Die Entscheidung (14.10.2003 - Silverion)
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Es war sehr ruhig in dem dunklen, von alten Säulen gestützten Raum, in dessen Mitte ein runder Tisch stand, der anscheinend schon seit vielen Jahren keine Verwendung mehr gefunden hatte. Emsige Soldaten liefen wie Bienen durcheinander, und versuchten den Raum auf die bevorstehende Konferenz vorzubereiten. Es roch nach Politur und Staub. An den Wänden hingen die Flaggen der hohen Häuser, der schwarze Drache des Hauses Achron, der silberne Turm des Hauses Corelis, die blutrote Doppelaxt des Hauses Dragov und die ewige weiße Flamme des Hauses Siveria. Der Zahn der Zeit hatte dem Stoff ein wenig zugesetzt. Die Soldaten hüllten sich bei dem Versuch, dem Staub die Herrschaft über die alten Fahnen zu entziehen, in dunkle Wolken...
Zu lange schon hatte der Streit der Häuser und die Intrigen der Mächtigen das Imperium geschwächt. Nun sahen sich sie sich 2 starken Gegnern gegenüber, die anscheinend auch noch zusammen arbeiteten, oder zumindest nicht gegeneinander. Ein Zweifrontenkrieg war unter den jetzigen Verhältnissen nicht zu gewinnen.
Lord Anthevis, Hüter des Hauses Siveria, war der erste der Lords, die sich hier eingefunden hatten. Sein Stab wartete vor der Tür, während er gedankenverloren durch die alten Säulen wanderte. Vor einigen Stunden hatten sie die Nachricht über den Verrat Xopherus' erfahren. Die Nachricht war verstümmelt, und kaum zu verstehen. Im Hintergrund waren laute Detonationen und Kampfeslärm zu hören. Immer wieder riefen die Angreifer, die die imperialen Truppen von allen Seiten unter Feuer genommen hatten, den Namen des Verräters Sundukar und seines Schosshündchens Xopherus. Diese niedere Kreatur hatte nicht nur seit Jahren im stillen Kämmerlein den Schlächter angehimmelt, sondern auch alle seine Freunde und langjährigen Begleiter verraten. Anthevis hatte sich geschworen, nicht eher zu ruhen, bis der Kopf des teuflischen Mörders und Heuchlers am Hangartor seiner Festung hing.
Für Ehre und Gerechtigkeit, auf immer treu. So stand es im Banner des Hauses Siveria eingemeisselt, und genauso würde es kommen. Er und sicher auch die meisten der aufrechten Führer würden eher sterben, als sich dem Verräter anzuschliessen. Die Aliens konnte er wenigstens noch verstehen, denn sie verteidigten nur Ihre Heimatwelten, die seit so vielen Jahren geplündert worden waren. Doch die Schattenhand, der Bund der Bluthunde Sundukars, diese Bande von Verschwörern und Massenmördern, waren verabscheuungswürdige Kreaturen, die er mit allen Mittel bekämpfen würde.
Plötzlich sah er eine Bewegung am Ende des Raumes. Noch ehe er den Blick darauf richten konnte, war die schattenhafte Gestallt durch ein Fenster in der Dunkelheit des Abends verschwunden. Er war sich nicht sicher, doch er hätte schwören können, dass diese Gestallt nicht menschlich war. Das seltsame Phänomen der schwarzen Sonne hatte sich vor einigen Tagen wieder normalisiert, jedoch niemand aus dem Hause Achron hatte eine Erklärung dafür gefunden.
Kurze Zeit später trafen die anderen Lords der 3 fehlenden Häuser ein. Der alte kahle Krieger Lord Thorall vom Hause Achron, der mit seiner schwarzen Kampfrüstung und seiner hohen, muskulösen Statur auch in seinem fortgeschrittenen Alter eine eindrucksvolle Erscheinung darstellte. Neben ihm betrat Lord Durical aus dem Hause Corelis den Raum, der mit seinen silbernen Haaren, seinem hellgrauen Bart und seinem silbernen Mantel eher wie ein Heiliger aussah als wie der unerbittliche Krieger, der er war. Seine hellblauen Augen richteten sich auf Anthevis und sein Mund verzog sich zu einem freundlichen Lächeln. Die drei Lord begrüssten sich wie alte Freunde. Dann traf Lord Jaacal aus dem Hause Dragov ein. Wie alle Unsterblichen war auch er in die Jahre gekommen, ohne seine enorme Kraft zu verlieren. Sein Haar war in einem langen Zopf zurück gebunden, und sein Gesicht war mürrisch, wie immer. Er grüßte die Anwesenden kurz mit einem Nicken. Als letzter betrat der Imperator den Raum. Seit vielen Jahrhunderten hatte der Imperator das Zepter der Macht in der Hand gehalten, und mit jedem Jahr, dass verging, schien seine Kraft zu schwinden. Doch irgend etwas hatte sich verändert. Der alte Mann ging aufrecht und kraftvoll, eine Last schien von seinen Schultern abgefallen zu sein. Er war fast nicht wiederzuerkennen. Seine grauen Augen glühten geradezu vor Tatendrang, und eine undefinierbare Kraft ging von ihm aus. Er hielt das Zepter der Macht, die Itoriae Imperialis, einen fast zwei Meter langen vergoldeten Stab, an dessen Ende ein schwarzer Kristall angebracht war und trug zum ersten Mal seit den Tagen der Clankriege die Kriegsrüstung des Imperators.
Alle Lord verneigten sich und zollten dem obersten Wächter des Imperiums Respekt.
Nachdem alle Lords Platz genommen hatten und die Türen und Fenster verschlossen worden waren, ergriff der Imperator das Wort.
"Viele Jahre sind vergangen, seid wir uns hier das letzte Mal getroffen haben. Jahre der Streitigkeiten, Intrigen und Machtspielchen liegen hinter uns. Der Angriff der Skasim hat uns hart getroffen, unsere Truppen kämpfen seit Tagen ohne Unterlass. Die 2te und 4te Armee sind stark geschwächt, die 3te bekämpft mehr oder weniger erfolgreich die Brückenköpfe der Landeoperation und die erste hat unter schweren Verlusten die Hauptstadt verteidigt. Wir sind in einer ernsten Lage." Der Imperator sah in die Gesichter seiner ehemaligen Ratsbrüder. Wenig Liebe war geblieben aus der damaligen Zeit, doch immernoch verband sie ein tiefsitzendes Band der Ehre.
Mit einer kraftvollen Bewegung erhob sich der Imperator und öffnete einen Kommunkationskanal zu allen Clanleadern des Clangebietes.
"In dieser schweren Stunde erhebt sich, wie ihr alle gehört habt, ein neuer Feind. Unser alter verschollener Widersacher Sundukar hat einen neuen Speichellecker gefunden, der eine getarnte Armee gegen uns führt. Xopherus, der niedere Verräter, hat sich enttarnt und greift nach der Macht. Er ist genauso wahnsinnig und blutdürstig wie sein Meister. Unseren Berichten zu folge verfügt er über eine neue Technologie, die er nur von den Aliens bekommen haben kann, die Teleportation. Seine Armee von Hunderten von Kampfdroiden macht sich gerade im Clangebiet zum Aufmarsch bereit. Er versucht, die Clanleader aufzustacheln und gewinnt mehr und mehr Verbündete. Einige der ehrenvollen Clans haben sich gegen ihn gestellt, doch viele werden dem Ruf des Verräters folgen und ein Blutbad anrichten. Wenn wir den Kampf in den Clangebieten verlieren, wird Xopherus auf die Hauptstadt marschieren und das Imperium wird fallen. Die Aliens und der Mörderclan der Schattenhand wird dann regieren. Wir müssen das unter allen Umständen verhindern. Noch sind Xopherus und seine Hunde schwach genug, doch wir müssen sie stoppen - bald! Daher Rufe ich Euch und alle Clans dazu auf, einen Bund einzugehen, mit dem Ziel, den Untergang der zivilisierten Welt zu verhindern und den Verräter zu stoppen! Das Blut der Bösen und Guten wird das Schlachtfeld tränken, so oder so."
Der Imperator machte eine Pause, um dann wieder weiterzusprechen, mit einer Stärke und Autorität, die man von diesem alten Mann seit langer Zeit nicht mehr gewohnt war.
"Wir stehen an einem Scheideweg. Xopherus und seine blutrünstigen Diener werden keinen verschonen, der nicht den Kopf beugt und denen der Bluthund nicht den Stiefel in den Nacken drücken kann. Ihr habt die Wahl! Werft Euch in den Dreck wie Hunde, oder steht aufrecht und kämpft für Eure Unabhängigkeit. Denn dies ist nicht der Kampf des Imperiums, dies ist Euer Kampf!"
"Xopherus besitzt 6 hochtechnisierte Basen, und Hunderte von Kampfdroiden. Er hat laut unseren Informationen einen Clan gegründet, der 25 Mitglieder hat, als Verhöhnung des Rates der Illluminaten. Seine Basen verfügen über die Technologie, alle 24 Stunden einmal den Standort per Teleportation wechseln zu können. Er besitzt auch 3 Sordrons, die aus den imperialen Hangars gestohlen wurden. Er ist besiegbar, seine Basen sind nicht übermächtig, doch er ist gefährlich und wild entschlossen."
Die Gesichter der Lords waren ausdruckslos. Sie hatten erwartet, das es schlimm werden würde, doch nicht, dass es so schlimm kommen würde.
Anthvis erhob sich und ergriff das Wort: "Das Haus Silveria stellt sich mit aller Macht und allem, was uns zur Verfügung steht, gegen den Verräter. Jedem, der als Zeichen der Ehre einen der Sordrons zerstört, wird von uns mit einem Sordron belohnt werden! Clans, wenn ihr auch nur einen Funken Ehre im Leibe tragt, werdet ihr Euch der gerechten Sache anschliessen. Möge das Licht über das Böse siegen!"
Thorall erhob sich ebenfalls und sprach" Das Haus Achron steht an der Seite des Imperators. Wir werden uns den dreckigen Bluthunden und ihren ausserirdischen Verbündeten niemals unterwerfen"
Durical schaute in die Runde, richtete sich auf und sagte:" Das Haus Corelis wird bis zum letzten Mann kämpfen und den Abschaum der Schattenhand für den niederträchtigen Verrat büssen lassen. Wir werden uns nicht das Diktat der Schatten aufzwingen lassen!"
Jaacal schien einen Moment unschlüssig. Sein finsteres Gesicht sah in die Runde. Dann sprach auch er: "Das Haus Dragov steht auf keiner Seite, doch wir werden die Aliens bekämpfen und auch jeden, der versuchen sollte, unsere Macht zu schwächen."
Der Imperator richtete seine Worte wieder an die Clans. "Es liegt bei Euch, ihr habt die Wahl. Versteckt Euch hinter Euren Mauern und hofft, dass der Sturm vorüber zieht, werft Euch in den Staub vor dem Verräter, der Euch in die Sklaverei unter den Aliens führen wird, oder steht aufrecht, Seite an Seite, und kämpft für Eure Unabhängigkeit!"
Im Zuge der Ereignisse hatte Anthevis die dunkle Gestallt völlig vergessen, die sich jetzt auf den Weg durch die Clangebiete machte...
