Abzug der Imperialen Garde (21.03.2004 - Silverion)
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Silver Plains
Militärisches Hauptquartier der Imperialen Garde, Hammerfest
23. April 975 Imperialer Zeitrechnung
Mit einem leisen seufzenden Piepen schaltete sich die Konsole unter Suse´s Händen ab. Auf ihren Gesichtzügen spiegelte sich Missbilligung. Als ihre Augen zu dem verantwortlichen Tech glitten, übertrug sich damit ihre spürbare Ungehaltenheit auch auf ihn. Der junge Mann schluckte leicht, musste sich zusammenreißen, nicht den Blick zu senken: „Nachschubprobleme.“ „Ach, tatsächlich?“ Es klang eher wie eine Feststellung. Mit einem leisen Rascheln der weinroten Armschleppen an ihrem Kleid wandte sie sich ab und überlies die Konsole dem Tech.
Natürlich Nachschuhprobleme, was sonst? Sie seufzte im Gedanken. Und wieder eine Station, die nicht funktioniert.
Seitdem die Aliens die Orbitale Verteidigung durchbrochen hatten, seitdem diese... Viecher.. das Imperium direkt bedrohten, wurden alle Mittel und Ressourcen für die Verteidigung des Reiches eingesetzt. Ohne das Imperium würden Ordnung und Recht, Ehre und Gesetz aufhören zu existieren. Die Menschheit würde in die Steinzeit zurückfallen.
„Lordprotektorin?“ eine junge Offizierin trat an sie heran, mit gedämpfter Stimme. Suse wusste, was das bedeuteten würde. „Die Gefechtsberichte der letzte Nacht... und die Verlustliste der letzte Woche.“ Suse nahm das Notepad wortlos entgegen, schenkte der Botin ein dankbares Lächeln und überflog die Berichte. Die Kämpfe an der Nordmauer hielten an... die Air Base Nemir Ca ist gefallen... die Aliens haben den Ring um die Hauptstadt geschlossen... Ein kurzer Blick auf die Verlustliste reichte aus, um sie innerlich zu erschüttern „So viele?“ fragte sie leise, eher sich selbst. So viele Namen... sie schüttelte kurz energisch den Kopf, brachte ihre Gedanken und Empfindungen unter Kontrolle. Ich kann es mir nicht leisten, schwach zu erwerden. Mit einer ruhigen Bewegung legte sie das PAD auf ihren Schreibtisch. Sie würde die Liste nachher lesen, allein. Es war das mindeste, was sie tun konnte, um die Gefallenen zu ehren.
„Hrrmmmrr.“
Suse schaute auf, lächelt leicht: „Ungrimm, schön dich zu sehen.“ Ungrimm erwidert kurz das Lächeln, trat auf sie zu. Seine Rüstung knirschte leise, als er vor der Lordprotektorin freundschaftlich salutierte, dann wurde sein Gesichtsausdruck ernst. „Ich denke, es ist jetzt an der Zeit.“
„Aber unsere Aufgabe ist noch nicht beendet.“
„Mag sein, aber im Moment können wir nicht viel tun... Suse.. die Schattenhand liegt in Trümmern, vielleicht sogar für immer.“
„Aber das wissen wir nicht...“ wandte sie sanft, aber bestimmt ein. Ungrimm brummt zustimmend: „Ja, aber selbst wenn... womit sollen wir sie aufhalten? Die Imperiale Garde ist ins Reich abberufen worden. Und die Droiden, die noch hier stationiert sind, wirken auf mich eher wie ein Rumpfmannschaft.“ Er schwieg kurz: „Ein Rumpfmannschaft ohne Ersatzteile, Munition oder Treibstoff...“ Die Lordprotektorin strecke die Hand aus, ihre Fingerspitzen strichen über die kühle, glatte Schale des Notepads. Die Namen liefen langsam über den kleinen Bildschirm. Sie nickte schweigend.
Im Wartungshangar der Hammerfest Basis fluchte Major Curtis leise, schlug frustriert auf die Waffenkonsole im Cockpit seines Zengals. Ein paar Funken sprühten, mehr rührte sich nicht. Er knurrt genervt. „Nichts klappt hier in diesem scheiß Clanländern.“ Sein Droide streikte, es gab nur noch Feldrationen zum spachteln, seine Kameraden kämpfen zu Hause um ihr Leben und er saß in den Clanländern fest. Dazu verdammt, Däumchen zu drehen. Er war ein Krieger, kein feiger Claner. Er hatte die Schnauze gestrichen voll. Sein Kommunikator verlange jetzt auch noch piepsend seine Aufmerksamkeit: „Wer nervt mich jetzt schon wieder,“ schnauze er hingebungsvoll in den Kom.
„Major Curtis?“ kam eine etwas blechernde klingen Frauenstimme aus dem Lautsprecher. Oh oh, das ist gar nicht gut. Sofort verbannte er seine Frustration aus der Stimme und antwortete betont formell: „Lordprotektorin?“ „Ich habe eine Bitte an Sie...“
Dunkel lag die taktische Kommandozentrale da, Suse ging mit leisen Schritten durch den großen erhabenen Raum, er wirkte jetzt noch viel größer als sonst. So leer. Nur wenige Lampen und Bildschirme spendeten noch Licht. Gerade genug, um die Dunkelheit der Nacht zu verdrängen. „Die letzte Einheit ist gerade abgerückt: Sie werden sich der 31. Division anschließen,“ meinte Ungrimm, entspannt neben der Haupteingangstür gegen die Wand gelehnt, sich eine Pfeife stopfend. Suse nickte leicht: „Endet es so?“ Ungrimm lachte leise auf, ehrlich amüsiert: „Blödsinn, ... das Imperium hat zur Zeit anderen Sorgen... vielleicht tut uns diese Pause mal ganz gut.“ Dann verfinstere sich seine Miene: „Außerdem habe ich das Gefühl, dass die Schattenhand nicht so tot ist, wie die Propaganda und Geheimdienstanalysten behaupten.“ Er zündete sich die Pfeife an, zog einmal tief, lies seinen Blick schweifen: „Es wird jetzt auch Zeit für dich.“
Suse lächelte leicht: „Nein, ich bleibe hier. In den Clanländern. Meine Aufgabe ist noch nicht beendet,“ Sie strafte die Schultern. „Zerschlagen, verschwunden, aufgelöst, wie auch immer. Ich muss und will Xopherus und seine Bande von Verrätern zur Strecke bringen. Es ist meine Pflicht.“ Sie blickte zu Ungrimm, ein Hauch Wehmut in den Augen. Ungrimm nickte kurz verabschiedend, zog an seiner Pfeife und verließ mit schweren Schritten die Kommandozentrale.
„Die Letzten werden die Ersten sein.“ murmelte Suse leise, als auch sie die Zentrale für taktische Operationen der Imperialen Garde verlies. Die letzen Bildschirme erstarben und langsam verlosch das Licht.
... Vorerst kehrte Ruhe ein.
