Der Ruf des Imperators (19.03.2004 - Silverion)
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Viele Wochen war es nun her, dass der Angriff der Aliens den Rhythmus der imperialen Hauptstadt bestimmte. Die Geschützsalven dröhnten wie der Herzschlag eines monströsen Wesens durch die hohen Hallen. In den Straßen waren überall notdürftige Reparaturhangars aufgebaut worden, in denen die Ingenieure fieberhaft versuchten, die angeschlagenen Kampfdroiden wieder für den nächsten Einsatz bereit zu machen. Dunkle Rauchschwaden hingen über den Fabriken am südlichen und westlichen Stadtrand. Die einst prunkvollen Türme der Hauptstadt waren teilweise zerstört. Mural Dyrinn blutete.
Die andauernden Gefechte hatten die Reserven des Imperiums nahezu aufgebraucht. Die Truppen kämpften rund um die Uhr, die Verluste waren nicht mehr auszugleichen. Zwar hatte der äußere Verteidigungsring dem Ansturm standgehalten, doch die ständigen Scharmützel hatten die Reihen der einsatzfähigen Kommandanten doch sehr gelichtet. Die Nerven lagen überall blank.
Der Imperator stand, in seiner dunklen Kampfpanzerung, eingehüllt in einen schweren Mantel, auf dem Balkon vor seiner Kommandozentrale und lies seinen Blick schweifen über den dunklen, von Rauchwolken zersetzten Horizont. Die untergehende Sonne tauchte die Welt in ein dämmriges, tief-rotes Licht. Die Schatten der Alienraumer hoben sich deutlich von dem blutroten Himmel ab. Ein kalter Wind wehte von Süden her. Es roch nach Öl und Ruß.
„Wir brauchen die Truppen aus dem Süden, heute dringender denn je!“ sagte eine bekannte Stimme hinter ihm. Er drehte sich um und sah sein Spiegelbild in der dunklen Sonnenbrille seines Geheimdienstoffiziers. Selaris war wie immer gut gekleidet, doch auch sein makelloses Äusseres konnte nicht von den tiefen Furchen in seinem sonst alterslosen Gesicht ablenken.
„Ja, ich weiss, doch wir können die Clanlands nicht in die Hand der Schatten fallen lassen. Wir sind den Clans das schuldig. Und gerade jetzt, wo die Angriffe der Skasim auch die südlichen Gebiete erreicht haben, können wir einen Rückzug der Garde nicht verantworten.“
Selaris zögerte einen Moment. „Es gäbe einen Weg. Es gibt Möglichkeiten, die Schattenhand für eine kurze Zeit lahm legen zu lassen. Allerdings würde das bedeuten, dass ihr gewisse Verpflichtungen eingehen müsstet“
„Welche Verpflichtungen? Und wer sollte der Schattenhand gewachsen sein?“ Der Imperator hatte ein ungutes Gefühl bei der Sache.
„Ich kann Euch nicht mehr über die Hintermänner sagen, da mich ein persönlicher Schwur bindet, doch soviel kann ich offenbaren, es handelt sich um eine Gruppe, die bislang nicht offen in Erscheinung getreten ist. Ihr Anführer will im Dunkel bleiben. Er ist sehr seltsam. Ich arbeite noch an einer Analyse, doch bislang habe ich sehr wenige Daten...“
Der Imperator drehte sich zu der anderen Gestalt um, die im Türrahmen zur Kommandozentrale stand. „Wie schlimm steht es um unsere Truppen?“
Perigain kratzte sich am Stoppelbart und schüttelte den Kopf. Auch er wirkte um Jahre gealtert. „Nicht gut, gar nicht gut. Nur noch rund ein Drittel der Garde ist einsatzbereit und die Unterstützungstruppen der Häuser sind auch nicht in besserem Zustand. Es ist fragwürdig, wie lange wir uns noch halten können, wenn die Angriffe so weiter gehen. Die Männer sind müde, und die Kraft verlässt selbst die Stärksten unter ihnen...“
Der Imperator wandte sich ab und richtete den Blick auf das Westtor. Eine der Dragoonpatroullien kam gerade durch die schweren Eisentore. Viele der Droiden waren in bedauernswertem Zustand. Ein Droide brauch hinter dem Tor krachend zusammen.
„Wir haben keine Wahl. Selaris, tut, was ihr für notwendig haltet. Und Perigain, zieht die Garde aus den Clanlands ab. Informiert die Clans, dass sie bis auf weiteres auf sich selbst gestellt sind. Sobald wir können, schicken wir unsere Truppen wieder zurück. Was ist nur aus dem einst strahlenden Imperium geworden...“
„Noch sind wir nicht geschlagen.“ Perigain fummelte in seiner Jackentasche, zog den Stummel einer Zigarre heraus und zündete sie an. „Noch nicht...“. Mit dem brennenden Stummel zwischen den Zähnen ging er hinein. Als der Imperator sich umdrehte, war auch Selairs verschwunden, leise wie immer. Noch gab es Hoffnung...auch wenn sie teuer erkauft war.
