der Lärm der Motoren war verstummt. Es war die viel zitierte Ruhe vor dem Sturm.

Der Imperator stand auf der Brüstung der 20 Meter hohen titanbeschlagenen inneren Mauer und schaute über das Panorama der Hauptstadt. Außerhalb der äußeren Ringe konnte man die silbernen Rücken der neu geformten 6ten Legion sehen. Die Silverbacks, wie die Aspor liebevoll von ihren Piloten genannt wurden, erstreckten sich in dichten Reihen über die vorderen Hügel. Rund fünftausend der Titanen bildeten die erste Verteidigungslinie, dahinter, innerhalb des ersten Ringes, hatte das Imperium alle Streitkräfte zusammen gezogen, die zur Verfügung standen. Die vier Häuser und die grossen Clans waren am Ende all Ihren Verpflichtungen dem Imperator gegenüber nachgekommen und hatten schwere Kampfkontigente gestellt, die neben den Armeen des Imperiums in den unterschiedlichen Farben der Häuser glänzten. Es waren Tausende von Solarons, die jedoch neben den hell-blauen Sordrons der imperialen Garde wie Halbwüchsige wirkten. Auf den Mauern waren in aller Eile in den letzten Wochen die neuen Türme installiert worden. Schwere Plasmawerfer und Gazertürme hockten Dämonen gleich auf den Vorsprüngen, begierig, ihre tödliche Antwort den Angreiferen entgegen zu schleudern. Es war ein erhebender Anblick. Alle Männer waren auf ihren Posten, doch noch war es ruhig. Das Imperium erwartete den Angriff.

Nachdem die Skasim die Brückenköpfe nicht erobern konnten und den verbissenen Verteidigern, trotz immenser Verluste auf beiden Seiten, keinen Meter Land hatten abtrotzen können, ging die Flotte der Skasim jetzt zum Großangriff über. Der imperiale Nachrichtendienst hatte massive Bewegungen in Richtung Hauptstadt entdecken können. Heute würde sich die Zukunft des Imperiums entscheiden.

Am Himmel konnte man die dunklen Wolken der anfliegenden Alienraumer schon unscharf erkennen. Bald würde es soweit sein. Sollen sie kommen, wir sind bereit, dachte der Imperator und gab das Kommando zum Starten der Motoren. Das friedliche Panorama wurde erschüttert durch den Lärm tausender anspringender Maschinen. Überall erhoben sich die Droiden und richteten ihre Waffen gen Himmel. Der Imperator öffnete einen Kom-Kanal in seinem Armpad und sprach zu den Männern

„Heute entscheidet ihr die Zukunft des Imperiums. Ihr seid das Bollwerk, die unüberwindliche Barriere, an der die Skasim zerschellen werden. Jeder einzelne von Euch steht heute hier, im Namen seiner Familie, im Namen seines Clans oder im Namen der hohen Häuser, und ihr alle steht hier im Namen aller Menschen, die lieber sterben als sich ins Joch der Sklaverei zu ergeben. Ihr seid Helden. Alle, die sich heute in diese tödliche Schlacht stürzen, sind Helden. Ich verneige mich vor Euch.“ Der Imperator neigte den Kopf. Die Geste wurde direkt in die Holopads der Piloten übertragen.
„Ihr seid das letzte Aufgebot, die Elite dieses Planeten. Zeigt Ihnen, was es heißt, das Imperium herauszufordern. Wir weichen keinen Schritt weiter zurück. Wir werden nicht aufgeben, bis der letzte von uns gefallen ist. Wir werden kämpfen und sterben, doch am Ende werden wir die Bastarde zurück in die Löcher treiben, aus denen sie gekrochen sind!“

Mit diesen Worten jubelten die Männer in den Kanzeln ihrer Droiden und das gleissende Feuer der Salutsalven ließ den Himmel erglühen.

Als Perigain die Augen aufschlug, konnte er zunächst nichts erkennen. Er hörte das leise Surren elektrischer Geräte, doch nur langsam gewöhnten sich seine Augen wieder an das Licht. Wo war er? Zuletzt hatte er das Gesicht des seltsamen Mannes vor Augen gehabt, der ihn vor dem drohenden Tod bewahrt hatte. Er richtete sich auf und sah sich um. Er war in einem luxeriösem Zimmer, umringt von medizinischen Geräten und Medibots, die aufgrund seiner schneller Bewegung in heillose Unruhe gerieten und spinnengleich auf ihn zu krabbelten. Doch auf einmal stoppten sie und gingen in Parkposition. Eine ruhige Hand legte sich auf seine Schulter.
„Gebt eurem geschundenen Körper noch ein paar Minuten, sich an den Wachzustand zu gewöhnen.“ sagte Selaris, dessen ernstes Gesicht am linken Rand des Blickfeldes des Obersts aufgetaucht war.
„Selaris? Wo zur Hölle bin ich hier?“ fragte der Oberst aufgebracht.
„In Sicherheit. Die Männer, die Euch befreit haben, nennen sich Nos-Verrain, die Hüter der Wahrheit. Sie haben Euch hierher gebracht, direkt in den Palast des Imperators!“
„Nos-Verrain, habe ich noch nie gehört. Wer soll das sein? Noch so eine Sekte?“
„Das wissen wir nicht, nur, dass sie sehr gefährlich und uns nicht feindlich gesonnen sind. Allerdings habe ich auch Berichte gehört, dass sie mit der Schattenhand zusammen arbeiten. Sehr verwirrend. Niemand weiß genaueres über diesen Orden. Aber keine Sorge, ich arbeite daran...“
„Auf jeden Fall schulde ich diesen Männern mein Leben ... Sie hätten das sehen sollen. Die möchte ich nicht als Feinde haben ...Doch wenn die Typen mit der Schattenhand zusammen arbeiten, warum haben sie mich dann gerettet?“
Selaris lächelte und zuckte mit den Schultern.
„Ihr habt doch da wieder die Finger im Spiel, oder?“ unterstellte Perigain und versuchte, hinter die Fassade des Geheimdienstlers zu schauen. „Können sie nicht einmal diese Brille absetzen?“
Selaris lächelte wieder und schüttelte freundlich den Kopf.
„Nein, jetzt nicht, aber seid versichert, eines Tages werde ich Euch diesen Gefallen tun.“
„Wo ist Mayor Bergen?“
„Ebenfalls in Sicherheit, er liegt aber noch im Koma.“
„Wie sind Sie aus dem Chaos entkommen?“
„Mit viel Glück und der Hilfe eines wahrhaftigen Helden.“ Selaris hielt einen Moment inne und schien in Gedanken. „Doch jetzt haben wir dringenderes zu tun. Die Invasion steht kurz bevor.“
Perigain erhob sich und versuchte aufzustehen.
„Dann wird es wohl Zeit, meine müden Knochen an die Front zu schleppen, oder?“
„Das Imperium braucht Euch mehr denn je, fürchte ich.“ Selaris fummelte in einer seiner Taschen und förderte zwei kleine silberne Gegenstände zu Tage.
„Das hier werden sie brauchen...“ Mit diesen Worten übergab Selaris dem verblüfften Oberst die beiden Abzeichen. Fünf silberne Sterne leuchten ihm entgegen.
„Der Imperator hat Euch zum General befördert. Er bat mich, sich bei Euch für Euren Einsatz zu bedanken und entschuldigt sich für die unförmliche Prozedur, doch es ist heute keine Zeit für Feierlichkeiten, diese Schlacht beginnt in diesem Moment..:“

Perigain saß neben Selaris, der seinen angeschlagenen Sordron, der eine einzigartige Spezialanfertigung aus der Fabrik des Hauses Dragov darstellte, in eine mobile Versorgunsstation hinein lenkte. Sie führten die rechte Flanke der 2ten Armee an, die die Ostseite am Fluss Danreg zu decken hatte. Die Schlacht tobte jetzt seit 3 Tagen. Ihre Einheit hatte sich hinter einen Hügel zurückgezogen, wo sie einen vorgeschobenen Versorgungsposten errichtet hatten. Die Techniker und das Servicepersonal liefen emsig wie die Ameisen zwischen den riesigen Stahlgiganten hin und her und bedienten die kapitalen Versorgungsmaschienen. Perigain blickte auf die Stadt, die sich weit hinter ihm am Horizont erstreckte. Überall waren Brände zu erkennen, die Mauern waren an vielen Stellen eingerissen, doch noch hielt der äußere Ring. Überall wurde verbissen gekämpft. Der Himmel war angefüllt mit kleinen und großen Raumschiffen, die sich Raubvögeln gleich ineinander verbissen hatten. Die Trümmer der zerborstenen Raumer und Jäger gingen wie schwarzer Regen auf die Bodentruppen nieder. Es war ein Bild der Zerstörung und des Untergangs. Die Aliens hatten über Angriffe aus der Luft, gepaart mit einer Bodenoffensive, versucht, die äusseren Ringe zu durchbrechen.

Auf Seiten des Imperium waren massive Verluste zu beklagen, rund die Hälfte aller Streitkräfte war zerstört oder ausgefallen. Die Männer waren bis an die Grenzen des Möglichen gegangen. Die meisten hatten seit 70 Stunden nicht mehr geschlafen. Doch die Wirkung der Stimpacks liess immer schneller nach. Sie waren am Ende. Doch seltsamerweise schien es, als ob sich die Skasim langsam zurück zogen. Es kam nicht mehr zu so schweren Gefechten wie zu Beginn. Die Rhacal schienen sich immer wieder schnell zurück zu ziehen, als wollten sie eine Entscheidungsschlacht vermeiden.

Plötzlich piepte die Kom-Leitung, eine Nachricht des Oberkommandos.
„General? Sind sie auf Empfang?“ fragte der Nachrichtenoffizier.
„Ja, wir leben noch. Aber unser Arsch fühlt sich an wie ein Grillwürstchen, mein Kopf ist ein Krater, die Stimpacks verlieren ihre Wirkung und die Hälfte meiner Männer liegt Tod hinter den Hügeln. Ich kann nur hoffen, dass sie gute Nachrichten haben.“
„Ja, ich habe eine gute und eine schlechte Nachircht, zuerst die gute: Die Aliens ziehen sich zurück.“
„Waaaass? Haben die Bastarde die Hosen voll? Die sind doch immer noch in der Übermacht, wieso zur Hölle ziehen sie sich zurück?“
„Das ist die schlechte Nachricht, sie haben ihre Zielkoordinaten geändert. Sie steuern auf die Clangebiete zu...“
„Die Clangebiete? Diese Drecksschweine. Erst haben sie alle Kräfte hier gebündelt, und jetzt sind die Clangebiete Ihnen schutzlos ausgeliefert.“
„Das würde ich nicht sagen.“ unterbrach Selaris das Gespräch. „Die Clans haben sich schon lange auf den Angriff der Aliens vorbereitet. Die Skasim werden ihr helles Wunder erleben, wenn sie versuchen sollten, die starken Clans anzugreifen.“
„Wann werden sie voraussichtlich dort ankommen?“ fragte Perigain.
„In 1-2 Tagen“ sagte der Nachrichtenoffizier. Perigain fasste in seine Tasche und zog seine letzte Zigarre heraus. Er warf Selaris einen entschuldigenden Blick zu, der nur mit dem Kopf schüttelte, aber keinen Einspruch erhob. Genüsslich zündete der General die besonders lange Premiummischung an und genoss die ersten Züge.
„Na, dann kann ich nur hoffen, dass die Clans sind breit!“

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