Aus dem Alltag einer Basis

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Inhaltsverzeichnis

Der Test

Er keuchte heftig, doch er musste weiter. Er rannte was das Zeug hielt. Die Schläuche behinderten ihn nicht mehr. Die Kabel, die von seinem geschundenen Körper wegführten bemerkte er schon gar nicht mehr.

"Los schneller" erbarmungslos wurde Sherlock angetrieben. Ein kurzer Seitenblick ließ ihn erkennen, daß sein Adjutant auch ins Schwitzen gekommen war. Er hatte sich merklich besser geschlagen bisher, aber nun...das leichte Leben hatte eben seine Spuren hinterlassen.

Ihr Peiniger war dicht hinter ihnen. Er betrachtete scheinbar ungerührt seine Opfer. Mühelos schritt er vor Sherlock und justierte eines der Kabel. Warum sollte er auch Mühe haben...er lief ja nicht auf einer dieser Höllenmaschinen...er musste ja nicht auf einem Laufband rennen wie ein verdammter Hamster. Sherlock kam kurz aus dem Tritt, fing sich aber rechtzeitig.

"Nana, nicht nachlassen." Salom0n hob missbilligend die linke Augenbraue. Er blickte wieder auf sein Klemmbrett und verglich die Daten mit der Anzeige des Laufbandes.

"Ihr habt ein bisschen geschummelt, bei der Angabe Eurer Daten, oder?"

"...." Sherlock wollte antworten, konnte aber nicht, der Schlauch der seine Atmung messen sollte, hinderte ihn effektiv am Sprechen.

"So, fünf Minuten sind um...langsam auslaufen...NICHT hinlegen...weiter bewegen."

Sherlock war erleichtert, gleichzeitig aber auch bestürzt. Nur fünf Minuten? Es war ihm vorgekommen wie eine Ewigkeit.

"So jetzt zu den Koordinationstests. Wir...nein, Ihr werdet einige isometrische Übungen durchführen. Dadurch werden wir feststellen, ob Ihr fit genug seid, Droiden zu steuern."

"..." Sherlock wollte protestieren, natürlich waren sie fit genug. Sie hatten beide schon Dragoon gesteuert. Der verdammte Schlauch war immer noch in seinem Mund. Er wollte den Schlauch entfernen, und bekam dafür einen Schlag mit dem Klemmbrett auf seinen Hinterkopf "Nicht abmachen!"

Die Tests gingen weiter...Sherlock und sein Adjutant mussten seltsame Fragen und hochnotpeinliche Prüfungen über sich ergehen lassen. Doch am Ende des Tages rief Salom0n die beiden in seinen Raum.

Schweigend betrachtete er die beiden. "Habt Ihr das Zeug dazu?"

"SIR, JA, SIR" wie aus einem Mund kam die Antwort.

Salom0n schwieg wieder. Sein Blick wanderte zwischen den Prüfungsbögen und den beiden Männern vor ihm hin und her. Er schien vor einer schweren Entscheidung zu stehen.

"OK, wir wollen es mal probieren mit Euch"

Sherlock stieß erleichtert die Luft aus, die seine Lungen die vergangene Minute hatte brennen lassen. "Wir haben es geschafft!" Er umarmte seinen Freund und Ajutanten aus vollem Herzen.

Salom0n kam hinter seinem Schreibtisch hervor und schüttelte beiden die Hand. "Gratuliere, in zwei Tagen seid Ihr offizielles Mitglied von [SEUCHE]"

Und es war Sommer

Die Montiore blieben schwarz. Gedämpft kam die Stimme des Technikers von unterhalb des Pultes "..und jetzt?" Sherlock schüttelte den Kopf. Der Adjutant sagte "Nein, immer noch nichts"

Diese Störung ging nun schon seit einer Stunde...keines der Instrumente, keines der Kommunikationsmittel war funktionsfähig. Die Techniker arbeiteten fieberhaft an der Lösung des Problems, mittlerweile näherten sich die unwissenden Auslagerungskontingente, die das ganze WOchenende unterwegs gewesen waren, der fest verschlossenen Basis. Die Katastrophe würde enorme Konsequenzen haben. Sherlock schüttelte traurig den Kopf.

"Was ist denn nun, habt Ihr wenigstens die Ursache gefunden?" "Sir, nein, Sir"

Er wußte es war unmöglich, aber Sherlock konnte fast schon hören, wie die Kontingente gegen die Hangarwand krachten... Die Piloten waren es gewohnt mit Vollgas in den Hangar zu kommen. Das galt als besonders männlich. Diesmal würde es wohl besonders tödlich sein...zumindest für die Droiden. Gemäß dem auf Papier festgehaltenem Zeitplan mussten bereits 3 Kontingente zerschellt sein...Trümmer würden Piloten nicht davon abhalten auf den Hangar zuzusteuern...das ließ ihr Stolz nicht zu. Leider hatte Sherlock keine Möglichkeit die Zustände vor dem Hangar zu prüfen, er war im Kommandoraum eingeschlossen, die gesamte Elektronik der Basis hatte versagt. Zum Glück war die Luftversorgung über ein autarkes System gesichert.

Gemäß Zeitplan waren nun zwei weitere Kontingente angekommen...Sherlock war den Tränen nahe...zum ersten mal seit langer Zeit griff er nach seinem Revolver.

Dann kamen endlich die erlösenden Worte:"Wir sind Online!"

Sofort stürzte Sherlock sich auf den Statusmonitor und las die Meldungen seiner zentralen KI. "Das kann nicht stimmen. Sind wir wirklich Online? Warum ist noch keines unserer Kontis angekommen? Ich hasse Montagmorgen...muss denn alles schief gehen?"

"Sir, alle Systeme sind im grünen Bereich, wir erhalten positive Statusmeldungen von allen Stationen. Dies sind echte Daten." Sherlock prüfte das Missionszentrum, er war etwas aus der Übung, aber er fand sich schließlich doch zurecht. "Die Kontingente sind noch unterwegs? Wie kommt das, die hätten um 8 Uhr eintreffen müssen. Warum kommen die um 9?"

"Sir, ich denke, wir haben etwas übersehen..Sir" Der Adjutant grinste.

"Nun sag schon Watson, was haben wir übersehen?"

"Sommerzeit, Sir"

Die Bar

Sherlock hatte sich ein Herz gefasst und war in die Bar gegangen, von der alle Commander ihm vorgeschwärmt hatten. Sie war berühmt berüchtigt. Berühmt für das durchaus illustre Publikum, berüchtigt für die Mörder und Vergewaltiger, die sich dort in ihren dunklen Ecken herumtrieben. Letztere hatten Sherlock bisher davon abgehalten sie zu betreten.

Aber heute war Sherlock beherzt durch die Eingangstür gegangen und war von den ungläubigen Blicken die ihm begegneten angenehm Überrascht.

Einige der Anwesenden erkannte er sofort, diese begrüßten ihn auch herzlich und luden ihn in an ihren Stammtisch ein, allen voran seine Clankameraden, denen er nun zum ersten Mal von Angesicht zu Angesicht gegenüber stand.

Gerührt nahm Sherlock die Ratschläge zur Speisekarte entgegen und macht sich sofort daran sich einen Cocktail auszusuchen, als er aus dem Augenwinkel eine seltsame Bewegung wahrnahm. Rechts von ihm war ein Stammtisch mit einem nur zu bekannten Wimpel als Kennzeichnung.

Die Schattenhand? Unfassbar, so offen zeigten sie sich? Kurz trat Sherlock an ihren Tisch und ließ sie wissen, daß er nun auch Gast der Bar sei und um seiner Verachtung für sie Ausdruck zu verleihen, ging dann aber schnell wieder zum Tisch seines Clans zurück.

Er war schon fast wieder in ein Gespräch mit seinen Kollegen vertieft, als sich tatsächlich einer der bekannteren Schatten sich zu ihnen gesellte. Ungläubig registrierte Sherlock, daß keiner seiner Kollegen sich was dabei zu denken schien. Im Gegenteil, man grüßte sich freundlich.

Sherlock fühlt sich allmählich wie in einem Traum, alles schien so irreal. Zumal viele der Anwesenden nur in ihr Glas zu starren schienen, und keine Aktivität aufwiesen.

Schließlich wurde Sherlock zu einem Hinterzimmer geführt, eines von vielen. Auch dieses Zimmer war mit den Insignien seines Clans versehen, und der grimmige Türsteher sorgte offenbar dafür, daß nur Mitglieder des Clans hinein durften.

Hier erläuterte ihm sein Kamerad Targ3t, daß die Bar neutrales Gebiet sei. Hier würde nur mit Worten gefochten, nicht mit Waffengewalt. Die Bar selber, so erklärte Targ3t, übersteige in ihrer Bauweise die Vorstellungskraft der meisten Sterblichen. Sie sei vom Imperator persönlich entworfen und zum Teil auch erbaut worden.

Ehrfürchtig hatte Sherlock diesen Worten gelauscht, als er auch in das letzte Mysterium der Bar eingeführt wurde: Die Privaträume.

Sein imperialer Kollege Milten, der auch in der Bar war, hatte ihn um eine Unterredung gebeten, und ihm dazu in einen der Privaträume eingeladen. Hier konnten sie ungestört über ihr Vorhaben in Bezug auf zukünftige imperiale Einsätze diskutieren.

Am Ende des langen Abends schließlich fühlte sich Sherlock schon wie zu Hause...und er musste sich an ein Gespräch erinnern, daß er Anfangs mit Donky hatte:

<[SEUCHE]Sherlock> ach und saufen tut ihr also auch hier? <Donky> hier wird alles gemacht <Donky> warte ne woche und du bist wie wir


Morgen würde Sherlock wieder kommen in die IRCBar.

Verkehr

Der Anblick war atemberaubend.

Nie hatte sich Sherlock daran satt sehen können. Wann immer er konnte stieg er auf den höchsten noch stehenden Turm und beobachtete das Treiben rund um seine Basis.

Gerade rannte ein Dragoonkontingent vorbei und hinterließ eine Staubwolke, so daß Sherlock in eine andere Richtung schaute. Etwas gemächlicher war dort ein Mergerkontingent unterwegs, dicht gefolgt von ein paar Dexons.

Ein dumpfes Grollen hinter ihm ließ ein Solaronkontingent erahnen, welches südwestlich der Basis auf Reisen war.

Früher konnte man mit nur etwas Glück beobachten, wie ein solches Kontingent urplötzlich in strahlendes Licht gebadet und schließlich zu Asche verbrannt wurde...PVG-Beschüsse hatte eine übernatürliche Schönheit, die nur durch die Auflösung einer Basis durch die imperiale Kanonenione übertroffen wurde.

Aber auch Raketenbeschüsse waren noch bis vor wenigen Monaten regelmäßig zu beobachten gewesen. Wie weiße, durch einen Stift an den Himmel gemalte, Linien schlugen Raketen zu dutzenden in Kontingente ein, um dann in Feuerblumen zu verglühen.

Sherlock hatte solche Momente genossen. Sein Adjutant hatte immer wieder vor Querschlägern gewarnt, aber er hatte die Warnungen in den Wind geschlagen. Heute war er froh darum, denn was man dieser Tage zu sehen bekam waren lediglich hunderte von Transportkontingenten, die von den verschiedenen Basen aus ihre Schleifen zogen.

Twilight Zone

"Sind die echt?" Sherlock klopfte vorsichtig gegen das Bein des mächtigen Kampfdroiden. Sein Adjutant hielt vorsichtig Abstand, die Klonabwehr des Rhacal war möglichweise aktiv. "SIR, JAWOHL, SIR!" der UvD des Hangars war neu in der Basis, er brüllte seine Antworten noch so zackig wie in der Grundausbildung.

Sherlock ging staunend um den Rhacal herum. Solaron hatte er schon genug gesehen, aber einen Rhacal hatte er aus der Nähe noch nie betrachten dürfen.

"Und wo kommen die her? Wer hat die uns überführt? Ich meine Clanunterstützung schön und gut, wir essen jeden Tag Salat in Öl und meine Haut ist auch schon ganz zart und geschmeidig, aber das hier..." vor Rührung versagte Sherlocks Stimme.

"SIR, WIR HABEN KEINEN ABSENDER ERMITTELN KÖNNEN, SIR!" Sherlock hielt sich die Ohren zu. "Au, es ist noch so früh am Morgen, können wir den Kasernenton bitte erst Nachmittags einschalten?"

"SIR...jawohl, Sir!" "Schon besser...also kein Absender ermittelbar? Wann sin die denn angekommen?" "Sir, auch dazu kann ich keine Informationen geben. Sie waren plötzlich einfach da....Sir" "Ach komm, Du bist bestimmt einfach eingeschlafen, und die sind zufällig dann angekommen. Zeig mal das Überwachungsvideo"

"Sir, ich habe nicht geschlafen. Auch das Video zeigt nur, wie sie plötzlich erschienen sind. Ausserdem hat mein Kollege vom Aussenterrain Ihnen auch etwas zu zeigen. Sir"

"Was kann das denn sein? Da stehen doch nur ein paar Ersatzdroiden rum."

Sherlock stieg gespannt in sein Golfcart und zuckelte zum Aussenterrain.

Er traute seinen Augen nicht, als er dort 16 Reihen von je fünf Sordron erblickte. Sie sahen fabrikneu aus...

Er hyperventilierte...seine Knie gaben nach...das letzte was er sah war der UvD, der besorgt auf ihn zu rannte.

Sonnenaufgang

Er stand wieder einmal auf dem kleinen Balkon neben den Hangartoren. Wie oft hatte er schon von hier aus versucht den Droidenpiloten per - mehr oder weniger hektischen - Handzeichen versucht zu signalisieren, daß kein Platz mehr frei war. Heute stand er jedoch hier, weil sein Adjutant wieder mal eine Überraschung vorbereitet hatte. Sherlock freute sich, üblicherweise waren diese Überraschungen positiver Natur. Wehmütig dachte er an vergangene Tage als sich die Hangartore rumpelnd öffneten. Danach geschah eine Weile nichts, doch plötzlich ertönte ein dumpfes Dröhnen aus dem Basisinneren. Wieder Stille.

Dann wieder das Dröhnen, und wieder und wieder. Erstaunt zog Sherlock seine Augenbrauen hoch. Sollte etwa die Hangarkapazität per Sprengladungen erhöht werden?

Doch dann erschien eine gewaltige Silhouette im Hangareingang. Ergriffen beobachtete Sherlock wie der Droide auf den Vorplatz trat. Mit in den Nacken gelegtem Kopf schaute Sherlock hinauf zur Pilotenkanzel. Von dort winkte ihm sein Adjutant zu.

Tränen der Rührung liefen sein Gesicht herab. Der erste Solaron. Jetzt brauchte er nur noch Selenium um die Produktion nicht abreissen zu lassen. Er erinnerte sich an die Versprechen einiger befreundeter Kommandaten ihm zu Hilfe zu kommen, falls es jemals soweit sein würde....

Akronyme

"Aaah!" er sprang entsetzt zur Seite. Der Laserstrahl war in die Ecke hinter ihm eingeschlagen. Entsetzt blickte Sherlock um sich. Waren die Feinde bereits in die Basis eingedrungen? Warum war kein Alarm zu hören? Und was roch jetzt plötzlich so eklig nach verbranntem Fleisch?

Sherlock zog sich hastig seine Kampfmontur an und rannte, Commandocodes in seinen Handkommunikator brüllend, aus seinem Zimmer. Er hämmerte die Zahlenkombination in den Waffenschrank auf dem Flur und griff sich eine Handfeuerwaffe und ein paar Lähmungsgranaten. Noch immer war kein Alarm zu hören.

Auf dem Weg zum Kommandozentrum begegnete ihm keine Menschenseele. War er allein in der Basis? Womöglich hatte ein Überfall stattgefudnen, der dem gesamten Personal das Leben gekostet hatte.

Wieder blitze ein Laser an ihm vorbei. Mehr oder weniger geschickt rollte sich Sherlock über seine Nase ab und feuerte in die Richtung aus der der Schuß gekommen war. Es war jedoch kein Gegner in Sicht und der Gang in dem er war erstreckte sich 20 Meter vor und hinter ihm ohne eine Biegung.

"Verflucht, jetzt sehe ich doch Durins Geister!" schoß es durch Sherlocks Kopf. Gleich darauf schoß ein Laser neben seinem Kopf und fetter Rauch stieg von der Einschlagstelle auf.

Sherlock rieb sich seine schmerzende Nase und rannte weiter zum Kommandozentrum. Langsam fühlte er sich wie in einem Traum. Die Flure waren länger als gewohnt. Normalerweise waren aber auch ständig Leute des Bodenpersonals hier unterwegs. Besonders so nah am Kommandozentrum.

Hier hätte sein Adjutant mit einem Kaffe auf ihn gewartet und ihm die Berichte der letzten Schicht vorgetragen. Dort hätte die schnucklige Sekretärin am Kopierer gestanden. Sherlock schluckte seine Trauer runter und stürmte in das Kommandozentrum.

Etwas war falsch. Verwirrt blieb Sherlock stehen. Das Licht war aus. Aber im Rest der Basis war definitiv noch Strom gewesen.

Plötzlich zuckte erneut ein Laser durch die Dunkelheit und blendete ihn. Dann wurde das Licht eingeschaltet.

"ÜBERRASCHUNG!!!" Seine Untergebenen hatten sich hier versammelt und gratulierten Sherlock zu irgendeinem Ereignis. Einige deuteten auf einen Käfig in der Raummitte.

Schließlich gelang es Sherlock seinen Adjutanten beiseite zu nehmen und ihn zu fragen, was eigentlich los war.

"Sir, wir haben in der Nacht die HTs fertiggestellt. Zusätzlich zum HT-Vollausbau-Paket haben wir PTs für die IRSB eingebaut, Sir"

"PTs? IRSB? Was sind HTs?" Bei Sherlock machte sich die Ermüdung nach einem starken Adrenalinschub bemerkbar.

"Die Prismentunnel für die Innenraumschädlingsbekämpfung der Helixtürme, Sir" wie selbstverständlich hatte der Adjutant die Abkürzungen erklärt.

Langsam dämmerte es Sherlock. "Wir haben Helixtürme? Was ist mit dem Käfig?"

"Da war eine Ratte drin, Sir." Der Adjutant verstand nun langsam, was es mit dem panischen Gebrüll auf sich hatte, daß vor wenigen Minuten über das Interkom kam.

Der lange Marsch

Der Weg war beschwerlich und mühsam. Die Gegend rauh und ungastlich. Müde hob Sherlock seinen Kopf und fragte: "Sind wir schon da?" Sein Adjutant, der sich bereit erklärt hatte die erste Schicht am Steuer zu übernehmen, sagte nur noch "Nein" - Offenbar hatte die Fragerei der letzten Stunden bereits kräftig an seinem Nervenkostüm gezehrt.

Die Maßnahme war notwendig geworden. Die bevorstehenden geographischen Veränderungen der Clanlands würden das filligrane Gefüge aus Nichtangriffspakten und Bündnissen erschüttern, wenn nicht sogar zerstören. Sherlock hatte sich vorgenommen diesen schweren Zeiten nicht ohne erweiterte Rückendeckung durch seinen Clan entgegenzutreten.

Sherlock schreckte aus seinen tiefen Gedanken hoch: "Sind wir schon da?"

"Sir, wenn Sie mich noch ein mal fragen, ob wir schon da sind, obwohl sie genau wissen, daß wir erst drei Stunden von unserer dreitägigen Reise hinter uns haben, kann ich für nichts mehr garantieren....Sir" das letzte Wort presste der Adjutant nur noch mühsam beherrscht zwischen seinen zusammengebissenen Zähnen heraus.

Sherlock sank zurück in seinen Sessel. Er seufzte schwer. Es war unmöglich für ihn die Langeweile auszuhalten, die ihn überkam. Er kontaktierte seinen Anführer.

"Erhabener, ich befinde mich auf dem Weg zum..." "Boah, Du nervst, Sherlock. Ich hab wichtigeres zu tun, als mir anhören zu müssen, daß Du gerade Hügel xy überquert hast. Sag bescheid, wenn Du ankommst, und bis dahin lass mich in Ruhe!" "Einen Moment Bitte, Erhabener" Sherlock wandte sich seinem Adjutanten zu "Sind wir schon da?"

Der Dragoon kam abrupt zum stehen und nur mit Mühe konnten die folgenden Droiden des Kontigents die Kollision verhindern.

Weit entfernt, in seiner Basis riß Salom0n sich das Headset vom Kopf, der gellende Schrei des Adjutanten würde ihm noch einige Tage in den Ohren klingeln.

Der Blick nach vorne

Der Fortschritt hatte einige Opfer gekostet, das war schon immer so. Sherlock konnte sich an einige Beispiele dafür erinnern.

Er saß mit seinem Adjutanten in der Offiziersmesse und aß seinen Salat während er dem Bericht seines Adjutanten lauschte. "...und Senza Torre wird demnächst nur noch eine Name aus alten Zeiten sein, Sir!" Sherlock seufzte, auch wenn er durch Senza Torre nur einmal Unterstützung erfahren hatte, und das auch nur in Form von Geheimdienstberichten, war diese Neuigkeit dennoch hart. Drei Wochen hatte Sherlock das Kommando über seine Basis einem Clankameraden überlassen. Nach seiner Rückkehr hatte er die angekündigten Technologieupgrades des Imperiums vorgefunden, die er ja bereits ausführlich hatte testen können. Was er jedoch vermisste, waren seine Kampfgefährten, mit denen er noch einen Monat vorher im Namen des Imperiums gegen das Böse angetreten war. Naja, es nutzte nichts sich in Sentimentalitäten zu verlieren, es würden sich andere wackere Kämpfer finden. "Unser Geheimdienst hat übrigens den Verbleib von Stormin aufklären können,Sir" Sherlock wurde aus seinen Gedanken gerissen. "Was ist mit ihm?" "Sir, offenbar hat er sich aus dem aktiven Dienst zurückgezogen." Sherlock schüttelte traurig den Kopf, "Als nächstes erzählst Du mir noch, daß Milten auch fort ist..." "Das, Sir, entspricht den Fakten. Milten wurde von den Schatten eliminiert...Sir" Sherlock sackte ein wenig in seinem Stuhl zusammen und schwieg eine Weile. "War ich wirklich nur drei Wochen weg?" fragte er leise. "Ja Sir, es ist viel geschehen." auch der Adjutant machte einen etwas deprimierten Eindruck. "Unsere Anfragen nach neuen Aufträgen blieben bisher von Lord Ungrimm unbeantwortet, nehme ich an?" "Ja, Sir. Er hat sich offenbar etwas in den Hintergrund gesetzt. Es ist bisher unklar, wer an seine Stelle getreten ist. Das Imperium scheint zur Zeit erstarrt zu sein. Die technologischen Neuerungen verlangen die volle Aufmerksamkeit des Imperators und die Schatten scheinen glücklicherweise nicht in der Lage die Situation für sich Nutzen zu können."

Sherlock starrte auf die Reste seines Salates, der Appetit war ihm vergangen. Sein Adjutant berichtete jedoch gnadenlos weiter, was sich in der Welt getan hatte, während Sherlock antike Schauplätze der Weltgeschichte besucht hatte: "Einige Mitglieder unseres Mutterclans haben angekündigt sich eventuell aus dem Dienst zurückzuziehen" Sherlock verzog das Gesicht, "Bitte keine Namen, das halte ich nicht aus. Wie sieht es in unserem Clan aus?" "Nicht viel besser, Sir. Aber es gibt Konsolidierungsmaßnahmen, die die Struktur des Clans verschlanken und den Clan insgesamt streitbarer machen sollen" Sherlock nickte grimmig, "Immerhin etwas" "Nun zur allgemeinen Situation. Der durch die imperialen Strategen angeordnete Massenumzug, der zur Folge hatte daß die Basen näher aneinender rückten war ein voller Erfolg. Tatsächlich haben die neu ermittelten Quadranten ein deutliche Zunahme der Basenanzahl gemeldet." Der Adjutant machte eine dramatische Pause "Seitdem jedoch sind in einigen Quadranten dramatische Rückgänge an aktiven Kommandanten zu verzeichnen. Immer mehr zerstörte ZKIs werden gemeldet. Jetzt gibt es bereits wieder Quadranten, die denen vor der sogenannten Zusammenschiebung sehr ähnlich sehen. Ob die Maßnahme geeignet ist, sich den Aliens besser entgegenzustellen, konnte bisher nicht bestätigt werden." "Ja, wie ist es eigentlich mit den verfluchten Skasim, gibt es eine bessere Waffe gegen sie?" "Nein, Sir, leider nicht. Die Skasim scheinen im Gegenteil selber eine neue Strategie zu verfolgen. Sie errichten in immer mehr Quadranten zusätzliche Basen, die jedoch nicht so gut ausgebaut zu sein scheinen wie die Hauptbasen. In unserem Quadranten jedoch gibt es noch keine Hinweise auf solche Basen, Sir." Sherlock atmete tief ein. "Viele Neuigkeiten, manche von ihnen deprimierend, aber jetzt müssen wir in die Zukunft schauen. Das Imperium braucht uns."

"Eines noch, Sir. Offenbar hat die Kaiserin abgedankt. Sie hat beschlossen als gewöhnlicher Basenkommandant dem Imperium oder anderen Zielen zu dienen." Sherlock starrte seinen Adjutanten an. "Du scherzt, oder?" Sollte es etwa möglich sein, daß er, Sherlock, seiner angebeteten bei einem gewöhnlichen Treffen unter Kommandanten begegnen würde.

Sherlock verlor sich in Tagträumen.

Die Nachricht

Es war Ruhe eingekehrt in der Baker Street. Wie sich zeigen sollte eine trügerische Ruhe.

"Wie weit sind die Vorbereitungen für die Umsetzung der Baupläne des neuen Droiden?" Sherlock hatte zur allgemeinen Lagebesprechung geladen. Er hatte sich von den schlaflosen Nächten, die er mit der Entschlüsselung der Schattenbotschaften verbracht hatte erholt, und setzte nun alles daran, seine Basis auf Vordermann zu bringen.

Sein Adjutant und die Leiter der verschiedenen Basisbereiche hatte Infopads mit den wichtigsten Informationen zusammengestellt und waren bereit sie zu präsentieren.
"Sir, wir haben die Arbeiten an Lift, Kommunikation und Missionszentrum abgeschlossen. Wir konzentrieren uns nun auf die Fabrik."
Sherlock nickte zufrieden und sah seinen Bergbauchefingenieur an "Wie läuft es bei Euch?"

"Sir, wir würden gerne erweitern, aber zur Zeit fehlen einfach Rohstoffe"
Sherlock winkte ab "Darum habe ich mich gekümmert die Solaronkontingente wurden beauftragt neue Farmen zu finden, die noch nicht so erschöpft sind, wie unsere bisherigen."
An dieser Stelle räusperte sich Sherlocks Adjutant und bat ums Wort. Mit einer holdvollen Geste gestatte Sherlock ihm zu sprechen. Diese Geste hatte er in einem alten 2D Film gesehen, er erinnerte sich nicht mehr and en Titel, aber die Hauptperson war Julius Caesar gewesen, ein oder besser der römische Feldherr.
"...Nachricht erhalten." Sherlock hatte die einleitenden Worte des Adjutanten verträumt, wurde aber Aufmerksam. "Wieder von den Schatten?" "Nein, Sir" er räusperte sich wieder "Offenbar ist eines unserer Farmkontingente auf unerwartete Wiederstand gestoßen." Er machte eine dramatische Pause "Sir, die Nachricht stammt vom Imperium, sie ist mit dem imperialen Kommandantenschlüssel versehen und nur durch Ihren Schlüssel zu dechiffrieren."
Sherlock wurde sichtlich nervös "Na, dann her damit auf mein Pad, ZackZack!"
Der Adjutant tippte ein paar mal auf sein Pad und nach kurzer Wartezeit war auf Sherlocks Pad eine nen Nachricht zu sehen. Sherlock lies seinen Daumen scann und tippte eine PIN ein, wobei er umständlich darauf bedacht war, daß keiner die getippten Ziffern sehen konnte. Schließlich öffnete sich die Nachricht:


Im Namen des Imperators,
Commander [hier Name des Commanders einsetzen], Deine unermüdlichen Bemühungen im Kampf haben sich ausgezahlt.
Mit sofortiger Wirkung wird Dir der Titel eines Sergeant verliehen.

Du bist hiermit berechtigt, in allen offiziellen und inoffiziellen Dokumenten den Titel [hier Titel einsetzen] zu führen.
Ferner darfst Du darauf bestehen, mit Sergeant angesprochen zu werden.

gez. im Auftrag des Imperators
-unleserlich-


Sherlock sah über die Unzulänglichkeiten des Serienbriefs hinweg, er war zu gerührt. Vollkommen unbeabsichtigt war er nun in die Unteroffiziersränge aufgestiegen.

Klonkriege

Wachablösung.
Sherlock hatte sich mal wieder selbst als Offizier vom Dienst eingetragen. Er wollte wieder etwas von der Spannung und dem Nervenkitzel verspüren, wie damals, als er noch keine Untergebenen hatte und die Basis praktisch alleine geleitet hatte.
"Nun, irgendwelche besonderen Vorkommnisse?"
"Sir, nein, Sir" der Kadett hatte bereits mehrere Schichten als OvD absolviert, er musste sich also auskennen. Sherlock vertraute ihm und entließ ihn mit einer huldvollen Geste in den wohlverdienten Feierabend.

Nach gut 10 Minuten des ereignislosen Wartens beschloss Sherlock dennoch mal in die Logbücher zu schauen.
Die Minen meldeten ungestörte Produktion, die Auslagerungskontingente liefen auf ihren planmäßigen Bahnen. Die Angriffskontingente liefen auf 90% Auslastung, ein relativ guter Wert, die Kampfpiloten konnten auf diese Art Ruhen und dennoch im Training bleiben.

Sherlock wollte eigentlich zu einem zufriedenen Nickerchen ansetzen, als ihm einfiel, daß er ja noch ein weiteres Logbuch durchzusehen hatte. "Da kann doch auch nicht viel passiert sein" murmelte er vor sich hin. Dennoch öffnete er die Datei des Geheimdienstzentrums.

Sherlock stand sofort kerzengrade in seinem Stuhl. "Allein die letzten zwei Tage 15 bestätigte und 10 unbestätigte Klonangriffe auf unsere Basis!" Sherlock schaute fassungslos auf diesen Bericht. Warum hatte keiner das gemeldet? Offenbar gab es unter den Rohstoffen keine Verluste, bei den Droiden erwischte es allerdings immer wieder den einen oder anderen. Sherlock ließ sich schwer in seinen Stuhl fallen.

"Warum hat mir keiner was von der erhöhten Klonaktivität am Wochenende berichtet?" Sherlock hatte einfach das Interkom für die gesamte Basis verwendet, somit wurde diese Frage dröhnend verstärkt in die gesamte Basis geleitet.

Er beschloss sämtliche Berichte der aufgedeckten Klonmissionen zu lesen, bis er eine Antwort bekam. Es war erschreckend, hier ein Solaron, da mal zwei...sogar ein Farmkontingent war nach seiner Rückkehr Opfer von Klonangriffen geworden. Sherlock atmete zischend aus. Ein Dragoonkontingent hatte das ganze Wochenende unbemerkt im Aussenterrain verbracht, unbemerkt sowohl von Feinden als auch dem Wachhabenden. Offenkundig hatte das automatische Droidenleitsystem versagt. Und dann hatte endlich doch ein Feind Klone auf dieses Kontingent losgelassen. Sherlock schüttelte traurig den Kopf.

Die Tür zum Kommandoraum öffnete sich und mit fragender Miene betrat sein Adjutant den Raum. "Gibt es Unklarheiten, Sir?"

"Hast du das gewusst?" Sherlock deutete auf die Bildschirme, die mit Berichten zu Klonangriffen gefüllt waren.

"Aber ja, Sir. Sie wurden auch informiert. Seit gut zwei Montaten ist die Klonaktivität um 400% gestiegen. Das Briefing dazu fand vor 5 Wochen statt. Seit wir uns zum Imperium bekannt haben, nahm die Klonaktivität rapide zu, Sir."

Sherlock wühlte in den Tiefen seines Gedächtnisses, aber er konnte nur eine blasse Ahnung von diesem Briefing finden.

"Was soll denn die Klonerei? Ich verstehs nicht, das macht doch alles keinen Sinn."
"Sir, offenbar ist es günstiger mit Klonen Droiden zu zerstören, als mit einem eigenen Kontingent."
"Aber...das ist doch irgendwie langweilig, oder nicht?"
"Das schon, Sir, aber es gibt auch Vorteile für den Angreifer. Es wurden Prämien auf zerstörte Droiden ausgesetzt, sowohl vom Imperator, als auch vom Anführer der Schatten. Diese Kopfgelder können auch durch simple Sabotage erreicht werden. Das ist alles, Sir." Der Adjutant dachte kurz über seinen nächsten Satz nach "Ich bin der Meinung, wir brauchen die aktuelle Situation nicht persönlich zu nehmen, auch empfehle ich sie nicht allzu Ernst zu nehmen. Wir sollten einfach unsere Klonabwehr verstärken, und ebenfalls Klone verwenden."

"Aber ohne Gegenwehr macht das doch alles keinen Spaß mehr, wozu das Ganze?"
"Sir, die Zeiten ändern sich."
Sherlock schüttelte traurig den Kopf. Unter diesen Umständen würde er keine Wache mehr übernehmen, es würde ja doch keine Spannung aufkommen.

Genervt griff er wieder zum Interkom.

"WACHABLÖSUNG!!"

Das Imperium schlägt zurück

Seine Augen brannten, sein Rücken schmerzte. Mühsam richtete Sherlock sich auf und legte die Lupe beiseite. Schon wieder musste er niesen. Er leckte sich seine vor Trockenheit rissigen Lippen. Das das Studium der alten Dokumente so mühselig sein würde, hatte er nicht erwartet. Lord Ungrimm hatte versichert, die fraglichen Dokumente wären unter den bestmöglichen Bedingungen aufbewahrt worden. Leider hatte Sherlock herausfinden müssen, daß die bestmöglichen Bedingungen nicht ganz den Bedingungen in einem Reinraum entsprachen.

Sein Auftrag war gewesen, Berichte von Zeitgenossen der Gründer des "Netzwerks" - der späteren Schattenhand - zu sichten und nach Hinweisen auf mögliche Verstecke der momentanen Führungsclique zu suchen. Zunächst hatte Sherlock mit Begeisterung den Auftrag angenommen. Die Ernüchterung kam jedoch schon bald, als er sah, in welchem Zustand dieser abgeschottete Teil der kaiserlichen Bibliothek war. Selten verirrte sich jemand hierher. Dies hatte zum Einen damit zu tun, daß der Bereich nur mit Sondererlaubnis zu betreten war, aber auch damit, daß es keinen entlegeneren Winkel in der Bibliothek gab als diesen. Entsprechend schlecht war der Zustand der Räumlichkeiten. Sie waren nicht im mindesten vergleichbar mit den hellen und gut durchlüfteten Lesesälen und Buchspeichern der restlichen Bibliothek. Hier war alles dunkel, die wenigen Fenster waren zugemauert worden, um einen Zugang von außen zu erschweren. Die Beleuchtung war wohl in früheren Zeiten ausreichend, doch die Wartungstechniker hatten keinen Zugang zu dieser Abteilung, und demzufolge wurden ausgebrannte Lampen nur selten getauscht. Sherlock hatte sich mit einer Taschenlampe einen Weg durch die ungeordneten Bücherhaufen bahnen müssen.

Anfangs hatte wohl ein gewissenhafter Bibliothekar auch hier versucht eine gewisse Ordnung aufrecht zu erhalten. Mit der Zeit jedoch waren die Bücher nur noch auf den nächsten Stapel gelegt worden. Im Lauf der Jahrhunderte war so der Zugang zu den Regalen komplett versperrt worden. Auch wenn Sherlock kein Interesse an den Büchern jüngeren Datums hatte, räumte er sie dennoch sorgfältig zur Seite. "Man kann ja nie wissen" hatte er vor sich hingemurmelt.

Doch das lag nun eine gute Woche zurück. Mittlerweile hatte Sherlock sich angewöhnt einen Mundschutz zu tragen. Der Staub von Jahrhunderten war allgegenwärtig. Er bewegte sich in Zeitlupe, um nicht mehr Staub aufzuwirbeln als unbedingt nötig.

Er hatte nur geringe Fortschritte gemacht. Die Bücher waren voll mit übelster Propaganda und Polemik gegen den Imperator. Ausserdem hatte die Schattenhand schon damals einen Hang zum mystisch-magischen, was zu einer Unmenge von Schilderungen der Rituale, Beschwörungen und Wunder der Anhänger Sundukars führte. "Hokuspokus" hatte Sherlock gedacht, auch wenn einige der Schilderungen von Quellen stammten, die als glaubwürdig klassifiziert worden waren. Sherlock hielt diese Quellen jedoch für Mitglieder des dunklen Pfads, die geschickt diese Desinformation streuten, um Furcht in den Reihen des Imperiums zu schüren.

Sherlock hatte eine Zeitlinie erstellt, um sich einen Überblick darüber zu verschaffen, ob bestimmte Berichte gehäuft auftraten. Dabei war ihm aufgefallen, daß mit der zweiten Welle von Hokuspokus-Berichten auch Beobachtungen veröffentlicht wurden, die nicht den Schatten zugeschrieben wurden. Dennoch waren es Gräueltaten, die Ritualcharakter besaßen. Sherlock hatte diese Augenzeugenberichte zur späteren Begutachtung beiseite gelegt. Auch wenn unter den Opfern vornehmlich bekennende oder vermutete Schatten waren, so waren auch Unschuldige beteiligt gewesen. Die Bibliothekare hatten diese Bücher in die "Düstere Abteilung" (dieser Name hätte ihn hellhörig werden lassen sollen) gebracht, weil sie ihnen scheußlich genug erschienen um sie den Schatten zuzuordnen.

Sherlock bezeichnete die Täter dieser Ritualmorde als "Gruppierung X" denn sie waren nicht eindeutig den Schatten zuzuordnen, weil ihre Symbolik seltsamerweise imperiale Züge trug, was aber auch auf eine gewisse Phantasielosigkeit dieser Menschen zurückzuführen war.

Immer noch schmerzte der Rücken von der vornübergebeugten Haltung, die er beim entziffern der alten Texte einnehmen musste. Eine Pause war mehr als überfällig.

Sherlock stand ächzend auf und beschloß endlich mal die Kneipe zu besuchen, die ihm ein Freund vor ein paar Jahren empfohlen hatte.

Auf der Straße klopfte sich Sherlock den Staub von der Uniform und steckte den Mundschutz in seine Hemdtasche. Bei jedem Schritt rieselte etwas Staub aus seinen Haaren, die grauer wirkten als sonst.

Nach ein paar Minuten erreichte er in einer kleinen Seitengasse des Tuchmarktes die Kneipe "Die geflügelte Eiviuc". Sherlock stutzte kurz als er den Namen endlich mal geschrieben sah...Von einem Eiviuc hatte er noch nie gehört. Schulterzuckend betrat Sherlock die Kneipe, was eine kleine Staubwolke verursachte.

Es war dunkel im inneren des Etablissements. "Nicht so dunkel wie in der düstern Abteilung" dachte Sherlock grimmig und setzte sich an einen Tisch in einer Ecke.

Auf einen Wink hin kam die Bedienung und fragte übellaunig nach seinem Wunsch. Sherlocks Augen hatten sich mittlerweile an die Dunkelheit gewöhnt und so entgingen ihm die argwöhnischen Blicke der anderen Gäste nicht.

Ihm war nun doch etwas unbehaglich. Er war sich nun sicher einen Fehler gemacht zu haben. Er erinnerte sich nun auch wer ihm eigentlich diese Kneipe empfohlen hatte. Es war Milten gewesen. "Toller Scherz" murmelte Sherlock, Milten hatte ihm offensichtlich eine alte Schattenkneipe empfohlen, und er war ohne Schutz hier reingegangen. "Ganz großes Kino" Sherlock rutschte jetzt etwas unruhig auf seinem Platz hin und her, während er seine Bestellung aufgab.

Aber er konnte seinen Drink ungestört einnehmen. Bis auf das gelegentliche Zischeln von geflüsterten Kommentaren über den frechen Imperialen, nahm man offenbar keine Notiz mehr von ihm.

Sherlock wollte schon einen weiteren Drink bestellen als die Tür aufsprang und ein Mann mit gezückten Waffen hereinsprang. Sofort eröffnete er das Feuer auf den Wirt, der offenbar versucht hatte nach einer unter dem Tresen versteckten Waffe zu greifen.

Die ganze Szene entwickelte sich zu einem unwirklichen Film. Sherlock verfolgte das Geschehen, als würde es in Zeitlupe ablaufen. Die anderen Gäste griffen zu ihren Waffen, wurden jedoch einer nach dem anderen von diesem Fremden niedergestreckt, der die ganze Zeit etwas vor sich hin zu murmeln schien, und mit seinen beiden Waffen in unterschiedliche Richtungen zielte um zwei Gegner gleichzeitig zu treffen.

Wieder fiel einer der Gäste unter seinen Tisch. Zwischen den Schüssen konnte Sherlock den Fremden sogar hören. Es war ein Singsang mit einer komplexen Melodie.

Der Fremde wirbelte herum um die andere Seite der Kneipe mit todbringenden Schüssen zu beharken. Sherlock zuckte zusammen, als der Lauf einer der Waffen in seine Richtung zeigte. Sherlock wünschte sich, daß sein Adjutant bei ihm wäre, um ihm gegen diese Bedrohung zu helfen.

Der Fremde hob kurz eine Augenbraue um dann die letzen beiden Gäste niederzumähen.

Das Gemetzel war schon nach einer Minute vorbei.

Sherlock war verschont worden. Seine Starre löste sich langsam, als der Fremde zu jedem Gast ging und kurz vor ihm hinkniete. Wahrscheinlich um ihnen den Rest zu geben. Sherlock reckte den Hals und sah dann aber, daß jeder der Gäste in den Kopf getroffen worden war.

Die tödliche Treffsicherheit beeindruckte Sherlock. Noch beeindruckender aber war, daß er nun den Singsang des Mörders deutlicher hören konnte. Es waren eindeutig die Worte eines Gebets.

Eines Gebets an den Imperator.

Bei jeder Leiche war der Mann gewesen, und hatte sich kurz hingekniet und sie berührt. Nun kam er auf Sherlock zu, der wieder Starr wurde vor Schreck.

"Du hältst Dich in seltsamen Kreisen auf, Sergeant Sherlock. Wisse, daß ein solch abtrünniges Verhalten nicht geduldet werden kann. Einzig der Tatsache, daß Du nicht die Waffe gegen mich erhoben hast, hast Du zu verdanken, daß Du noch lebst." Er erhob seine Stimme bedrohlich "Obwohl Du Dich in einem Unterschlupf Faeg Cuivies aufgehalten hast, während ich die heilige Flamme der Rache des Großinquisitors über diese verlorenen Seelen gebracht habe." Der Fremde stand nun auf der anderen Seite von Sherlocks Tisch und sein Blick bohrte sich tief in Sherlocks Augen.

Sherlock hielt dem Blick nicht lange stand, ein unheimliches Feuer brannte in den Augen dieses Mannes. Sherlock blickte nach unten und sah ein winziges Abzeichen am Kragen des Mannes. Das Zeichen des Imperators, jedoch mit einer Verzierung, die er erst heute in der Bibliothek gesehen hatte. Kein Zweifel: dieser Fremde gehörte zur "Gruppierung X".

Die Neugier lockerte Sherlocks Zunge "Wer bist Du?"

Der Fremde nahm Haltung an und sprach ein paar archaische Worte, die Sherlock überhaupt nicht verstand. Als der Fremde Sherlocks Verwirrung bemerkte, sagte er schlicht "Ein gläubiger Diener des Imperators"

Er wandte sich um und schickte sich an, die Kneipe zu verlassen. Er drehte sich noch einmal in Sherlocks Richtung "Zwei Dinge, Sergeant Sherlock. Erstens solltest du hier schnell verschwinden, die Rächer der Schatten lassen nicht lange auf sich warten. Und b: sollte ich Dich noch einmal bei den Schatten antreffen, ohne daß Du sie bekämpfst, werde ich Dich töten."

Sherlock sah dem Mann nach und stand schließlich zitternd auf. Jetzt wusste er wer die "Gruppierung X" war, die in ihrer Grausamkeit den Schatten in nichts nachstand. Es war die heilige Inquisition. Erstaunlich, daß sie so lange im Verborgenen hatten wirken können.

Beim Herausgehen wurde Sherlock auch klar, das der Name der Kneipe auf Cuivie hinwies. Was für ein Narr er doch war.

Sherlock beschloß seine Nachforschungen auszuweiten um mehr über diese Inquisitoren herauszufinden. Er war sich noch nicht sicher, was er von ihnen zu halten hatte. Sie waren zweifellos irregeleitete Anhänger des Imperators.

Die Schlacht aus der Ferne

Es herrschte hektisches Treiben in der Basis. Die letzten Tage waren von erhöhter Aktivität geprägt worden. Die Fabrik produzierte pausenlos Kampfdroiden, welche kaum nach Fertigstellung in die Schlacht geworfen wurden.

Sherlock blickte konzentriert auf den Bildschirm vor ihm. Herkömmlicher Wachdienst kam zwar für ihn nicht mehr in Frage, aber die Kampfeinsätze wollte er immer noch persönlich überwachen.

Entgegen seiner sonstigen Gewohnheiten hatte Sherlock drei seiner Solaronkontingente ohne vorherige Kundschafter auf einen Gegner losgelassen. Dies hatte einen einfachen Grund. In der Vergangenheit war es in dieser Basis immer wieder zu Gegenwehr gekommen, die Sherlock Live über die Kommunikatoren seiner Piloten miterleben wollte. Er befürchtete nicht wirklich große Verluste, aber ein gewisses Prickeln blieb dennoch. Das konnte natürlich auch mal ins Auge gehen, aber Sherlock wischte diese Idee beiseite.

Ein Handzeichen seines Adjutanten holte ihn schnell aus seinen Gedanken. Es war soweit.

Der Staffelführer des ersten Kontingents meldete die feindliche Basis in Sichtweite. Nur ein leises Knistern ließ erahnen, daß er nicht im Kommandoraum der Basis sondern in einem Kampfdroiden mehrere Stunden entfernt saß.

"Sir, die Basis scheint unbewacht zu sein." meldete er.

"Angriff!" Sherlock beugte sich leicht nach vorne und ballte seine rechte Faust.

"Befehl bestätigt! Staffel Blau - Angriffsformation Delta Grün" rief der Pilot seinen Staffelkollegen zu.

Tausendmal hatten die Kampfpiloten die verschiednen Formationen trainiert und gingen ohne nachzudenken an den ihnen zugedachten Platz. Sherlock wusste das und wünschte sich eine visuelle Überwachung der Schlacht von einem hochgelegenem Punkt.

"Sir! Der Eingang zur Basis öffnet sich! Offenbar gibt es doch Verteidiger!" die Stimme des Piloten war angespannt aber ruhig.

"Was für Droiden schickt er in den Kampf? Bericht!" Sherlock fragte sowohl seinen Adjutanten als auch den Staffelführer.

Der Adjutant meldete sich zuerst "Sir, die letzten Verteidigungsaktionen dieser Basis umfassten alle Hochleistungsdroiden bis hin zum Xenox. Wir müssen mit dem Schlimmsten rechnen, Sir."

Sherlock wollte gerade etwas erwidern als der Staffelführer sich lachend meldete:
"Sir, es sind nur sechs Droiden."

Sherlock lehnte sich entspannt zurück.

"Fünf Zengal und..." verdammt, sogar dieser kleine Pilotenwicht hatte das mit den dramatischen Pausen besser drauf als er selber, dachte sich Sherlock ungeduldig "und ein Rhacal, Sir. Geschätzte zeit bis zur Vernichtung der Gegner 10 Sekunden."

Und schon konnte Sherlock das Aufheulen der Geschütze des Solaron hören.

Kurze Zeit war Funkstille, dann meldete sich der Staffelkommandant erneut "Sir, Gegenwehr ausgelöscht, keine Verluste, fangen mit der Plünderung der Minen an. Staffel Blau, Ende"

Sherlock zog sein Headset aus und bekam gerade noch einen Funkspruch der weissen Staffel mit, dem ersten Folgekontingent:
"Ihr habt ja gar nichts übrig gelassen, Blau"

Er blickte sich zufrieden um "Das ist der zweite Rhacal, den wir vernichtet haben. Glückwunsch. Ihr habt eure Sache echt gut gemacht."

Von der Kommunikationsstation kam sein Adjutant auf ihn zu, mit einem Ausdruck in der Hand.

Sherlock ahnte bereits, worum es sich handelte...dennoch griff er zögernd danch und schaute den Adjutanten fragend an, der nur aufmunternd nickte.



Im Namen des Imperators,
Commander [hier Name des Commanders einsetzen], Deine unermüdlichen Bemühungen im Kampf haben sich ausgezahlt. Deine besonderen Fähigkeiten in der Kriegsführung machen Dich zu einem wertvollen Kämpfer für das Imperium.
Mit sofortiger Wirkung wird Dir der Titel eines Warrant-Officer verliehen.

Du bist hiermit berechtigt, in allen offiziellen und inoffiziellen Dokumenten den Titel [hier Titel einsetzen] zu führen.
Ferner darfst Du darauf bestehen, mit Warrant-Officer angesprochen zu werden.

Der Imperator beglückwünscht Dich zu Deinen Leistungen und hofft weiterhin auf Dich als treuen Gefolgsmann zählen zu können.

gez. im Auftrag des Imperators
-unleserlich-



Sherlock hatte wieder eine Träne der Rührung in den Augen. Er hatte endlich den letzten Unteroffiziersgrad erreicht.

Umwälzungen

Sherlock stand auf seiner Aussichtsplattform und betrachtete das Land um sich herum. Vieles hatte er erlebt, vieles gesehen und noch mehr gehört.

Es war Zeit.

Sherlock seufzte tief.

Sherlock nippte an seinem Tee, den er sich in einer Thermoskanne mitgebracht hatte, und lies seinen Blick weiter über die sanften Hügel um seine Basis schweifen.

Einiges hatte sich hier ereignet, große Schlachten waren hier bereits geschlagen worden. Empfindliche Niederlagen aber auch großartige Siege, Jedesmal war Sherlock am Kopf einer Gruppe von Landschaftsgärtnern ausgerückt, um die Narben des Kampfes aus den Hügeln zu beseitigen. Er wollte einfach für immer diesen herrlichen Ausblick genießen.

Sein Adjutant kam vorsichtig die kleine Leiter zum Ausguck hoch.
"Sir, die Clanführung ist benachrichtigt, Sir." Er sprach leise, er wusste um die Bedeutung dieser Stunden.

Der Abschied war ihm schwer gefallen. Sherlock hatte die Commander ein letztes Mal angerufen, und ihnen sein Vorhaben mitgeteilt. Er war überrascht, wie heftig die Reaktionen teilweise ausgefallen waren.

Sein Entschluß jedoch stand fest.

Sherlock riß sich von dem Anblick seiner geliebten Landschaft los und kletterte langsam nach unten zurück in seine Basis.

Auf dem Weg in die Kommandozentrale begegneten ihm nur wenige seiner Untergebenen. Die auf die er traf wichen seinem Blick aus und taten besonders geschäftig. Keiner hielt ihn auf, um zu einem der üblichen kleinen Gespräche anzusetzen.

Als Sherlock schließlich in die Kommandozentrale kam, gab er selbst den Befehl ein, der letztlich zum Ende eines Kapitels in seinem Leben führen sollte.

Er bestätigte die Sicherheitsabfrage und war ab dem Zeitpunkt clanlos.

Er fühlte sich verlassen.
Einsam.
Schutzlos.
Nackt.

Kein Clan mehr, der ihm den Rücken stärkte.

Sherlock schüttelte diese Gefühle ab und sah nach seinem persönlichen Kommunikator.

"Werter Commander, haben Sie mein Anliegen prüfen können?" Sherlock klang etwas unterwürfig.

"Ja, habe ich. Meine Kameraden haben zwar zunächst etwas Widerstand geleistet, aber schlußendlich waren alle meiner Meinung. Deinem weiteren Weg steht nichts mehr entgegen."

Sherlock musste Grinsen. "Prima, ich mach mich gleich an die Arbeit. Sherlock, Ende"

Sein Adjutant hatte das Gespräch mitgehört. "Sir, was wird jetzt passieren?"

Sherlock grinste immer noch "Große Dinge!" sagte er geheimnisvoll "Sehr große Dinge"

Sherlock starrte auf den Bildschirm vor sich. Es waren zwei Tage vergangen seit er das letzte Mal geschlafen hatte. Er verfolgte mit geröteten Augen den Countdown.

Besorgt kam sein Adjutant in die Kommandozentrale und sah seinen Chef immer noch vor dem Monitor kleben. Immerhin würde es jetzt nicht mehr lange dauern. Der Countdown war annähernd bei Null angekommen.

Schließlich konnte auch der Adjutant sich der Faszination des Countdowns nicht mehr entziehen. Wie gebannt starrte er auf den Monitor.

Gleich würde es soweit sein, der Countdown würde bald fertig sein. Nicht mehr lange und es würde...

Mit einem Schlag wurde es dunkel in der Basis. Sämtliche Systeme waren Offline. Lediglich die batteriebetriebenen Notausgangsschilder gaben etwas Licht von sich.

Sherlock blinzelte. Nichts änderte sich... es blieb dunkel.

"Ähm, was ist los?" seine Stimme versagte fast, er hatte lange nicht mehr gesprochen.
"Sir, ich glaube so war es das letzte Mal auch" Der Adjutant war etwas gefasster als Sherlock.
"Bist Du Dir da sicher? Vielleicht wurden wir auch angegriffen, diese Skaron haben sich ja lange nicht mehr blicken lassen."

Der treue Adjutant wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als ein blinkender Cursor auf dem Kontrollmonitor vor ihnen erschien.

Gespannt hielten die beiden Männer den Atem an.

Etwas wurde auf dem Monitor ausgegeben.
Zitat:

.........
Logging on to system
.........
Retrieving information
.........
Logging on to clan resources
.........
Authenticating network
.........
Welcome to [Karthago]

Der Adjutant las die Meldung mehrmals bis er sie verstand.
"Sir, ist das wahr?"

"Da stehts doch." Sherlock lehnte sich entspannt zurück. Alle Mühen hatten sich gelohnt. Der Clanwechsel war geglückt.

Persönliche Werkzeuge