Überleben II (13.07.2004 - Kenji)

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Clanländer
Quadrant 15, geheime Operationsbasis der Schattenhand
25. Juni 975 Imperiale Zeitrechnung
9: 27 Uhr

Falk machte es sich auf dem Kommandantensitz bequem. Mit schnellen Griffen schnallte er sich fest und startete die Maschine. Nach und nach erwachten die Anzeigen und Steuerelemente zum Leben. Kurz unterbrach er die gewohnte Routine. Er strich mit den Händen vorsichtig über die Hauptsteuerkontrolle und holte tief Luft, schnupperte leicht. Fabrikneu. Er lächelte breit. Es war ungewohnt für ihn, in einem nigelnagelneuen Droiden zu sitzen. Die letzten Monate waren eher entbehrungsreich und ungewiss. Und jetzt sitze ich in einem neuen Aspor, dachte er. Er schaut kurz aus dem Cockpitfenster zu den anderen neuen Maschinen seiner Söldnertruppe: Zwei weitere Zengal erwachten gerade zum Leben, während eine Vierergruppe Nomics gerade den Hangar verließ. Falk war zufrieden. Es hatte sich für ihn und seine Leute gelohnt, sich wieder der Schattenhand angeschlossen zu haben. Seine Schwerttänzer wurden wiederaufgebaut. Neue Droiden, neue Piloten, Ersatzteile, Munition, mal was anderes zu essen als 5 Jahre alte Notrationen. Seit dem sich mehrere Basiskommandanten in der Gegend wieder heimlich der Schattenhand angeschlossen hatten, ging es in kleinen, aber stetigen Schritten voran.

Die Schattenhand baute sich selbst wieder neu auf. Still und leise. Kleine Zellen schlossen sich zusammen und bildeten größere Gruppen, neue Führer übernahmen das Ruder. Eine Zeit des langsamen Wachstums, aber auch der stetigen und tiefgehenden Veränderungen. Was das aber für die Zukunft bedeutete, war noch nicht abzusehen. Wenigstens haben wir unsere Ruhe. Die Imperialen sind mit den Skasim auf Kuscheltour und haben genug zu tun. Kann mir nur recht sein.

Sein Pilot startete den Aspor und steuerte auf die Hangartore zu, Falk aktivierte den Funk: „Also Leute, wir dürfen Babysitter für den Schosshund unserer verehrten Chefin spielen. Bringen wir`s schnell hinter uns, umso eher sind wir wieder in der Bar.“ Mit langsamen wogenden Schritten trat der schwere martialische Aspor aus dem Wartungsbereich und steuerte auf die Titanstahltore des Hangars zu. Hinter ihm reihten sich zwei Zengal, die Begleitdroiden, ein.

Clanländer
Quadrant 17, The Plains about Evil
25. Juni 975 Imperiale Zeitrechnung
19:41 Uhr

Zar blickte sich missmutig um, suchte den grünen Horizont nach Bewegungen ab. Noch eine alte Gewohnheit. Es war nichts zu erkennen. Im Norden zeichneten sich die weiten Ebenen und Schluchten ab. Diese bildeten eine natürlich Grenze zwischen den anarchistischen Clanländern und dem geordneten und gesetzestreuen Imperium. „So nah und doch so fern,“ murmelte er leise. „Rose...“

Er straffte die Schultern und wanderte sich von der Ansicht ab: „Ein andermal.“ Mit fast lautlosen Schritten schlich er wieder zurück durch die verwitterten Ruinen des alten Dorfes. Eine alte Siedlung, vermutlich noch aus der Zeit kurz nach dem Erwachen, schon wieder seit Jahrhunderten aufgegeben. Eingefallenen Wohnhäuser und Bauernhöfe, eine halb zusammengebrochene Kirche, alles schon mit Gras und Efeu bewachsen. Eigentlich ein recht friedlicher und ruhiger Ort. Trotzdem gab es hier etwas, was Zar`s Aufmerksamkeit auf seiner Heimkehr von einer Kuriermission erregt hatte.

Falk führte seine kleine Gruppe durch die wogende Grasebene, immer ein wachsames Augen auf das Radar haltend. Seit neuestem hatte der Clan Ragnarök einige Fallen aufgestellt und verstärke Patrouillen eingeführt, wahrscheinlich wegen der vermehrten Überfälle auf Transportkontingente. Glücklicherweise wussten sie nicht, wer dahinter steckte.

„Wir sind da.“

Mit einen kurzen Sprung landete Falk auf dem staubigen Boden und schaute sich kurz um. Fundamente und bis zur Hüfte reichende Mauern, Geröllhalden, zerfallene Häuser: „Was für eine Bruchbude. Passt zu dir, Zar.“ Der Angesprochene trat aus dem Schatten einer einsam aufrechtstehenden Wand, ein kalter Blick gefolgt von den frostigen Worten: „Schön, dass du dich endlich her bequemt hast.“ Er wanderte an Falk und seinem 15 Meter hohen Aspor vorbei: „Komm mit.“ Missmutig folgte Falk dem Agenten durch die Trümmerlandschaft. Langsam zogen weiße Federwolken über den blauen sonnigen Himmel, einige Insekten wurden aufgescheucht, ein leichter Wind blies Wellen über das hohe Gras. Kies und Steine knirschten unten den schweren Stiefeln, als er in den Hinterhof einer Wohnhausruine ohne Dach trat. Verblüfft bliebt er stehen und hob eine Augenbraue. „Dafür hast du mich herbestellt? Ein Trümmerstück? Altmetall? Schrott?!“

Mitten in einem Kreis aus Steinen und verwitterten Beton ragte ein etwa mannshohes Stück Metall aus dem Boden. Das Trümmerstück war von dunkelblauer Farbe, von in der Form her ähnelte es einem gleichmäßigen Monolithen, die Oberflächenstruktur war zerbeult, verkratzt und verbrannt. Falk lachte leise: „Für dich muss das ja richtig faszinierend sein, aber selbst dir hätte ich mehr Coolness zugetraut. Zar, mit dir geht es zu Ende.“ „Fass mal an.“ Falk strecke die Hand aus, berührte kurz vorsichtig die zernarbte Oberfläche: „Warm,“ stellte er mit leichter Verwunderung fest, zuckt dann mit der Schulter: „Na und? Seitdem sich unsere grünen Freunde im Orbit rumtreiben, fällt fast ständig irgendwas vom Himmel.“ Zar trat auf die andere Seite des Wrackteils und winkte Falk ran. Mit einem demonstrativen Augenrollen und verschränken Armen stapfte Falk um das metallene Bruchstück herum ... und pfiff leise erstaunt: Ein halbverbranntes Schattenhandemblem zeichnete sich deutlich ab, darunter ein verwitterter Schriftzug: „Wow... okay, Zar, du hast zum erstenmal meine Aufmerksamkeit verdient. Was ist das? ...Ich kann die Schrift nicht lesen.“

„Da steht Schwerer Plasmaturm 4,“ meinte der Agent ruhig und gelassen: „Vorrausgesetzt du kannst überhaupt lesen.“ Falk warf einen finsteren Blick an dem Metallstück vorbei zu seinem Gegenüber. Der musterte gerade den Horizont: „Kannst du hier irgendwo eine Basis erkennen? Oder frische Kampfspuren?“ Mit einer geschmeidigen Bewegung ging Zar in die Hocke, betastete eine schwarzverbrannte Kante: „Sieht aus, als wäre auf diesen Turm geschossen worden. Oder zumindest wurde er von einer Energieentladung getroffen.“ Er richtete sich wieder auf, wischte beiläufig die Hände an der schwarze Hose sauber: „Wie ist das Ding hierher gekommen? Wer hat darauf geschossen? Wo stammt es her?“ Falk zuckt mit der Schulter: „Keine Ahnung, seh ich wie Selaris aus?“ Er klopfte mit der Stiefelspitze gegen das Metall: „Na ja.. scheint wichtig zu sein,“ brummt er mäßig begeistert. „Ich werd`s mitnehmen.“

„Sorg dafür, dass es sicher in der Basis ankommt. Es muss analysiert werden. Vielleicht kann dieses Fragment ein paar Rätsel lösen.“ Falk mustere das Fundstück, griff nach seinem Funkgerät am Gürtel: „Trevor, bring deine Kiste hier. Hier gibt’s tatsächlich was sinnvolles zu tun.“ Ein rauschende Stimme antwortete ihm, er lauschte kurz und antwortete: „Ja, ich denke schon, das es schnell geht. Ist nicht besonders groß. Beeil dich.“ Er schaltete ab, wandte sich zu Zar um.

... und blickte in eine leere Ruinenlandschaft. Zar war lautlos verschwunden: „Ich hasse es, wenn er diese Tour abzieht.“

Clanländer
Quadrant 15, geheime Operationsbasis der Schattenhand
25. Juni 975 Imperiale Zeitrechnung
23: 55 Uhr

Zar betrachtete das auf dem Boden des Hangars liegende Trümmerstück: „Hier können wir es nicht gründlicher analysieren. Die Ingenieure sagen, dass es Teil einer Panzerung eines Schweren Plasmaturms ist. Vermutlich war es mal ein Stück der Sockelpanzerung.“ Er schaut zu der blonden Kommandeurin rüber. „Für mehr müssen wir es weiterschicken. Das wird ein Weilchen dauern, ebenso die eigentliche Untersuchung.“ Mit einem Lächeln glitt sie elegant von einer Kiste mit Munition, ging um das Stück herum: „Meinen sie, dass der Aufwand gerechtfertig ist?“ Zar zuckte mit der Schulter. „Schwere Plasmatürme haben nicht die Eigenschaft, einfach so vom Himmel zu fallen. Besonders nicht mit einem Schattenhandemblem,“ entgegnete er. Die junge Frau blickte nachdenklich drein, spielte mit einer Locke aus ihre blonden Mähne, dann nickte sie langsam und mit ernsten Zügen blickte sie zum Agenten: „Zar... schaffen sie es zur Untersuchung weg.“ Er nickte kurz, wollte sich gerade zum gehen wenden: „Ach und noch etwas... versuchen sie unauffällig zu sein... Falk muss davon nichts mitbekommen.“ Sie lächelte leicht: „Dieses Baby könnte uns in Zukunft noch einige Vorteile bringen. Vorteile, die wir dringend brauchen.“

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