Das letzte Aufgebot – Zwischenspiel (01.02.2005 - EvilFuManchu)
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Imperium, Hügelkette
Westlich von Mural Dyrinn
22. Januar 976 I.Z.
01:15 Uhr
Bitte Warten. blinkte auf dem kleine Bildschirm, wo normalerweise die taktischen Infos erscheinen. Leise seufzte Suse und streckte sich müheselig im Cockpit ihres Sordrons. Es war wärmer, aber nach 36 Stunden im Pilotensessel wäre sie lieber wieder draußen an einem Plasmafeuer geblieben. „Was?“ kam es plötzlich aus den Lautsprecher, der Monitor blieb schwarz. Leise holte Suse Luft: "Ich bin Suse und würde gerne mit Evil Fu Manchu sprechen." Der Bildschirm erhellte sich und zeigte das müde Gesicht des Claners. Evil nickte langsam: „Nabend. Oder schon Guten Morgen?“ Suse lächelte leicht, aber müde. Dann wurde sie ernster: „Du hast sicherlich von dem Aufruf des Imperators, dem Imperium im Kampf gegen die Skasim zu Hilfe zu kommen, gehört.“ Mühsam ein Gähnen unterdrückend winkte EMF ab: „Ja natürlich. Das hochheilige Reich steht vor dem Zusammenbruch. Wer`s glaubt... Ich bin der Ansicht, dass Ihr nur versucht, die ...“ „Evil,“ fiel Suse ihm ins Wort: „Du kennst mich. Ich kenne dich. Und jetzt komme ich zu dir und bitte dich um Hilfe.“
Eine Pause. Dann: „Was für Hilfe?“
„Zur Zeit kämpft das Letzte Aufgebot, Imperiale und ein paar Clans gegen die Skasim. Die Schlacht hat gestern morgen begonnen. Es ist ein Tanz auf dem Messer. ... Und ich weiß nicht, ob wir den übernächsten Sonnenaufgang erleben werden. Du weißt, was auf dem Spiel steht....“ Grimmig musterte der Claner die Kaiserin. „Kannst du das riskieren?“ fragte Suse: „Kannst du es darauf ankommen lassen, dass wir scheitern und die Skasim dann ihre geballte Macht auf die Clansländer loslassen?“ „Nein.“
„Dann bitte ich dich, mir zu helfen.“
„Und wie? Ich bin doch nur ein unbedeutender Taiyô Bushi. Was könnte ich schon tun?“
„Die rettende Kavallerie zusammenrufen.“ Kurz kaute Suse unsicher auf der Unterlippe: „Ich weiß nicht, ob wir es schaffen. Aber ich weiß, das du einen gewissen Einfluss besitzt. Wir brauchen euch. Im schlimmsten Fall macht Ihr einen kleinen Ausflug umsonst. Im besten Fall rettet ihr uns den Arsch.“ Evil Fu Manchu holte tief Luft, er dachte nach. Suse konnte sich gerade so zusammenreißen, ihren Gesprächspartner nicht zu einer Entscheidung zu drängen.
„Also gut. Erzähl mir, was ich wissen muss, um da zu sein, wenn ihr uns braucht.“
Kaiserin Suses Schilderungen hatten Evil Fu Manchu für einen Augenblick die Sprache verschlagen, als er auf das Emblem des IINs auf dem Bildschirm sah. Er sank zusammen in seinem Commandersitz. „Soll das wirklich das Ende der Menschheit sein? Und warum fragt sie ausgerechnet mich?“
In seinem Kopf und auf dem Display liefen schon diverse Kampfsimulationen ab. Doch egal, welche Kampfkonstellationen durchexerziert wurden, am Ende wurde es immer verdammt knapp.Es stand offensichtlich nicht gut für das Letzte Aufgebot....und damit nicht genug.....er wollte diesen Gedanken gar nicht erst aufkommen lassen....zu sehr widerstrebte das seinem Kämpferherz.
Wie sollte man überhaupt die Claner so weit bringen, über alte Feindschaften hinwegzusehen, um miteinander zu kämpfen, und dann damit sogar noch das ewig verhasste Imperium zu unterstützen. Diese und tausend weitere Gedanken schossen durch seinen Kopf, als er die langen Korridore zum Hangar hinunter eilte. Er musste die richtigen Worte finden, die vielen unterschiedlichen Kämpfer der Clanländer dazu bringen könnte, die Vergangenheit ruhen zu lassen, zumindest so lange, bis man sich gemeinsam den Weg zu einer neuen dann sicherlich nicht mehr so gemeinsamen Zukunft erkämpft hatte. Denn dann wäre ja wieder die Möglichkeit gegeben, sich wieder den alten Feindschaften zu widmen, die ausnahmsweise am heutigen Tag zurückstehen sollten. Denn, ginge dieser Kampf verloren, würde man Worte wie Zukunft nicht mehr gebrauchen, es gäbe dann niemanden mehr ,der sie in menschlicher Sprache aussprechen könnte. Das lag auf der Hand. Er sah ihn schon, den Hangar, in dem bereits seine Dragoons Aufstellung nahmen. In einiger Entfernung sah er weitere dieser prachtvollen Droiden, ihre schnellen Warteschleifen ziehen. Sie warteten auf das Signal zur Bildung der Kampfformation, wie sie es wieder und wieder taten, in den Jahren heftiger Kämpfe, Tag für Tag.
Evil Fu Manchu gab das unmissverständliche Zeichen an seine Offiziere, als er den Kommandostand des Alpha Dragoon betrat. Der darauf folgende Systemcheck der Piloten ließ eine Welle entstehen, die sich durch das auf und ab der Hydraulik, nach und nach bis zur letzten Reihe durch die Dragoon Bataillons zog.
„Wir dürfen keine Zeit verlieren! Und hört mir genau zu.“ sprach er mit klar verständlichen Worten in die Clankomm „Sagt allen, wirklich allen, Freunden wie Feinden, Clanern wie Warlords, Bashern wie Farmen, wir werden sie alle brauchen...jeden einzelnen von ihnen. Und das SOFORT!“ unterbrach er seine Ansprache, um Luft zu holen.... „...Ich werde alle meine Kontakte nutzen, die Information so schnell wie möglich bis in den letzten Winkel der Clanländer zu verbreiten. Das solltet ihr auch tun.“
„Meine Solaron stehen bereit!“ holte Big-Foot aus. „Die werden uns nicht viel bringen, mein Freund. Big Foot, diesmal nicht.“ Unterbrach ihn Evil Fu Manchu „Sichert mit den Solaron lieber die Verteidigungslinien einer jeden Basis. Wenn wir nicht erfolgreich sein sollten, möchte ich nicht, das unsere Basen dem Feind wehrlos gegenüber stehen. Wir brauchen Dragoons, und zwar so viele wie möglich.“ „Dragoons???“ schallte es aus allen Richtungen durch die Komm. „Ja Dragoons! Kein anderer Droide würde den Schauplatz der fürchterlichen Schlacht rechtzeitig erreichen! Wir müssen alle an einem Strang ziehen, wenn wir eine Chance haben wollen.“ „Wenn wir die überhaupt haben.“ konnte 2Chilled4ya seinen Zweifel nicht weiter verbergen. „Davon würde ich mich gerne vor Ort selbst überzeugen“ raunzte KFC ihn mahnend an, als Evil Fu Manchu fortfuhr „Los Ihr Krieger, auf in Gefechtsformation. Verbreitet die Kunde ab jetzt.“ Wir sehen uns an der Koordinate, die ich soeben an euren Navigationscomputer geschickt habe. In eurer Komm findet ihr den vorbereiteten Aufruf, den Ihr bitte an alle euch bekannten Kommandeure weiterleitet, die dann wieder...usw. usw. usw...ihr wisst schon, was ich meine. Genug geredet. Auf in den Kampf!!! Mögen die Kriegsgötter mit uns sein!!! Wir können deren Hilfe gut gebrauchen!“ Das Salut-Feuer der Dragoons riss ein helles Loch in den dunklen Abendhimmel. Das war das allgemeingültige Zeichen zum Aufbruch. Pfeilschnell glitten die Dragoons der Taiyô Bushi der Koordinate der Schlacht entgegen. Der Aufruf hatte sich rasend schnell verbreitet. Jede Basis, deren Kommander nicht schon dem ersten Aufruf der Kaiserin gefolgt war, entsandte unter dem Signal der Salutschüsse auch ihre Dragoongeschwader, um sich der ultimativen Schlacht zu stellen.
EFM hätte schwören können, sogar die Kontingente einiger, ehemaliger Feinde in dem immer größer werdenden Treck entdeckt zu haben. Das Radarkomm spuckte eine Geschwader- und Formationsanfrage nach der anderen aus. Neben Art und Größe der Truppen wies die rechte Spalte des Displays die Clanzugehörigkeit dieser Anfragen aus. Soweit Evil Fu Manchu das überblicken konnte, waren alle ihm bekannten Clans vertreten, wenn nicht sogar mehr, als er pauschal die Freigabe für alle Anfragen erteilte, damit die Piloten per Autosteuerung Ihre Kontingente in den Kampfverband einfügen konnten.
Händler, Söldner, Einzelkämpfer, Springer, Taglose - alle hatten sie ihre Dragoonkontingente und besten Dragoonpiloten geschickt, ohne Rücksicht auf Ihre politische Gesinnung, laufende Kriege, ihre Basenverteidigung oder ihren Farmbetrieb zu nehmen. Es gab mit dieser, vielleicht sogar letzten Mission, wirklich weitaus wichtigeres zu tun.
„Sie haben also begriffen, worum es geht.“, anders konnte sich Evil Fu Manchu deren spontane Reaktion nicht erklären. Er blickte rechts und links durch die Sichtluken seines Dragoons. So weit seine Augen blickten, konnte er nur Dragoons sehen. Auch sein Radar sagte ihm nichts anderes. Die gesamte Fläche war mit grün blinkenden Punkten übersäht. „Und sicherlich sieht es außerhalb des unmittelbaren Scanbereiches genauso aus.“
Eine gewaltige Armee ungeahnten Ausmaßes hatte sich da im Laufe der letzten 20 Minuten gebildet und es hatte nicht den Anschein, als ob der Zustrom weiterer Dragoonkontingente jemals abreißen würde. Evil Fu Manchu sendete ein Signal auf allen Frequenzen.
„Ehrenwerte Krieger! Bitte leitet diese Nachricht an alle weiter, die sich uns angeschlossen haben, gerade anschließen oder noch anschließen werden. Verliert damit keine Zeit. Der Ernst der Lage lässt mich direkt zur Sache kommen. Ihr wisst, worum es geht. Das Letzte Aufgebot steht einer Übermacht gegenüber, und der Ausgang der Schlacht ist ungewiss. Kaiserin Suse bat uns alle um Hilfe im Kampf gegen die Übermacht. Nur mit vereinten Kräften können wir von einer Chance reden, diese Schlacht der Schlachten für uns, zum Erhalt der Menschheit, zu entscheiden.
Um ganz ehrlich zu sein, taktische Vorgaben gibt es keine. Jeder wird auf dem Schlachtfeld auf sich und seine individuellen Fertigkeiten und Kampferfahrungen gestellt sein. Ich weiß nicht, ob wir alle einen Rückweg antreten können, ich weiß nicht einmal, ob auch nur einer den Rückweg in eine Heimat antreten wird, die dann nicht mehr lange den Namen Heimat verdient. Wir wissen derzeit nicht einmal, ob wir überhaupt rechtzeitig eintreffen werden, da jeglicher Funkkontakt zu den Imperialen Truppen abgerissen ist. Wir können nur das beste hoffen.
Allein wird unser Riesen Dragoon-Geschwader keine Chance haben, soviel konnte ich aus Suses Hilferuf heraushören. Wir sind auf die Feuerkraft der Imperialen Solaron und Schweren Plasmawerfer angewiesen, die bereits seit einem Tag erbittert kämpfen. Die Frage ist nur, wie lange sie das noch aushalten, wenn sie noch leben. Davon gehen wir aber einfach mal aus, im guten Glauben.
Bis zum Erreichen der Grenze des Imperialen Reiches kommunizieren wir auf Kanal 367.backup.... Sobald wir die Imperiale Grenze erreichen, muss - ich wiederhole MUSS!!! - absolute Funkstille herrschen. Wenn wir unsere ungebetenen Gäste überraschen wollen, müssen wir leise sein!!! Die Geschwindigkeit der Dragoons wird uns dank unserer Masse durch deren schwerfällige Droiden wie ein warmes Messer durch Butter gleiten lassen. Das Ziel ist Mural Dyrinn, bitte programmiert eure Navigations- und Waffensysteme entsprechend. Ich sehe und höre euch dann bei Sichtkontakt zum Feind auch wieder auf Kanal 367.ambush. Mögen die Götter mit uns sein.“ Auch diese Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer und tat ihre Wirkung.
Keiner, wirklich keiner, machte den Eindruck, sich aus dem Kampfverband, der eventuell auf Selbstmordmission war, zurückzuziehen. Eher im Gegenteil, je weiter sich die Nachricht verbreitete, desto heftiger wurde der Zustrom neuer Dragoonkontingente.
Der anfänglich schon gewaltig wirkende Verband hatte sich nun zu einem tausendfachen dessen zusammengefunden, um sich mit höchster Geschwindigkeit dem Ziel zu nähern. Die, die aufgrund zu großer Entfernungen keinen Anschluss an die erste Welle finden konnten, bildeten im Abstand von ca. 2 Stunden eine zweite Wand. So weit man auch blickte, die Linie kampfbereiter Dragoons riss nicht ab. Es musste doch irgendwie zu schaffen sein. „Funkstille ab jetzt! Viel Glück uns allen!“ war die letzte Nachricht, bevor er seine Kommanlage abschaltete. Insgeheim beunruhigte ihn nur die Frage „Werden wir rechtzeitig kommen, wird es nicht schon zu spät sein?“ als sie die Imperiale Grenze im wunderschönen, blutroten Morgengrauen überschritten...
