Das Letzte Aufgebot – Teil II (29.12.2004 - Kenji)
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Imperium, Provinz Glengary
Wartungsbasis Gamma
28. Dezember 975 IZ
05:57 Standardzeit
„Sir? Es ist 7 Uhr, wir sollten mit dem Rundgang beginnen.“ Ein Brummen antwortet ihm, sein Gast stand auf. Leise rauschte die Robe, gedämpfte Schritte folgten ihm. „Bitte... gehen Sie vor,“ Collins nickte knapp und lief vor.
Zögerlich erhellte sich der Sternenhimmel und schwer wallte der Atem in der frostigen Luft. Silverion ging aus der Feldbarracke über den betonierten Platz. Langsam wanderte sein Blick über den provisorischen Wartungsstützpunkt. Droiden in Wintertarnbemalung standen sorgfältig auf dem Platz aufgereiht. Wartungscrews umschwärmten viele Droiden, einige standen sogar komplett in improvisierten Gerüsten. Am anderen Ende das Platzes wurden Visvos mit Hilfe von Kränen mit neuen Raketenpacks bestückt. Daneben stand einen Gruppe Zengal, in deren Innenleben mehrere Techniker rumwühlten. „Wie ich sehe, schreiten die Arbeiten voran.“
„Ja, my Lord. Aber es wird noch n Weilchen dauern, bis wir fertig sind. Einige dieser Babys haben schon mehrere mörderische Gefechtseinsätze hinter sich. Andere Einheiten sind älter als mein Großvater. Teilweise müssen wir improvisieren, denn uns fehlen Ersatzteile.“ Sie gingen an einem Asporarm vorbei, an dem ein Tech schweißte. „Wie lange noch?“ „Vier Wochen.“
Ein leises Seufzen antwortete ihm: „Sie müssen es in zwei schaffen.“ Collins räusperte sich leicht, nickte dann aber ergeben: „Ja, mein Lord.“ „Ich weiß, dass Sie das Reich nicht enttäuschen werden.“
Sie erreichten eine niedrige Wartungshalle, in der eine Gruppe Dragoon standen. „Diese hier sind schon fertig, aber wir haben nicht genug Piloten, um alle zurück zur den 11. Akilae Assault Guards zu bringen.“ „Ich werde mich darum kümmern, sobald ich wieder zurück in der Hauptstadt bin.“
Plötzlich rannte eine junge Frau in einem dreckigen Overall in den Hangar. Trotz tiefsten Winters schwitze sie, rang nach Atem: „SIR! ... Sir...,“ sie schnappte noch mal hektisch nach Luft. „Skasim... Skasim Stoßtrupp im Norden... Befehl von...“ Silverion wandte sich an die Technikerin. „Befehl von wem?“ fragte er ruhig „Oberkommando. Wir sollen alles schicken, das wir haben, um sie abzufangen, bevor sie die Wartungseinrichtungen zerstören. Oder noch schlimmer: herausbekommen, dass etwas im Busch ist.“ Silverion straffte die Schultern, schaute ruhig zu seinem Begleiter: „Versammeln Sie all Ihre Piloten. Wir nehmen die Dragoons. Ich werde die Einheit kommandieren.“ Verblüfft schaute Collins den zeitlosen alten Mann an. Der SeniorTech wollte gerade den Mund zum Sprechen öffnen, als Silverion abwinkte: „Ich habe schon Droiden in die Schlacht gesteuert, da war das Imperium noch gar nicht gegründet.“
Imperium, Provinz Glengary
40 Kilometer nördlich Gammas
28. Dezember 975 IZ
07:27 Standardzeit
„Wir müssen Sie aufhalten, um jeden Preis.“ Mit gewählten, knappen Worten beschrieb Silverion die Lage: „Sie haben Informationen über das Letzte Aufgebot ergattert, aber die Störsender arbeiten. Die Skasim dürfen sie auf keinen Fall zurück zu ihrer Frontlinie bringen. Übermitteln sie ihre Informationen, könnten wir diesen Krieg entgültig verlieren.“
Mit hastigen Schritten stapften die schnellen Dragoons über die schneebedeckte Hügellandschaft. Über ihnen erhellte sich zögerlich der Winterhimmel. Hinter Silverions eigenem Dragoon donnerten mehrere andere über die Hügel und brachen durch das Geäst. Mit einem Ohr hörte der imperiale Botschafter dem Gefechtsfunk zu. Der Skasimsturmstrupp wurde außerhalb der Wartungsanlagen von einem Kontingent imperialer Truppen angegriffen und in einem Kampf verwickelt. Als sie die letzte Hügelspitze erreichten, überblickte Silverion das Schlachtfeld. Ein sanft geschwungenes Tal, in der Mitte ein zugefrorener Bach, auf der anderen Hügelseite ein laubloses Wäldchen. Im Norden erhob sich ein schmaler Felsspalt, der den nördlichen Ausgang aus dem Tal darstellte. In der Mitte tobte die Schlacht zwischen den chromfarbenen und grünen Skasimdroiden und den imperialen Verteidigern, Laser und Plasmaschüsse irrlichterten durch die kalte Luft. Dampfschwaden umnebelten das Tal, verstreut lagen schon gefallene Droiden beider Seiten zerschlagen und brennend im Schnee. Silverion konnte sogar einen Rhacal in der Mitte des Getümmels erkennen. Der Anführer. „Krieger ... Angriff!“
An ihm vorbei rannten die Dragoon über die sanfte Neigung ins Tal und den Skasim in die Flanke. Dann im Nahkampf eröffneten sie das Feuer. Lasersalven brannten Löcher in chromfarbene Panzerung, die Wucht des Angriffs riss mehrere feindliche Droiden von den Füssen und ließ sie geschlagen im weißen Schnee liegen. Silverion blieb auf dem Hügel. Er überließ den Kampf den Kriegern. Ab und zu platzierte er ein oder zwei saubere Laserschüsse auf einen Skasimdroiden, gab einen knappen Befehl an die Imperialen. Wie lange ist es her, das ich selbst gekämpft habe? Es war wohl im letzten Zeitalter, vor dem letzten Tag. Der Sturmangriff drängte die überlebenden Skasim zurück, nach Norden auf die schmale Felsspalte zu, die der Bach in Jahrhunderten gegraben hatte und das Tal im Norden abschloss. Das Blatt hatte sich zu Gunsten der Menschen gewendet. Plötzlich löste sich ein grüner Nomic aus der Schlachtlinie und rannte so schnell seine Beine ihn trugen nach Norden, weg vom Getümmel, hin zum Felsspalt. Silverion reagierte sofort. „Ich halte ihn auf, vernichtet den Rest!“ Mit kontrollierten Bewegungen, seit Jahrhunderten nicht mehr eingesetzt, stapfte sein Dragoon los, rannte über Stock und Stein, dem fliehenden Nomic hinterher. Der langsame Droide konnte seinem schnelleren Verfolger nicht entkommen. Trotzdem versuchte er eilig durch die schmale Felsspalte zu rennen, nutze jede natürliche Deckung aus. Plötzlich bremste Silverion seinen Droiden ab, hielt an. Sorgfältig zog er das Zielkreuz über den Rücken der fliehenden Maschine. „Weder ehrbar noch fair, aber es muss sein.“ Ein rubinroter Laserschuss durchschnitt die Dämmerung des Wintermorgens, jagte in die linke Schulter des Nomic, zersprengte das leere Rohstoffsilo und schlug tief in die mechanischen Eingeweide. Der Nomic wurde von der unerwarteten Wucht herumgerissen, rutscht auf dem tückischen Untergrund aus und stürzte zu Boden. Funken sprühten, als er über die Steine schlitterte. Langsam stapfte der Dragoon auf sein Opfer zu, die beiden Arme auf das Ziel gerichtet. Dann donnerten alle vier Geschütze des Dragoons auf, brannten tiefe Löcher in den Rumpf des Nomic, trafen den Reaktor und lösten einen Explosion aus. Der Droide wurde von dem Feuer des eigenen Fusionsreaktors innerlich zerrissen und komplett vernichtet.
Silverion drehte den Dragoon um, postierte sich in der Felsspalte. Links und rechts glatter Felsen, vor ihm das vernebelte Gefecht, unter ihm Schotter und der gefrorene Bach, über ihm der grauende Morgen, hinter ihm die Rettung für seinen Feinde. Innerlich ruhig und gelassen wartete er wie ein stummer Wächter. Schlagartig traten aus dem Kampfnebel zwei chromfarbene Silhouetten, angeschlagen, verbeult und mit schwarzen Brandflecken. „Noch nicht zu Ende für euch, meine Freunde.“ Wie aufs Stichwort rannte der kleinere Nomic auf Silverions Stellung zu, eröffnete das Feuer aus mittlerer Distanz. Die Schüsse verkohlten die Panzerung, richteten aber keinen ernsten Schaden an. Fast beiläufig zielte der Botschafter auf den Nomic. Zwei Laserschüsse spießten ihn auf und schleuderten ihn in den Schnee. Schwarzer Rauch stieg auf und leicht bewegten sich noch die Gliedmaßen, dann hörten auch die letzen Zuckungen auf. Der Dragoon wendete sich seinem eigentlichen Gegner zu. Der Rhacal, elegant und fremdartig, krabbelte auf seinen vier Beinen auf den Dragoon zu. Er glich einer großen gefährlichen Spinne, die sich ihrem Opfer zuwendete. Hellgrünes Licht blitzte auf, als die zwei schweren CO2-laser im Rumpf ihre tödliche Feuerkraft zum Tragen brachten. Die Schüsse saßen und rissen große gezackte Löcher in den Rumpf des Dragoon. Silverion kämpfte gegen den Zug der Schwerkraft an. Müheselig hielt er seine Maschine aufrecht: „So nicht!“
Er tänzelte mit dem Dragoon zur Seite, feuert mit den beiden Hochenergielasern zurück. Die Schüsse brannten sich in den linken vorderen Unterschenkel, zerschmolzen Panzerung und beschädigten das Bein ernsthaft. Dieser Treffer behinderte den Rhacal. Beide Maschinen tauschten weiter Waffenfeuer aus, gleichzeitig versuchten die Piloten eine günstigere Position für den finalen Schlag einzunehmen. Nach mehreren Minuten zähen Ringens war die Panzerung von Silverions Dragoon zerschmolzen und durchlöchert. Rote Warnlampen verlangten alle gleichzeitig nach seiner Aufmerksamkeit und mehrere Systeme waren beschädigt oder zerstört. Seinem Gegner erging es nicht anders, die Waffen waren unbrauchbar, die dicke chromfarbene Panzerung zerrissen, Funken sprühten aus mehreren Löchern, Rauch wallte auf. Silverion versperrte immer noch mit seiner schwer angeschlagenen Maschine den Weg. „Sir,“ knatterte eine dünne Stimme in seinem Ohr. „Wir haben sie alle erledigt. Wir sind gleich da.“ Silverion gestattete sich ein leichtes Lächeln, aktivierte dann den Funk und stellte eine Verbindung zu seinem Gegenüber her. „Gib auf. Du kommst hier nicht lebend durch. Dein Rhacal ist ein Wrack und die anderen Skasim sind ausgelöscht. Du hast die Schlacht verloren.“ Ein hasserfülltes: „Ich weiß was ihr vorhabt. Also verreckt!“ antwortete ihm. Der Rhacal rannte los, direkt auf den Dragoon zu. Überrascht feuerte Silverion alle Waffen ab, die sein Droide noch aufzubieten hatte. Die Treffer konnten den Ansturm des Skasim nicht aufhalten. Mit einem lauten Donnern rauschten die Droiden zusammen, Metall schepperte und wurde verbogen, ein Funkenregen sank zu Boden. Beide Droiden stürzten in den jungfräulichen Schnee, ein Wirrwarr von Metall und Gliedmassen. „Warnung, Reaktorbruch steht bevor. Notabschaltung einleiten!“ Silverion schüttelte den Kopf, um die Benommenheit zu vertreiben. Er schmeckte Blut, atmete schwer. Der Reaktor... Wo ist der Skasim? Seine Hand schwebte über den Reaktorkontrollen. Wo ist er? Er darf nicht entkommen.
„Warnung , Reaktorbruch, Notabschaltung einleiten!“
Er erkannte, das sein Gefährt auf dem Rücken lag. Eilig wollte er den Dragoon aufrichten, aber die fremde Maschine lag halb auf seinem Droiden. Der Rhacal versuchte ungelenk wieder auf seinen Spinnenbeine zu kommen. Die Waffen waren ausgefallen. Schwankend kam der Skasimdroide auf die Beine, angeschlagen und geschunden, aber er stand. „Warnung, Reaktorbruch steht bevor!“ So nicht.
Obwohl der Dragoon keine Hände hatte, packt Silverion mit den Armen des Dragoons den Rhacal und riss ihn mit seinem Gewicht wieder runter. „Warnung, Reaktorbruch steht unmittelbar bevor.“
Der Rhacal kämpfte, versuchte sich aus dem Griff zu befreien und zu entkommen. Vergebens.
Der imperiale Botschafter Silverion lehnte sich zurück. Ruhe breitete sich in ihm aus, der Schmerz war vergessen, während er zur Temperaturanzeige des Reaktors schaute. Dann holte er tief Luft und blickte an dem Rhacal vorbei, an den glatten Felswänden hoch zum majestätischen blauen Himmel. Sonnenstrahlen tasteten sich zögerlich in den schmalen Spalt. „Ultima ratio regio,“ flüsterte er.
Dann ging ein kräftiger Stoss durch das Wrack. Ein Donnerschlag fuhr durch die Kanzel, helles sonnengleiches Licht erstrahlte und anschließend kam nur die ewige Dunkelheit.
