Anfänge (The Phoenix)

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Teil 1

Mein Abenteuer begann mit meinem Entschluss, mir an einem gänzlich anderen Ort als Arret oder der schon erforschten Umgebung der Eßartschlim eine Bleibe zu suchen, die mich auch noch in einigen Jahren würde fordern können. Der jetzige Entwicklungsstand meines Heimatplaneten Arrets war so hoch, auch durch fremdartige Technologien wie die der Misaks oder der Reinakluv, dass sich hier ohne irgendeine Anstrengung jeder durchs Leben mogeln konnte.

Die Reinakluv waren kurz nach ihrer Wissensweitergabe an uns (darunter war auch eine noch nicht getestete Erfindung) leider ausgestorben, auch da ihre Weltanschauung verbot, dass man sich mit anderen Rassen vermischte (dies war die allgemein anerkannte Erklärung für das plötzliche und mysteriöse Verschwinden der Reinakluv, woran ich persönlich aber meine Zweifel hatte). Die Misaks zogen sich in einen Quadranten der Eßartschlim zurück, um für sich alleine zu werkeln. Auch Angebote seitens der Schnemen (so hieß meine Rasse) mit Entwicklungshilfen oder so etwas wurden ignoriert. So hatte mein Volk nur einen kurzen Einblick in ihre Technologien und ihren Entwicklungsstand bekommen, ihn aber nicht vertiefen können.

Trotz der reichhaltigen politischen Ereignisse war der Reiz des Lebens für mich irgendwie dahin. Ich hatte noch das Blut meiner Vorfahren in mir, welches mich drängte, weit hinauszureisen, in Welten, die noch nie ein Schnem zuvor gesehen hatte. So forschte ich, was es denn mit der noch ungetesteten Erfindung auf sich hatte, die uns überlassen worden war.

Ich erfuhr, dass sich noch nicht mal die Reinakluv mit ihren einzigartigen Möglichkeiten getraut hatten, dieses Gerät einmal auszuprobieren geschweige denn zu bauen, da einige Faktoren in Bezug auf das Raum-Zeit-Gefüge noch nicht genügend überprüft worden waren. Ich mit meinem Sturkopf dachte, dass wird schon irgendwie gehen, und versuchte mich an der Lösung einiger Probleme der höheren Mathematik. Durch mein tiefes Einsteigen in die Materie gelang es mir auch endlich in groben Zügen zu erfahren, was dieser Apparat denn nun genau tat (oder tun sollte).

Er konnte bei richtiger Anwendung einen einzigen Schnemen (der Energieaufwand schon für einen einzigen war dermaßen hoch, dass für die Durchführung eines etwaigen Experimentes die gesamten Energieleistungsreserven der Eßartschlim zusammengeschaltet werden mussten) in ein anderes wie auch immer geartetes Parallel-Universum transportieren, nur leider ohne Rückfahrkarte (es sei denn, die Eßartschlim erholte sich schnell genug vom enormen Energieentzug).

Ich brannte darauf, diese Maschine endlich ausprobieren zu können, und so prüfte ich die Berechnungen der Mathematiker der Reinakluv nicht länger, behauptete, es wäre alles in bester Ordnung, und in meiner Funktion als Chef einer vollautomatisierten Fabrik gab ich kurzerhand den Robotern den Auftrag, alles nach exakt diesen Plänen zu produzieren und zu montieren. Die Fertigstellung konnte ich kaum abwarten, da ich endlich weg von diesem Planeten wollte. So war ich mir auch nicht zu schade, auf Knien um die dringend benötigte gesamte Energie der Eßartschlim zu betteln, wobei ich den Planetenräten von einer neuen Erfindung berichtete, womit sie im ganzen Universum den engültigen Frieden verbreiten konnten (für mich war es hier eh schon viel zu friedlich). Die waren natürlich davon hellauf begeistert und veranlassten alles, damit ich mich endlich von diesem tristen Leben hier trennen konnte.

Als ich nun das erste Mal in die neue Maschine stieg, hatte ich ein starkes Gefühl von Unwirklichkeit, meinte, doch lieber alles abblasen zu müssen. Andererseits warteten die Räte und eigentlich alle friedlichen Völker der vereinten Eßartschlim auf ein sichtbares Ergebnis meiner jahrelangen und geldverschlingenden Experimente bzw. des Nachbaus eines außerarretschen Apparates. Also setzte ich mich in den extra eingebauten Stuhl, schloss die Luke und sicherte mich mit verschiedenerlei Gurten und Magnetklammern. Diese sollten mich auch bei heftigeren Bewegungen der Kapsel schützen. Ich rief mir noch mal alles Wichtige in den Kopf, stellte fest, das ich nichts vergessen hatte und holte tief Luft. Dann drückte ich denn einen Knopf.

Und, ja, was soll ich sagen, es passierte nichts. Jedenfalls kam mir das so vor. Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen, bereitete mich auf die Fragen aller möglichen Völker vor, warum das Experiment gescheitert war und öffnete die Luke.


Teil 2

Ich erschrak. Eine Geräuschlawine intensivsten Ausmaßes stürmte auf mich ein. Donnernde Explosionen, die mein Herz beinahe aus dem Tritt brachten und überall Einschläge von länglichen Objekten, deren Druckwellen mich immer wieder von den Beinen rissen. So blieb ich einfach dort sitzen, wo ich nach einer besonders nahen Detonation hingefallen war und gaffte. Mich kümmerte es auch nicht großartig, ob ich vielleicht gleich zerfetzt würde, denn der Schock saß einfach zu tief. Schillernde silberne Wolken leuchteten für eine Weile über den Horizont und durch die rauchgeschwängerte Luft zuckten immer wieder rote Strahlen, die ich als Laser identifizieren konnte. Was war nur aus meinem Planeten geworden? Ich war doch nur für ein paar Minuten in der Kapsel geblieben und nun die aufgewühlte Erde, der Kriegslärm (denn das war es wohl), überall Einschlagskrater und kein Stück von gesundem Gras oder gar Bäumen zu erkennen. Alles verrußt oder verbrannt.

Es war einfach unfassbar: innerhalb weniger Minuten war mein friedlicher Planet zu einem dreckigen Kriegsschauplatz verkommen. Da hatte ich nun mein Abenteuer! Ich versuchte noch einmal alles zu rekapitulieren, was ich an Erinnerungen an die Funktionsweise der Maschine behalten hatte, aber da ich mir nicht alles vollständig durchgelesen hatte, brachte mir dies auch nicht den entscheidenden Hinweis. So versuchte ich das Pferd von hinten aufzuzäumen: Wo war ich? Das konnte ich momentan noch nicht beantworten, eventuell noch auf meiner....

Ich erwachte aus einem traumlosen Schlaf. Jemand fummelte an mir herum, zwar zärtlich, sehr darauf bedacht, mich nicht zu verletzen, trotzdem merkte ich die versteckte kraft dieser hände (oder was auch immer das war) und ich versuchte, ein Wort aus meinem Mund zu bekommen. Er war völlig ausgedörrt, und so kratzte ich meinen letzten Speichel zusammen und bat diesen jemand in meiner Not um Wasser. Sofort wurden mir die Lippen benetzt und auch ein Glas vorsichtig an den Mund gelegt, woraus ich auch gierig trank. Soweit wieder hergestellt, wenigstens etwas sagen zu können, entschloss ich mich, meine vermaledeiten Augen jetzt endlich aufzumachen. Gedacht, getan.

Vor mir stand ein Roboter! Ganz bauähnlich wie unsere, nur dieser hier war quietschrosa. Welchem Hornochsen von Designer war das denn eingefallen? Da ich wusste, dass unsere Roboter keine wie auch immer geartete Intelligenz besaßen und auch nur eine begrenzte Möglichkeit zur Verständigung, beschränkte ich mich auf einfache Fragen und hoffte auf wenigstens einigermaßen sinnvolle Antworten.

„Wo bin ich?“ „Ich muss ihnen leider sagen, dass sie noch nicht so wiederhergestellt sind, um mir Fragen stellen zu können. Daher muss ich sie bitten, die nächsten paar Stunden nicht mehr viel zu reden. Ich werde ihnen alles berichten, was in der Zwischenzeit passiert ist und auch, was sie fragen wollten, beantworte ich ihnen. Also können sie einfach zuhören und sich ausruhen.“ (Was war das? Dieser Droide hatte eine vollständig entwickelte Sprache und konnte komplexe Sätze aussprechen? Das kannte ich selbst von einem unserer hochentwickelsten Droiden nicht. Außerdem war es eine Frechheit, dass ein dahergelaufener Robo MIR Anweisungen gab.

Bevor ich aufbegehren konnte, sagte der Roboter: „Da ich den Protest in ihren Augen sehen kann, werde ich sie noch eine Stunde in einen Heilschlaf versetzen, damit sie sich nicht unnötig aufregen.“ Schon versuchte mir dieser schreckliche rosa Droide eine Spritze zu verpassen. Ich wehrte mich dagegen, was mir aber nicht gelang. Das rosafarbene Etwas sagte nur ruhig: „Wenn sie sich noch mehr sträuben, kann es passieren, dass ich ihnen versehentlich einen Arm breche." Da ergab ich mich in mein ungewisses Schicksal und ließ ihn (oder sie?) gewähren...

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