Das letzte Aufgebot – Teil VIII – Der Preis des Überleben (28.02.2005 - Kenji)
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Imperium, Mural Dyrinn
Osttor
23. Januar 976 I.Z.
07:30 Uhr
Mit humpelnden Schritten trieb Sky ihren geschundenen Dragoon vorwärts. Neben und hinter ihr folgten weitere überlebende Droiden der Clans. Sie jagten die Aliens vom Schlachtfeld. Sie konzentrierte sich völlig auf die fliehenden Skasimdroiden vor sich. Die Waffenkontrolle arbeitete nur noch unzuverlässig, ab und zu stieg Rauch aus der Konsole auf, also konnte sie nur raten, wann der verbleibende Disruptor einsatzbereit war. Mit dem Zielen war das auch so eine Sache. Plötzlich blieb der angeschlagene Skasimsolaron stehen, drehte sich behäbig um. Von der ursprünglich schwer gepanzerten Mordmaschine war nicht mehr viel übrig geblieben. Die rotfarbene Panzerung war mit Brandlöchern und kleinen Kratern bedeckt. Der linke Arm hing wertlos herunter, ab und zu Funken stiebend. Aus mehreren Löchern im Rumpf floss grünes und blaues Kühlmittel über den geschwärzten Rumpf wie Blut. Die Beine waren vom tiefen Plasmafeuer verbrannt, Panzerung hing in Fetzen vom Skelett herab. Der Solaron zog den rechten Fuß in einer hinkenden Bewegung nach. Anscheinend ist der Skasimpilot der Flucht überdrüssig geworden und stellte sich jetzt seinen Verfolgern. Sky kam nicht umhin, soviel Mut zu bewundern. Schnell kämpfte sie das Gefühl der Bewunderung nieder. Diese Schweine haben viele deiner Freunde umgebracht! Frische Wut brannte in ihr auf. Mit zusammengebissenen Zähnen zielte sie so gut es ging und feuerte. Laser- und Disruptorschüsse mehrerer Claner schwirrten durch das Morgengrauen und badeten den überschweren Droiden in helles Licht. Die Reste der Panzerung vermochten die zerstörerische Energie nicht mehr aufzuhalten. Tief gruben sich die Energielanzen in den Skasim und weideten ihn förmlich aus. Dichter Rauch stieg auf, flüssiges Metall spritzte in den Schnee. Der über 15 Meter hohe Droide schwankte bedrohlich, konnte sich aber noch auf den Beinen halten. Mehr noch, entschlossen ging der ehemals rote und nun schwarzverbrannte Solaron zu einem selbstmörderischen Sturmlauf über. Mit raumgreifenden langsamen Schritten stapfte er direkt auf Sky und ihren Dragoon zu. Du nervst! Geh sterben! Eine Lanze aus rotem Licht grub sich in die rechte Schulter. Mit einem lauten Knirschen stürzte der Arm schwer in den Schnee. Dann weideten zwei massive Plasmasalven den Unterleib des Solarons aus. Die Beine versagten den Dienst. In einem letzten Aufbäumen versuchte der Pilot den Solaron auf den Beinen zu halten. Plötzlich schlug eine schwere Lasersalve in das Cockpit, brannte sich durch die angeschlagene Panzerung und verwüstete die Kanzel. Dann war es schon vorbei. Wie eine Statue stand die brennende Maschine im Schnee, schwarzer Rauch stieg auf. Dann, ganz langsam, neigte sich das Wrack nach hinten. Leise und protestierend ächzte Metall. Er schlug der Länge nach auf den schneebedeckten Boden.
Mit trockenem Mund musterte Sky den verbrannten und verbogenen Trümmerhaufen. Leichte Rauchfahnen stiegen langsam auf.
„Er hat den anderen Skasim Zeit erkauft. Der Rest von ihnen ist in den Hügeln verschwunden, “ stellte ein Pilot fest. Stumm nickte Sky zustimmend. Plötzlich wurden sie und ihr Cockpit in einem hellen Licht gebadet. Überrascht hob sie den Arm, wappnete sich schon für einen Angriff. Klares Sonnenlicht fiel zögerlich durch die Baumwipfel im Osten und erhellte langsam die Ebene. Zögerlich lies die junge Frau den Arm sinken, während langsam die Wintersonne am Horizont aufstieg. Leicht flirrten die Sonnenstrahlen durch die schneebedeckten Zweige, glänzten im Schnee. „Ich lebe noch“, murmelte sie leise. Trotz der Müdigkeit und Erschöpfung huschte ein Lächeln über ihre Lippen. Das verblasste aber, als sie den Dragoon umdrehte, um nach Mural Dyrinn zurückzukehren.
Vor ihr lag das Schlachtfeld der letzten Nacht. Trümmer, Wracks und aufgewühlte Schnee bedeckten den Boden. Tausende von Droiden lagen, wo sie gefallen waren. Zerschossen und vernichtet. Claner und Skasim friedlich nebeneinander im Tod vereint. Viele kleine Rauchsäulen stiegen auf, bildeten einen rußigen Schleier, der sich überall niederließ und den Schnee grau färbte. Zwischen den zerstörten Rümpfen, abgeschossenen Gliedmassen und Panzerungsbruchstücken standen die überlebenden Droiden der Clanslegion. Viele machten keinen besseren Eindruck als ihre gefallenen Kameraden. Es waren nur noch wenige. Bei kaum einem konnte man noch erkennen, welchem Clan er angehörte. Jeder einzelne von ihnen war von schweren Treffern gezeichnet, geschwärzt von Lasern und dem Russ von Raketen. Die ersten Rettungs- und Bergungstrupps rückten aus Mural Dyrinn an. Mehrere Züge gepanzerter Infanterie wanderten mit Waffen im Anschlag durch die Reihen der Wracks auf der Suche nach überlebenden Skasim. Tieffliegende Helikopter und schnelle Hovercrafts wirbelten Schnee und Rauch auf, als sie über das Schlachtfeld jagten. Die ersten gefallenen Droiden wurden bereits mit breiten Tiefladern von der Ebene gebracht. Die Überlebenden Kommandeure sammelten ihre Truppen zusammen. „Wo ist die Kaiserin?“
Langsam kämpfte sich Suses Geist wieder aus den Schleiern der Bewusstlosigkeit zurück in die Gegenwart. Dumpfer Schmerz pochte durch ihren Körper. Vorsichtig öffnete sie die Augen. Sonnenlicht floß durch die gesplitterte Frontscheibe. Mehrere Schatten eilten außen vorbei. Wann bin ich mit dem Droiden gefallen? Sie wollte gerade den Kopf drehen, als plötzlich ein flammender Schmerz durch den Körper jagte. Ein kurzer Schmerzschrei kam über die Lippen.
„Hast du das gehört?“
„ Jupp.“
„ Klang wie ne Frau.“
„ Jupp.“
„ Aus dem Sordron dort.“
„ Jupp.“
„ Manchmal nervst du mich mit deinem Jupp.“
„ ... Jupp.“
„ Einen Moment, Ma`am, “ rief einer der Techniker durch einen Riss in der Frontschreibe der Kanzel: „Wir holen gerade ein Schweißgerät, um euch zu befreien.“ „ Jupp!“
Imperium, Mural Dyrinn
Péan Militärkrankenhaus
25. Januar 976 I.Z.
09:30 Uhr
Mit leise Schritten ging der Imperator durch die langen Gänge des Krankenhauses. Hinter ihm folgten zwei Wachen und sein persönlicher Sekretär, Eric, mit Notizblock. Selbst zwei Tage nach der Entscheidungsschlacht herrschte immer noch Hochbetrieb. Ein enges Gedränge, Personal eilte durch die Flure, ein ständiges Hintergrundgeflüster aus Stimmen und Schritten war zu hören. Weniger schwer verwundete Soldaten und Claner waren provisorisch in den Gängen untergebracht, um wertvolle Bettkapazitäten für ihre schwerer verletzten Kameraden freizuhalten. „ Hey pass doch auf?!“ knurrte ein Claner mit bandagierten Arm, als ihn ein Fuß anstieß. Er schaute auf, blickte in die eisblauen und trotzdem ruhigen Augen des Anführers des Imperiums. Kurz huschte ein Blick des Entsetzens über die Züge des Claners, als er erkannte, wen er angepflaumt hatte. „Oh“, er lächelte kurz schief. „Moin.“ Ein langsames Nicken antwortete ihm: „Aus welchen Clan stammst du?“ „ Ist das wichtig?“
„ Nein. Das Imperium ist allen Clans, die gefochten haben zum Dank verpflichtet.“
Andere Männer und Frauen aus allen anwesenden Clans wurden aufmerksam auf den Wortwechsel, es wurde stiller: „Mag sein... öhm.. Imperator? Aber diese Leute hier, “ der unerkannte Clanskrieger weitete die Arme aus, um alle einzuschließen: „Haben nicht für das Reich gekämpft sondern für ihr Überleben. Bilde dir nichts darauf ein, dass wir hier sind.“ „ Ich hoffe bloß, dass es das wert war.“ brummte sein Nachbar. Der Imperator schien von soviel Kaltschnäuzigkeit wenig beeindruckt. Ein leichtes Lächeln huschte über seinen Züge: „Das hoffe ich auch.“ Dann setzte er seinen Weg fort. „ Ich muss sagen, du hast Mut. Einfach so den Imperator anzugehen.“
„ Tja, da siehst du mal. Diesen Mumm gibt’s halt nur im...“ Der Rest der Worte ging im wieder aufbranden Stimmengemurmel unter.
Gemessenen Schrittes ging der Imperator weiter, verschlossene Miene und in sich gekehrt. Er beobachtete die Soldaten und Claner, die zu ihm aufsahen. Mit jedem weiteren Schritt schien das Gewicht auf seinen Schultern schwerer und schwerer zu werden. Wortfetzen drangen an sein Ohr, einige abwertend, einige ernst, sogar ein ehrliches Lachen erklang in diesen eher betrübten Gängen. Er hielt vor einer schmucklosen weißen Tür an. Die beiden Gardewachen stellten sich zackig links und rechts der Tür auf und verwandelten sich sofort in leblose Statuen. „Eric, sobald die Adjutanten der Kaiserin da sind, lasst sie bitte vor.“ Der Sekretär schob seine Brille zu Recht, nickte langsam. Der ältere Mann, der Führer der Menschheit, strafte die Schultern und stellte sich der vielleicht größten Bedrohung seit der Schlacht der drei Tage und zwei Nächte.
In diesem Einzelzimmer saß im Bett aufrecht einen stinksauere Suse. „ICH ... WILL... HIER... RAUS!“ knurrte sie ungnädig, egal wer da rein kommen sollte. „Das ist nicht zu übersehen. Guten Morgen, Kaiserin, “ entgegnete der Imperator leise. Zum ersten Mal seit Wochen lächelt er entspannend. Suse hingegen brummte ungnädig. „Die wollen mich hier nicht rauslassen. Eine ganze Woche soll ich hier drin noch vermodern. Das ist unerträglich. Ich habe zu tun.“ Der Imperator nahm den Krankenbericht vom Fußende des Betts und blätterte in ihm: „Verletzungen: Platzwunde an der linken Schläfe, leichte Gehirnerschütterung, linker Arm gebrochen. Schwere Schnitt- und Splitterverwundungen am linken Unterarm, mehrere leichte Splitterverwundungen und Verbrennungen an Oberschenkeln und Kopf. Sie waren außerdem bewusstlos, als sie eingeliefert worden sind.“ Er schaute wieder auf: „Sie wurden ganz schön durch die Mangel gedreht.“ „ Ich bin den Skasim nichts schuldig geblieben.“
„Die Ärzte sagen, dass sie noch mindestens drei Tage Bettruhe brauchen, damit die gröbsten Verletzungen ausgeheilt sind.“
„Ach Quacksalber. Allesamt. Die könnten nicht mal das eine Ende einer Spritze vom anderen ohne Bedienungsanleitung unterscheiden!“
„Sie bleiben hier. Und das war ein Befehl.“
Suse wollte grade zum Widerspruch an setzten, als ein leises Klopfen von der Tür kam. Kurz schaute sie abwartend zu dem Mann am unteren Bettende. Der Imperator setzt sich auf einen Stuhl, faltete die Hände in Würde. Die Kaiserin seufzte leise: „Herein!“ Die Tür ging auf und Major Sky Lee und Captain Corven Daniels traten ein. Beide in frischen dunkelgrünen Felduniformen, Corven mit einem Verband an der Hand und einer dünnen grauen Mappe in der Hand. „Ma´am. Schön, sie wieder zu sehen.“ Suse winkte mit der gesunden Hand ab: „Wie schlimm ist es?“
Beide blickten sich an, dann ein wenig nervöser zu ihrem obersten Kommandierenden, der beide sorgfältig musterte. Sky räusperte sich: „Die Clanslegion wurde in ihrer ersten und gleichzeitig hoffentlich letzten Schlacht schwer zusammengeschossen. Nach normalen militärischen Begriffen ist die Legion zerschlagen. 80 Prozent Materialverluste.. 50 Prozent der Piloten sind tot oder vermisst. Weitere 30 Prozent des Personals sind verwundert worden. Ist nicht viel übrig geblieben. Aber sie haben verdammt gut gekämpft.“ „ Inzwischen geht die Analytikabteilung davon aus, das auf einen Piloten der Clanslegion zwei Skasim gekommen sind, “ wandte Corven ein: „Die Skasim haben in dieser Nacht teuer bezahlt.“ „Die Reparaturen sind angelaufen, aber es wird noch mehrere Tage dauern, bis das Schlachtfeld geräumt ist und wir vollständige Listen haben,“ fuhr Sky fort. „Die Claner sind in der Ostfestung der Hauptstadt untergebracht.“ Sie schien jetzt ein wenig größer zu sein, als wäre ihr ein Stein vom Herzen gefallen. Kurz entschlossen wurde die Bettdecke zur Seite geschoben, Suse versuchte erneut aufzustehen: „Ich muss mich um die Claner kümmern.“
„Ich glaube, die meisten Claner sind inzwischen alt genug, um auf sich selbst aufzupassen. Zumindest noch drei Tage.“ Die Stimme des Imperators hatte sich inzwischen gewandelt. Er sprach immer noch ruhig und gelassen, aber ein Ton von Autorität schwang mit. „In drei Tagen versammelt sich der Imperiale Senat. Er wird eine Entscheidungen bekannt geben. Anschließend wird die Clanslegion zur Grenze eskortiert und entlassen. Bis es soweit ist, werden Sie sich hier erholen.“ Leises Grummeln bestätigte den Befehl. Der Imperator stand auf: „Wir sehen uns erst im Senat wieder. Bis dahin wünsche ich dir eine gute Genesung. Und ich erwarte, das du dich auch wirklich erholst.“ Mit diesen Worten und einen knappen Nicken verließ der Imperator das Einzelbettzimmer.
„Major, ich will jetzt alles wissen. Und Captain, sie treiben Noth mit etwas zu Schreiben auf. Und sagen sie ihm, er soll mir meinen Tee mitbringen...“
