Das letzte Aufgebot – Teil V – Morgengrauen (25.01.2005 - Kenji)

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Imperium, Mural Dyrinn
Die Zitadelle
21. Januar 976 I.Z.
07:30 Uhr

Die Zitadelle, das militärische Gehirn des Imperiums, summte wie einen Bienenstock, trotz der frühen Morgenstunde. Alle Stationen auf den zwei Ebenen des riesigen kathedralengleichen Raums waren besetzt. Zahlreiche Männer und Frauen, vom General bis zum einfachen Soldat, erledigten angespannt und auch ein wenig nervös ihre Pflicht. Unruhe und eine leichte Gereiztheit lag in der Luft, selbst das angenehmene Zwielicht konnte die Unruhe nicht lösen. Ab und zu fiel schon mal ein scharfes Wort, eine rüde Zurechtweisung, wenn etwas nicht schnell genug ging oder sich ein Fehler eingeschlichen hatte. Selaris erging es nicht anders. Langsam tigerte er durch die Kommandozentrale, Arme auf dem Rücken, schaute unregelmäßig zum großen Statusbildschirm auf, der fast eine ganze Wand dominierte. Dieser präsentierte ihm in stoischer Gelassenheit das imperiale Emblem und den Schriftzug Standby. Selaris seufzte ungnädig und tigerte weiter. Der Blizzard behinderte auch ihre Instrumente. Das nervt. Ich hasse es, etwas nicht zu wissen. Vom Bildschirm zum taktischen Holotisch, dann an den einzelnen Stationen für die Führung der Einheiten vorbei zum Eingangsportal. Dort machte er auf dem Absatz kehrt und marschierte zurück. Ab und zu warf er einen kritischen Blick über die Schulter eines Offiziers. Trotz seiner undurchsichtige Brille hatte jeder das Gefühl, das sein Blick ihn durchbohren würde. Langsam steigerte sich die Anspannung in ihm bis ins unerträgliche.

„Guten Morgen.“ Die klare Stimme durchschnitt die Unruhe wie ein Lichtstrahl die Nacht. Selaris schaute zur zweite Etage auf. Dort stand der Imperator am Geländer der Galerie, in seinem üblich schwarz/roten Gewand. Er sah erholt aus, obwohl Selaris sich sicher war, das auch er die letzten Nächte keine Ruhe gefunden hatte. Langsam erstarben alle Aktivitäten, als der Führer des Imperiums mit gemessenen Schritten die Galerie entlang glitt. „Ist alles bereit?“ fragt er ruhig und leise. Selaris nickt langsam: „Ja, Sir. Wir sind bereit. Perigain ist bei der Sturmwindlegion, er will lieber von vorne kommandieren.“
Der Imperator ging eine Treppe nach unten und trat an den Holotisch, lies langsam den Blick wandern: „Ich denke, wir sollten anfangen.“ Schnell wandten sich die Techniker und Offiziere wieder ihren Stationen zu, aber ruhiger und gelassener. Zufrieden nickte der Imperator langsam: „Ich denke es wird Zeit, den Schleier zu heben.“ Er nahm einen kleinen Kommunikator, sprach hinein: „Ich danke Ihnen für Ihre Hilfe. Jetzt sind wir dran.“ Kurz darauf erwachte der große Statusbildschirm zum Leben. „Der Eissturm ist weitergezogen, Selaris. Fangen wir an.“

Imperium, Ninaranebene
20 km westlich von Mural Dyrinn
21. Januar 976 I.Z.
08:30 Uhr

Der Blizzard verschwand wie er gekommen war: überraschend. Als die dichten Wolken und stürmischen Windschleier verschwanden, erstrahlte die morgendliche Wintersonne. Die Landschaft sah wie verzaubert aus. Alles war mit einer dicken, reinen und weißen Schneedecke überzogen. Darüber erstreckte sich der klare hellblaue Himmel, nur durchzogen von ein paar Federwolken, er reichte von einem Horizont bis zum anderen. Aber der Frieden sollte nicht lange halten. Zahlreiche Kondensstreifen zogen am Winterhimmel ihre Bahn gegen Westen, bevor sie sich von oben auf ihre Ziele stützten. Explosionen blühten in der Ferne auf, schwarzer Rauch stieg hoch und erneut zogen sich neue Streifen über das Firmament

„Das letzte Aufgebot, Phase I,“ langsam lehnte sich General Perigain zurück und betrachtet die taktische Darstellung vor sich. „Angriff,“ befahl er. Gleichzeitig setzte sich die Angriffsspitze der Imperialen Armee in Marsch. „Alle Einheiten in Formation,“ kommandierte Perigain aus seinem modifizierten Dexon.
Zehntausend Droiden bildeten eine gigantische Keilformation, die Sordrons an der Spitze, dahinter Solaron und Zengal. Dann fielen die Sturmtruppen in einen gemächlichen Trott, der sich immer mehr zum Frontalangriff steigerte. Die eiligen und schweren Schritte der tonnenschweren Maschinen ließen die Erde erbeben. Nur vereinzelt schlug ihnen Abwehrfeuer entgegen. Dann überrannten sie einfach die Vorpostenkette aus Nomics und Wrots und stützten sich in den Kampf. Der Ansturm riss ein Loch in die Linien der überraschten Skasim. Die chromfarbenen Aliendroiden wurden von einem Orkan aus Licht und Feuer zu Boden geschleudert und anschließend einfach von den Angreifern übertrampelt. „Hier Perigain. Wir haben ein Loch in die feindlichen Linien gerissen. 1. und 2. Kavallerie Divisionen, stürmen Sie durch die Lücke und greifen Sie den Feind von hinten an. Beeilen Sie sich, bevor die Skasim reagieren können. 3. Division, greifen Sie Nemir Ca an. 4. Division, unterstützen sie die Dragoons von der andere Seite.“ Perigain schaute auf, über die taktische Steuereinheit und am Piloten vorbei durch die polarisierte Cockpitscheibe auf das Schlachtfeld. Die Ninaranebene ging langsam in geschwunge Hügellandschaften mit kleinen Wäldern über. Früher waren hier fruchtbare Felder, sogar einige seltene Bauernhöfe. Jetzt überragten zwei schwarzgraue unförmig hässliche Warheads der Skasim die Hügelkette. „Sturmeinheiten, wir holen uns jetzt diese Pötte da vorne.“
Mit schnellen Bewegungen auf seinem Kontrollen gruppierte er die Truppen um und setzte sie in Marsch auf einen der Eckpfeiler der Belagerung der Hauptstadt.

Imperium, Mural Dyrinn
Die Zitadelle
21. Januar 976 I.Z.
21:30 Uhr

Auf dem großen Wandbildschirm beobachtete Selaris die Schlacht. Ab und zu gab er einen Befehl. Hinter ihm standen um den taktischen Holotisch mehrere hochrangige Generäle, die die Schlacht an den verschiedenen Fronten koordinierten. Neben ihn stand der Imperator, schweigend, wie seit dem Beginn der Schlacht. Selaris betrachtete das Wandern der Symbole auf dem Bildschirm: „Wir haben sie kalt erwischt.“ Ein leises Lachen beantwortete seine Worte, der Imperator schaute zu ihm und antwortete: „Es ist ja auch Winter.“ Dann etwas ernster. „Wo stehen wir?“

Selaris trat zum Tisch: „Wir haben ihren Belagerungsring gesprengt. Im Westen kämpft Perigain mit seiner Sturmwindlegion in den Hügeln. Wir haben den Nemir Ca Raumhafen wiedererobert. Im Osten haben wir sie den Danreg Fluss entlang gejagt. Der Tag geht an uns.“

Imperium, Hügelkette
Westlich von Mural Dyrinn
22. Januar 976 I.Z.
01:00 Uhr

Langsam rieb Suse sich die brennenden Augen, gähnte herzhaft und lange. In den vergangenen Tagen konnte sie nicht gerade viel schlafen. Sie stellte den schwarzen Tee weg und studierte die Taktikanzeige. Das letzte Aufgebot hatte sich gut gehalten. Die Clanslegion hatte nicht viel mit den Kämpfen zu tun. Zwar wurden mehrere kleinere Einheiten abgerufen, aber bisher war der Hauptteil der Legion in der Reserve geblieben. Die Claner wurden verständlicherweise unruhig, aus der zweite Reihe zuzusehen war nicht ihr Stil. Suse betrachtete den Horizont, die funkelnden und herumrasenden Irrlichter der Laserschüsse, die Flammenzungen der Raketen, grüne Plasmastöße und blaue Disruptoren. Ein bezauberndes Spektakel. Je länger sie der andauernden Schlacht zuschaute, um so mehr Unruhe breitete sich in ihr aus. Ein Funkspruch holte sie aus ihren Gedanken: „Ja bitte?“ „Selaris hier. Die Skasim brechen den Kampf ab, für heute Nacht haben wir Ruhe.“
„Verstanden. Wie ist die Lage?“
„Mehrere Warheads, die Eckpfeiler der Belagerung, sind umkämpft. Wir vermuten, das die Skasim sich umgruppieren und dann erneut angreifen. Wir bereiten uns darauf jetzt vor.“ „Unsere Verluste?“
„... Wir zählen noch.“

Leise knisterte das Lagerfeuer, während Suse andächtig im Kreis darum lief. Der Schnee knirschte unter ihren Schritten. Die Unruhe steigerte sich immer mehr und mehr. Unschlüssig kaute Suse auf der Unterlippe, blickte hoch in den Himmel, zu den Überresten von Luna, ihren Tränen und den Sternen. Dann blickte sie zu den hochaufragenden Droiden, die sie umgaben. Asporen, Dragoon und Solaron aus vielen verschiedenen Clans. Dann fällte sie eine Entscheidung. „Noth?“ Ihr Adjutant stand auf. „Noch einen Kaffee?“
Sie winkte ab: „Nein, jetzt nicht. Kontaktieren Sie das IIN. Ich brauche eine sichere und schnelle Verbindung.“
„Ja Ma`am. Wohin?“
„In die Clanländer.“

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