Überleben I (14.04.2004 - Kenji)
Aus D-WARS.COM - Wiki
Clanländer
Quadrant 0, in der Nähe von Camp Krusty
17. Mai 975 Imperialer Zeitrechnung
04:30 Standardzeit
Zar spähte durch das elektronische Fernglas, stellte es etwas schärfer. Seine Sinne hatten ihn nicht getäuscht: In einiger Entfernung marschierte eine Kolonne von 15 Merger, den Bewegungen nach zu urteilen schwer beladen. Der Fokus des Fernglas wanderte weiter, er suchte nach Begleitschutz. Nichts zu sehen. Perfekt. Zar legt das Fernglas weg, sprach leise in das Headset. „Schatten an Engel. Ich sehe sie,“ flüsterte er, eigentlich unnötig, aber alte Gewohnheiten waren schwer abzulegen: „15 Osterhasen, ich wiederhole eins fünf Osterhasen, mit Eiern im Körbchen. Sie marschieren Richtung Camp Krusty...“
Ein kurzes Knacken in seinem Ohr antwortete ihm, gefolgt von einer sanften Frauenstimme: „Verstanden. Wir schlagen zu.“ Zar griff wieder nach dem Fernglas, betrachtete erneut die Marschkolonne. Mehrere Minuten lang passierte nichts, die Truppe entfernte sich von ihm. Plötzlich rauschten mehrere dutzende Raketen auf die Spitze des Transportkontingents zu und schlugen kurz vor den Füssen der Führungsmaschine auf. Mehrere Laserschüsse durchschnitten leise surren die Luft, weitere Warnschüssen vor dem Bug. Zar zoomte etwas aus der Szene raus und sah, wie mehrere Nomics und Visvos aus einem Graben auftauchten und den schwerfälligen Transportern den Weg abschnitten. Die Merger schienen zu schwanken, einige wichen aus, wandten sich schon zur Flucht, mehrere Piloten wollten es dennoch ausfechten. Törichter Mut, dachte Zar, beobachte wie der Anführer von zwei Nomics in die Zange genommen wurde. Die Angriffsdroiden hoben ihre Arme, die Zwillingsplasmageschütze eröffneten das Feuer. Der Merger stapfte schwerfällig zur Seite, konnte den gleißenden Plasmaschüssen nicht mehr ausweichen . Mehrere Plasmatreffer erschütterten den Droiden, flüssige Keramikpanzerung tropfte zu Boden, ganze Panzerplatten segelten elegant durch die Luft. Die humanoiden Beine des Mergers brachen erst links gefolgt von rechts unter ihm weg. Der Transportdroide brach zusammen, wie eine Marionette, der man die Fäden durchgeschnitten hatte. Dichter schwarzer Rauch stieg auf, verdunkelte ein wenig die langsam aufgehende Sonne. Die anderen Merger wurden von den Angreifern eingekreist, die fliehenden Transporter liefen einer vierer Gruppe Asporen in die Arme.
Offensichtlich hat das schnelle Ende des Anführers dafür gesorgt, das die anderen Piloten ihre Überlebenschancen neu überdachten. Zars beobachtete die Droiden, einige hoben ihre Stummelarme in einer Geste der Kapitulation, andere schalteten den Reaktor ab. Mehrere kleine Gestalten eilten auf die Merger zu, Ersatzpiloten und Soldaten. Zar stand auf, wendete sich zum gehen: „Engel, wir treffen uns in der Basis?“
„Bestätigt.“ kam eine gut gelaunte Antwort. Zar machte sich auf den langen Fußweg nach Hause. Was ist schon zu Hause? Mein zu Hause gibt es nicht mehr.
Clanländer
Quadrant 0, eine verlassene Basis
17. Mai 975 Imperiale Zeitrechnung
13:30 Uhr
Andächtig rieb er sich die Füße und blicke missmutig zu den Stiefeln. Offensichtlich hatte er die Strecke unterschätzt. In der Tür erschien der blonde Haarschopf seiner Kommandeurin, sie lächelte charmant: „14 Merger erbeutet, voll mit Rohstoffen. Das Uran verkaufen wir auf dem Schwarzmarkt, Öl und Titan tauschen wir gegen Munition und Ersatzteile. Vielleicht können wir so endlich die Droiden von Falk wieder ins Gefecht stellen.“
Seit dem die Schattenhand in den Untergrund getrieben wurde, überlebten sie mehr schlecht als recht. Sie plünderten Transportkontingente, alte und neuere Schlachtfelder, stahlen was sie fanden, trieben Handel auf dem Schwarzmarkt und versucht sich einigermaßen zu organisieren. Ohne Kommunikation, Nachrichtendienst, Logistik oder Nachschub war das eine Sisyphusarbeit. Kontakte musste mühevoll geknüpft werden, verstreute und versprengte Schattenhände wieder eingesammelt werden. Droiden wurde ausgeschlachtet, um anderen einsatzbereit zu machen. Manchmal wurde selbst das Essen zum Problem. Wenigstens ist die Imperiale Garde nicht mehr hinter uns her.
Er hatte nur Gerüchte gehört, einige Fetzen von Falks Droidenpiloten, Berichte aus den „freien“ Nachrichten, vereinzelte Informationen aus den verschiedenen Clansnetzen und Sendestationen. Die Imperiale Garde hatte die Clanländer endgültig verlassen. Die Skasim und das Imperium lieferten sich immer noch eine blutige Schlacht um die Hauptstadt. Sogenannte Warheads tauchten überall in den Clanländer auf. Warum und was sie dort wollten war ihm schleierhaft, es war ihm auch relativ egal...
„ZAR?!“ Er blinzelte kurz, maßregelte sich im Gedanken für seine geistige Abwesenheit, blickt zu der Blondine, die ihn mit einem listigen Lächeln musterte: „Wenn dich deine geschundenen Füße noch tragen, komm mit in den Hangar.“ Sie drehte auf dem Absatz um, ging zur Tür: „Wir erwarten Besuch.“
Zar schlüpfte eilig in die Stiefel, folgte ihren Schritten: „Besuch?“
„Wir haben Kontakt zu einem loyalen Schattenbruder aufgenommen.“ Sie ging eilig durch die leeren heruntergekommenen Gänge: „Er ist der Kommandeur einer Basis hier in der Nähe.“ Sie warf ihm einen prüfenden Blick zu, der undeutbar erwidert wurde. „Vielleicht können wir mit ihm zusammenarbeiten.“ Ihr Blick ging in die Ferne: „Eine ordentliche Kommunikationsanlage, eine Fabrik für neue Maschinen....“
„Vielleicht können wir mit seiner Hilfe die Schattenhand in diesen Quadranten neu organisieren und zumindest grundlegend wieder aufbauen,“ führte Zar die Gedanken seiner Vorgesetzen fort. „Es würde uns weiterbringen.“
Die Blondine mit Zar im Schlepptau traten durch ein schweres Schott in den relativ kleinen Hangar der aufgegeben Basis. Die Decke war teilweise eingebrochen, Gestrüpp und Trümmer blockierten einige Wartungseinrichtungen. In andere Teilen des Hangars war inzwischen mehr schlecht als recht in Stand gesetzt worden. Dort wurden mehrere kampfgezeichnete Droiden mühevoll in Stand gesetzt. Die angeschlagenen Einheiten gehörten zu Falks Truppe. Und eben dieser erwartete Zar und die blonde Kommandeurin am Eingang zum Hangar.
Falk war ein hochgewachsener schlanker Mann, ende zwanzig, kurzgehaltenes braunes Haar, attraktive Gesichtszüge, selbst die Narbe, die über die gesamte Länge seiner Wange ging, entstellte ihn nicht. Er trug eine braue Pilotenuniform, verschränkte Arme, gewinnendes Lächeln.
Er sieht aus wie ein Pirat aus einem der alten Holovids, dachte Zar. Und damit lag er gar nicht soweit weg von der Wahrheit. Auch wenn Falk die Bezeichnung „Profitorientierter Abenteurer“ bevorzugte. Falk und seine Truppe hatten sich von einem zerschlagenen Söldnerregiment der Schattenhand allein durchgeschlagen, bis sie zufällig über eine Plünderpatrouille geführt von Zar stolperten. Falk schloss sich mit seinen Männern der Untergrundbewegung an, arbeitete jetzt mit Zar zusammen, Spannungen zwischen den beiden waren nichts neues. Falk ergriff die Hand der blonde Frau, hauchte ihr einen Kuss auf den Handrücken: „My Lady, meine Sturmtänzer sind fast wieder einsatzbereit. Schon bald können wir vereint Seite an Seite kämpfen.“ Zar verdrehte ganz leicht die Augen, während sie kokett lächelte, aber ihrem Verehrer elegant die Hand entzog: „Alles zu seiner Zeit, Captain Falk. Zuerst wollen wir unseren Besuch empfangen.“ Sie ging leichtfüßig an dem immer noch charmant lächelnden Falk vorbei. Zar folgte ihr, warf dem Söldner und Piraten einen kurzen finsternden Blick zu.
Die Tore des Hangars öffneten sich mit einem schweren tiefen Scheppern, langsam quietschend glitt das schwere Stahl-Titantor zur Seite. Drei graugrün lackierte Asporen stampften langsam in den Hangar, deutlich war auf ihren Torsos das Emblem der Schattenhand zu sehen.
„Es sieht so aus, als wären wir nicht die einzigen Überlebenden.“
